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Skandinavien schmilzt

Die nordischen Länder stöhnen in einer Rekordhitzewelle. Es ist so heiss und trocken wie noch nie – Züge setzen Wälder in Brand, das Budget für Löschflüge per Helikopter ist bereits aufgebraucht und Grillieren ist auch im Garten verboten.
Niels Anner, Kopenhagen
In Oslo macht man das Beste aus der Hitze. (Bild: Berit Roald/ AP)

In Oslo macht man das Beste aus der Hitze. (Bild: Berit Roald/ AP)

4,2 Grad über der Normaltemperatur wurden im Mai in Norwegen durchschnittlich gemessen. Man spricht von der «Afrika­hitze». «Unglaublich, das gab’s schlicht noch nie», sagt der 62-Jährige Meteorologe Jostein Mamen. Im Rekordjahr 2013 waren es im Vergleich bloss 2,7 Grad über normal gewesen.

Die vom Klimawandel ausgelöste, wochenlange Hitze mit regelmässigen Temperaturen über 30 Grad – und eine Trockenheit, wie es sie seit Beginn der Messungen noch nie in einem Mai gab, haben in ganz Skandinavien drastische Auswirkungen. Nach mehreren Waldbränden in Süd- und Mittelnorwegen ist bereits das gesamte für den Sommer berechnete Budget für Löscharbeiten per Helikopter aufgebraucht. Auch in Schweden herrscht höchste Alarmstufe: Jeder kleine Funken kann ausreichen, um ganze, völlig ausgetrocknete Landstriche in ein Flammenmeer zu verwandeln.

Brände durch heisse Bremsen

Auf der bei Touristen belieben Zugstrecke zwischen Oslo und Bergen hat ein Güterzug diese Woche mehrere Brände ausgelöst. Heisse Bremsen führten zu sprühenden Funken, die in der Gegend der Stadt Voss immer wieder dürres Gras und Bäume in Brand setzten. «Wir mussten zu insgesamt zehn Bränden ausrücken», sagte Terje Magnussen, Einsatzleiter der Rettungskräfte, dem Fernsehsender NRK. In einem Fall brannte eine Tanne ab, doch es gelang der Feuerwehr, eine Ausbreitung der Flammen zu verhindern. Gefährdet wären laut Magnussen riesige Waldgebiete. Die norwegische Bahn fuhr die Strecke zusätzlich mit einem speziellen Löschwagen ab, während die Verbindung zwischenzeitlich gesperrt wurde.

Feuer im Freien zu entfachen ist längstens verboten, doch die Stadt Bergen hat die Regeln nochmals verschärft: Dort darf nicht mehr auf dem Balkon, geschweige denn im Garten der Grill angezündet werden. Der norwegische Bauernverband rief seine Mitglieder auf, Güllewagen mit Wasser bereitzustellen, um im Notfall sofort bei Löscharbeiten helfen zu können. Bauern gebe es in allen ländlichen Gegenden, sagte eine Sprecherin des Verbandes, sie seien in vielen Fällen am nächsten, wenn Waldbrände ausbrechen.

Auch wenn Gemeinden im ganzen Land ein Wasserverbot für Gärten, Felder und Planschbecken ausgesprochen haben, können die Bauern aus Seen und Flüssen noch Wasser entnehmen. Eine Änderung der Lage ist nicht in Sicht, die Meteorologen verkündigen weiterhin nur eines: Sonne und Trockenheit.

In Schweden haben in der Region Örebro alle Holzverarbeitungsfirmen ihre Tätigkeit eingestellt. Bei den Fäll- und Transportarbeiten in den Wäldern können leicht Funken springen, was im Jahr 2014 wahrscheinlich die grössten Waldbrände der jüngeren Geschichte des Landes auslöste.

Die Behörden verloren damals die Kontrolle über die Brände, die auf 150 Quadratkilometern wüteten; schliesslich bat man Italien um die Entsendung von Löschflugzeugen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Glace-Produzenten machen das Geschäft ihres Lebens

Diese Woche gaben bereits mehrere Schulen in Schweden hitzefrei, während Medien in Stockholm feststellten, dass in den Bussen der Hauptstadt Temperaturen von über 30 Grad herrschen – und damit darin keine Tiere mehr transportiert werden dürften. Menschen fuhren aber nach wie vor massenhaft mit.

Freuen tun sich dagegen viele Badefans. Denn auch das gewöhnlich kühle Wasser in nordischen Seen und Meeren erreicht bereits jetzt angenehme Temperaturen. Norwegische Glace-Produzenten machen das Geschäft ihres Lebens. So viel wie noch nie hätten sie im Mai verkauft, antworteten die Hersteller im Chor in einer Umfrage des Senders NRK. Der Absatz war im Mai 25 bis 30 Prozent höher als bei bisherigen Rekorden. Um mit der Herstellung und Lieferung nachzukommen, müssen die Mitarbeiter allerdings nun Nachtschichten leisten.

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