Skandal um gefallene Soldaten

Die amerikanische Luftwaffe sitzt wegen pietätlosen Umgangs mit getöteten Soldaten der Supermacht auf der Anklagebank. Angehörige sind entsetzt.

Thomas Spang
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WASHINGTON. Im Frühjahr erhielt Gari-Lynn Smith Post von der Dover Air Force Base. Erst ungläubig, dann empört las die Soldatenwitwe, was ihr ein Verantwortlicher des grössten Leichenhauses der USA darin mitteilte. Nachträglich aufgefundene Körperteile des Feldweibels Scott R. Smith seien eingeäschert und auf einer Abfallhalde in Virginia entsorgt worden. «Das hat mich komplett umgehauen», sagte sie einem Reporter der «Washington Post». «Sie haben ihn auf den Müll geworfen.»

Das Ende eines Albtraums, der mit der Nachricht vom Tod ihres Mannes 2006 in Irak begann. Er war beim Entschärfen einer Bombe zerfetzt worden. Wie alle Kriegstoten trafen seine sterblichen Überreste auf dem Rollfeld der Luftwaffenbasis von Dover ein.

Alles andere als «würdevoll»

Nach der Beerdigung erfuhr sie aus dem Obduktionsbericht, dass nicht alle gefundenen Überreste in dem Sarg beigesetzt wurden. Vier Jahre lang versuchte Gari-Lynn herauszufinden, was mit diesen geschehen war. Seit dem Brief im April weiss sie es.

Bis 2008 war dies gängige Praxis im Leichenhaus von Dover, das laut Gesetz die Aufgabe hat, die getöteten Soldaten «würdevoll» an die Angehörigen zur Beisetzung zu übergeben. Die kollektive Entsorgung von Überresten auf der Abfallhalde kam im Rahmen einer Untersuchung an den Tag, die durch Beschwerden von Mitarbeitern ausgelöst worden war. Diese hatten 14 üble Fälle dokumentiert, die ihre Vorgesetzten unter den Teppich zu kehren versuchten. Von «verlorengegangenen» Leichenteilen im Kühlhaus über falsch zugeordnete sterbliche Überreste bis hin zum respektlosen Umgang mit den Gefallenen.

Verteidigungsminister empört

Der Kommandant und zwei andere hochrangige Soldaten, die von den Vorgängen wussten, sie aber zu vertuschen versuchten, stehen weiter im Dienst der Air Force. Verteidigungsminister Panetta ist darüber genauso empört wie die Betroffenen. «Wir wollen volle Rechenschaft ablegen», versprach er. Die Offiziere, die bisher nur strafversetzt wurden, dürften nun aus der Luftwaffe entlassen werden.

Angehörige wie Gloria Crothers fragen sich nun, ob sie ihre Lieben nicht sehen durften, weil sie zu verstümmelt waren, oder es andere Gründe gab. Kameraden hatten der Mutter des gefallenen Feldweibels Michael Heede erzählt, der Leichnam sei intakt gewesen. «Ich frage mich, ob mein Sohn wirklich im Sarg lag.»