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Sorge um Angela Merkel: Die Bundeskanzlerin erleidet dritten Zitteranfall – das vermutet ein Neurologe

Beim Empfang des finnischen Ministerpräsidenten fing die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut an, deutlich sichtbar zu zittern. Es ist der dritte Anfall innert drei Wochen. Ein Neurologe äussert eine Vermutung.

Christoph Reichmuth, Berlin
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Bei den militärischen Ehren für den finnischen Ministerpräsidenten Antti Rinne gestern im Ehrenhof des Bundeskanzleramtes begann die Kanzlerin beim Abspielen der finnischen Hymne abermals leicht zu zittern. Das Zittern blieb auch, als die deutsche Landeshymne gespielt wurde. Kaum bewegte sich die deutsche Regierungschefin, die nächsten Mittwoch 65 Jahre alt wird, nach der Zeremonie, hörte das Zittern auf.

Erlitt erneut einen Zitteranfall: Bundeskanzlerin Angela Merkel (Bild: Keystone)

Erlitt erneut einen Zitteranfall: Bundeskanzlerin Angela Merkel (Bild: Keystone)

Der gestrige Anfall war der dritte innerhalb von gut drei Wochen. Zum ersten Mal zitterte die Kanzlerin Mitte Juni beim Empfang des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj – der damalige Zitteranfall war ungleich heftiger als der gestrige. Damals wurde das Zittern noch mit der damals grossen Hitze, die in Berlin an jenem Tag herrschte, erklärt. Merkel trank hernach ein Glas Wasser und versicherte, sie fühle sich weit besser.

Nur neun Tage nach dem ersten Vorfall zitterte die CDU-Politikerin bei der Ernennung der neuen Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue erneut. Eine Erklärung für das Zittern durch die Hitze hielt damals wie gestern nicht mehr stand.

Merkel erklärte nach dem Vorfall beim Bundespräsidenten, ihr Zittern habe psychologische Ursachen. Sie habe bei der Ernennung der Justizministerin so sehr daran gedacht, ein Zittern wie Mitte Juni verhindern zu wollen – dass am Ende genau die Symptome wieder aufgetreten seien. «Ein psychologisch-verarbeitender Prozess», begründete damals auch ein Regierungssprecher.

Hat das Zittern psychische Ursachen?

Ähnlich argumentierte die Kanzlerin gestern, als sie bei der anschliessenden Pressekonferenz auf das Zittern angesprochen wurde. Sie befinde sich noch immer in der «Verarbeitungsphase» des Vorfalls von Mitte Juni. «Die ist offensichtlich noch nicht ganz abgeschlossen, aber es gibt Fortschritte», so die Kanzlerin. Sie betonte, Grund zur Sorge bestehe nicht – sie sei auch weiterhin voll leistungsfähig. «Ich glaube, dass es so, wie es gekommen ist, eines Tages auch vergehen wird.» Nach einer Pause schob sie nach:

«Und ansonsten bin ich ganz fest davon überzeugt, dass ich gut leistungsfähig bin.»

Verschiedene deutsche Medien – darunter die «Bild» – gaben sich mit der dünnen Erklärung der Kanzlerin nicht zufrieden. «Die Gesundheit von Angela Merkel ist jetzt ein Politikum», stellte das Boulevardblatt fest. Tatsächlich hat die Öffentlichkeit ein Anrecht darauf zu erfahren, wie es um die Gesundheit der Regierungschefin des wichtigsten EU-Staates bestellt ist. Ist sie tatsächlich voll leistungsfähig, wie sie selbst versichert? Ist sie in der Lage, die Interessen Deutschlands und der EU international zu vertreten und sich auch um die nicht minder wichtigen innenpolitischen Angelegenheiten zu kümmern?

In Kreisen gut informierter Berliner Regierungsjournalisten, die seit Jahren mit der Kanzlerin durch die Welt reisen, wird gemutmasst, die bald 65-Jährige habe sich ihre Gesundheit durch ihr enormes Arbeitspensum und ihren wenig zimperlichen Umgang mit ihrem eigenen Wohlbefinden selbst ruiniert. Merkels Arbeitspensum kann – je nachdem, was auf der Agenda steht – bis zu 140 Stunden pro Woche umfassen. So kommt es vor, dass sie morgens im Bundestag eine Rede hält, am Mittag den Flieger nach Asien betritt und trotz Zeitverschiebung wichtige Unterredungen mit anderen Staatschefs hält.

Zudem soll Merkel schon einmal, 2017 bei einem Empfang in Mexiko-Stadt durch den damaligen mexikanischen Präsidenten Peña Nieto, am ganzen Körper gezittert haben. Merkel, so heisst es, kuriere Grippen oder Krankheiten so gut wie nie aus. Fühle sie sich schlecht oder habe sie Fieber, würde die Kanzlerin Tabletten schlucken und ihr Pensum weiter abspulen anstatt dem Körper Ruhe zu gönnen. Die Quittung sei nun eine angeschlagene Gesundheit, attestieren Beobachter.

Neurologe: Parkinson unwahrscheinlich

Der Berliner Neurologe Walter Raffauf glaubt an eine harmlose Erkrankung, welche die Kanzlerin in ihrer Arbeit nicht beeinträchtigen wird. Freilich, so betont Raffauf gegenüber der CH-Media-Redaktion, könne er nur Mutmassungen anstellen.

Aber: «Wenn ich mir die Videos ansehe, gibt es eine Krankheit, an die ich sofort denken muss: An den orthostatischen Tremor. Ein Zittern also, das üblicherweise im mittleren Lebensalter auftritt und sich nur beim Stehen manifestiert. Die Erkrankung ist wissenschaftlich nicht ganz verstanden, aber in ihrem Verlauf völlig harmlos.» Diese Form des Zitterns kann medikamentös behandelt werden. «Es ist eine seltene Krankheit des Nervensystems, die im Prinzip banal ist.»

Ein Schluck Wasser helfe gegen das Zittern hingegen nicht. «Stellt man den Betroffenen aber einen Stuhl hin, würden die Symptome bei dieser Krankheit sofort verschwinden. Die Haupttherapie gegen diesen Tremor ist simpel: Nicht länger herumstehen.» Ein durch Medikamentenkonsum ausgelöstes Zittern oder gar eine Parkinsonerkrankung hält Raffauf für unwahrscheinlich.

«Bei Parkinson sieht das Zittern ganz anders aus.»

Gerüchte und Vermutungen – Merkel täte gewiss gut daran, die Ursache für ihr Zittern zu erläutern. Demnächst dürfte die Kanzlerin in die Ferien aufbrechen. Möglicherweise kehrt sie danach erholt ins Kanzleramt zurück.