Sonnenkönig Donald Trump

Zur Sache

Renzo Ruf
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Es ist bezeichnend:Gleich zweimal beklagte sich Donald Trump am Donnerstag im Weissen Haus darüber, dass sich das Ausland über die USA lustig mache. Der amerikanische Präsident scheint tatsächlich der Meinung zu sein, dass der Spott, der dem Neopolitiker entgegenschlägt, gleichbedeutend mit fehlendem Respekt gegenüber der amerikanischen Bevölkerung und der grössten Volkswirtschaft ist.

Dies ist ein höchst unsympathischer Wesenszug, der sich trefflich auf einer Therapeuten-Coach analysieren liesse. Amerikas Verbündete aber sind gut beraten, sich mit dieser charakterlichen Schwäche abzufinden. Und sich darauf einzustellen, dass Trump den Partnern, zu denen auch die Schweiz gehört, noch einige Male den Stinkefinger zeigen wird. Denn Trump wird sich in den mindestens drei Jahren und sieben Monaten, in denen er noch im Amt ist, nicht ändern, dafür ist er zu alt und zu erfolgreich.

Ein Konfrontationskurs kommt deshalb einer Zeitverschwendung gleich. Und Kraftmeiereien à la Emmanuel Macron – Händedrücken, bis die Knöchel weiss werden – sind kontraproduktiv. Sonnenkönig Donald kann nicht unterscheiden zwischen legitimer Kritik an seiner isolationistischen Politik und Vorbehalten gegenüber seiner Person. Besser wäre es, würde Europa stattdessen die Gemeinsamkeiten betonen und sich auf Bereiche konzentrieren, in denen eine Partnerschaft mit der US-Bundesregierung möglich ist – gerade in wirtschafts- und bildungspolitischen Fragen, in denen selbst die kleine Schweiz eine Vorreiterrolle spielen kann. Der Klimaschutz aber gehört seit dem Donnerstag nicht mehr zu diesen Bereichen.