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So hilft die Schweiz vor Ort

Vielfach gilt die ehemals jugoslawische Teilrepublik Bosnien-Herzegowina als Fass ohne Boden. Die internationale Gemeinschaft hat seit Kriegsende 1995 Milliardensummen in Friedenserhaltung und Wiederaufbau gesteckt, viel Geld ist im zersplitterten, korrupten System versickert.

Doch die Schweizer haben es stets verstanden, die Hilfsgelder gezielt und effizient einzusetzen. Mit jährlich 20 Millionen Franken ist die Schweiz derzeit viertgrösstes Geberland. «Auf bürokratisch-technischer Ebene gibt es durchaus Fortschritte», sagt die Schweizer Botschafterin in Sarajevo, Andrea Rauber Saxer, «aber oft stehen politische Interessen im Weg.»

«Wir helfen und arbeiten bevorzugt auf kommunaler Ebene, das ist nachhaltiger als auf nationaler», weiss aus Erfahrung Direktorin Barbara Dätwyler Scheuer, zuständig für die Projekt- koordination. Die Botschaft selbst realisiert die Projekte nicht, sondern beauftragt Partner in der Wirtschaft oder einschlägige Organisationen.

Momentan konzentriert sich die Hilfe auf drei Felder: Verbesserungen der kommunalen Verwaltung und deren Dienste, medizinische Grundversorgung, Arbeit und Wirtschaft. Dätwyler: «Wir versuchen, eingefahrene Praktiken beispielsweise bei Entwicklungsplänen zu ändern, Privatinitiativen zu fördern, effizientere Strukturen zu schaffen», auf welchem Gebiet auch immer.

Eine Schlüsselrolle spielt die Mitsprache der Bürger, die den kommu­nalen Verwaltungen am nächsten sind. Doch die Leute haben oft das Gefühl, von den Politikern nicht beachtet zu ­werden. «Wir wollen den Menschen eine Stimme geben», so Dätwyler. Projekte, die mit aktiver Bürgerbeteiligung realisiert werden, setzen Politiker unter Druck, um verkrustete und überbürokratisierte Strukturen abzubauen oder wenigstens aufzubrechen. Ziel ist es, von unten einen steten, systemischen Wandel in Gang zu setzen.

Vor allem Projekte zur Verbesserung der medizinischen Grundversorgung, in Bosnien-Herzegowina keineswegs eine Selbstverständlichkeit, werden von der Bevölkerung dankbar angenommen. Eine bosnische Besonderheit sind die Tausenden Kriegstraumatisierten, um die sich der Staat bis heute, 22 Jahre nach Kriegsende, nicht kümmert. Nur dank privater Initiativen erhalten wenige dieser Menschen Hilfe und Betreuung.

Ein Spezialgebiet ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Hier konzentriert sich die Schweizer Hilfe auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Privatsektor, damit Firmen Lehrlinge ausbilden oder mehr junge Leute anstellen. (siehe Hauptartikel). «Unsere duale ­Berufsausbildung stösst hier auf grosses Interesse», versichert Direktorin Dät­wyler.

Botschafterin Rauber Saxer appelliert an die rund 60 000 in der Schweiz lebenden Bosnier, mehr als bisher in ihrem Heimatland zu investieren und Firmen zu gründen, um den notorisch schwachen Privatsektor zu stärken. «Da steckt noch viel Potenzial drin. Als leuchtendes Beispiel gilt der gebürtige Serbe Edin Dacic, der mit fünf Jahren in die Schweiz kam, die Hochschule St. Gallen absolvierte und danach von der Schweiz aus zwei Möbelfabriken in Bosnien und Serbien aufbaute. Dacic gibt heute rund 600 Menschen Arbeit.

Spezialgebiete, auf denen die Schweiz effektiv Hilfe leisten kann, sind Zivilschutz und Umwelt. Das bedeutet in Bosnien vor allem das Einsammeln von Waffen und Munition, die Ent­minung der Böden und die Errichtung ­gesicherter Deponien. Seit Kriegsende 1995 wurden rund 500 000 Tonnen unbrauchbarer Munition vernichtet und Millionen Minen entschärft. Aber es dauert noch Jahre, bis alle Sprengkörper unschädlich gemacht sind und die ­Böden wieder für die Landwirtschaft genutzt werden können.

Rudolf Gruber

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