«Signor Euro» gestorben

Der ehemalige italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi ist gestern in Rom gestorben.

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Carlo Azeglio Ciampi Ehem. Staatspräsident Italiens. Bild: Pier Paolo Cito/AP (Bild: Pier Paolo Cito (AP))

Carlo Azeglio Ciampi Ehem. Staatspräsident Italiens. Bild: Pier Paolo Cito/AP (Bild: Pier Paolo Cito (AP))

Carlo Azeglio Ciampi war kein Mann der Gefühlsausbrüche gewesen. Doch an Silvester 1998, in der nationalen Münzprägestelle in Rom, liefen dem damaligen Finanz- und Wirtschaftsminister Italiens Freudentränen über die Wangen: Ciampi hielt die erste italienische Euro-Münze in den Händen.

Dass Italien 1999, statt bankrott zu gehen, gleich im ersten Anlauf den Beitritt zur europäischen Währungsunion schaffte, war hauptsächlich Ciampis Verdienst gewesen: Schon als Notenbankpräsident von 1979 bis 1993 und als Regierungschef von 1993 bis 1994 hatte sich der parteilose Jurist und Finanzexperte bemüht, seinem Land Stabilität zu sichern. Zum «Signor Euro» wurde Ciampi als «Superminister» für Finanzen und Wirtschaft unter Romano Prodi und Massimo D'Alema: Dank der Rosskur, die er dem Land verschrieb, erfüllte Italien schliesslich die Brüsseler Euro-Kriterien.

Ruhig, sachlich und ohne unnötige Polemik

Der 1920 in Livorno in der Toscana geborene Ciampi hatte sich im Zweiten Weltkrieg als junger Offizier den Partisanen angeschlossen, um gegen die faschistischen Besatzer zu kämpfen; die Kriegserfahrung machte ihn zu einem überzeugten Europäer und einem Mann der Institutionen. Die Krönung seiner Karriere erlebte Ciampi, als er 1999 zum zehnten Staatspräsidenten der Republik gewählt wurde. Der immer etwas schüchtern wirkende Ciampi sollte in seinen sieben Amtsjahren zu einem der beliebtesten Präsidenten der Nachkriegszeit werden.

Sein Respekt für die Institutionen, das Hochhalten rechtsstaatlicher Prinzipien brachten ihn in Konflikt mit Silvio Berlusconi, der zwei Jahre nach Ciampis Wahl zum Präsidenten die Regierung übernahm. Ciampi widersetzte sich der schleichenden Aushöhlung des Staates, soweit es ihm die beschränkten Befugnisse des Präsidenten erlaubten: Er verweigerte zahlreichen Gesetzen, die Berlusconi in eigener Sache erliess, seine Unterschrift, allen voran dem Immunitätsgesetz und dem Mediengesetz. Verhindern konnte er sie nicht, nur verzögern.

Ciampi nannte verfassungswidrig, was verfassungswidrig war; er kämpfte für die Republik. Er tat dies auf seine Art: Sachlich, ohne unnötige Polemik. Er war ein zurückhaltender Schiedsrichter, sein Name wurde zum Synonym für Würde und Korrektheit. Gestern ist Carlo Azeglio Ciampi im Alter von 95 Jahren gestorben. Premier Matteo Renzi würdigte Ciampi als Staatsmann, der Italien «mit Leidenschaft gedient hat». (str)