Silvio Berlusconi wittert in allem ein Komplott

Zwei Wochen vor der entscheidenden Vertrauensabstimmung im Parlament äussert sich Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi zunehmend hysterisch.

Dominik Straub
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Rom. Der Countdown für die Vertrauensabstimmung am 14. Dezember läuft unerbittlich, und eigentlich müsste Ministerpräsident Berlusconi nun Stärke zeigen und um sein politisches Überleben kämpfen. Stattdessen stürzt täglich ein neues Malheur über ihn herein. Da sind die wachsenden Abfallberge in Neapel und der Einsturz des Gladiatoren-Hauses in Pompeji.

Da sind die Ermittlungen gegen den halbstaatlichen Rüstungskonzern Finmeccanica, bei dem sich ein neuer Korruptions- und Schwarzgeldskandal anbahnt. Und da sind auch noch die Enthüllungen durch WikiLeaks, die den Ruf des Landes und seiner Regierung zusätzlich ramponieren könnten.

«Sie wollen mich eliminieren»

Bei einer derartigen Massierung der Probleme mag Berlusconi nicht mehr an einen Zufall glauben.

«Die Attacke gegen Finmeccanica, die wiederholten Berichte über den Abfall in Neapel und den Einsturz in Pompeji sowie die angekündigte Veröffentlichung vertraulicher Berichte der USA» seien das «Symptom einer Strategie, das Ansehen Italiens auf der internationalen Bühne zu beschädigen», steht schwarz auf weiss in einem Communiqué, das die Regierung am Freitagabend veröffentlicht hatte.

Mit anderen Worten: Die ganzen Abfallberge und all die andern übrigen Desaster sind nicht das Ergebnis eines politischen Bankrotts, sondern eines perfiden Komplotts. Am Wochenende hat der Ministerpräsident dann noch einmal nachgedoppelt und erklärt, dass «sie mich eliminieren wollen».

Warnung vor Finanzkollaps

Mit «sie» waren diesmal nicht die internationalen Verschwörer gemeint, sondern die Opposition und ganz besonders Parlamentspräsident Gianfranco Fini und seine Anhänger.

Die «Finiani» bezeichnete Berlusconi in einer Botschaft an einen seiner Anhängerclubs als «verantwortungslose Egoisten und Exhibitionisten». Sollten sie ihm am 14. Dezember wie angekündigt das Vertrauen verweigern, würden sie «ein Leben lang das Brandmal von Verrätern und Unloyalen tragen».

Berlusconi warnte auch vor einer finanziellen Apokalypse: Ein Sturz der Regierung würde die Märkte und Investoren verschrecken und Italien «in Kürze auf den gleichen Weg wie Griechenland und Irland führen».

Fini: «Alles Propaganda»

Oppositionschef Bersani warf Berlusconi vor, mit seinen «lächerlichen Verschwörungstheorien» seinerseits die Glaubwürdigkeit des Landes zu torpedieren, und forderte ihn auf, mit seinem «unverantwortlichen Theater» aufzuhören, bevor es zu spät sei. Der attackierte Fini bezeichnete die Ausfälle Berlusconis als «Propaganda». In der Tat ist dieser bereits in einem vorgezogenen Wahlkampf – und hat seinen Gegnern schon einmal einen Vorgeschmack von dem gegeben, was im Falle von Neuwahlen auf sie – und das Land – zukommen wird.

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