Signal der zornigen Jugend Afrikas

Nach der Machtübernahme des Militärs protestieren in Burkina Faso vor allem viele Jugendliche im westafrikanischen Land weiter. Junta-Chef Isaac Zida hat nun Wahlen innert dreier Monate versprochen.

Walter Brehm
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Der vom Militär zum Übergangs-Präsidenten Burkina Faso ernannte Isaac Zida kündigte einen friedlichen demokratischen Übergang an. Der vorherige Vize-Kommandant der Garde des gestürzten Langzeit-Präsidenten Blaise Campaoré erklärte: «Die Macht interessiert uns nicht.»

Die Protestierenden in der Hauptstadt Ouagadougou fordern jedoch, dass ab sofort auch Zivilisten an der Macht im Lande beteiligt werden.

Ein «Afrikanischer Frühling»?

Noch ist der Ausgang des politischen Umsturzes in Burkina Faso ungewiss. Viele internationale Beobachter wollen in dem Aufstand gegen Campaoré und die neue Militärmacht jedoch bereits ein Indiz für einen «Afrikanischen Frühling» nach tunesischem und ägyptischem Muster sehen, der sich schnell über die Grenzen Burkina Fasos ausbreiten könnte.

Tatsache ist: In 14 der 50 afrikanischen Staaten südlich der Sahara regieren Staatschefs, deren Amtszeit das international übliche Verfallsdatum von höchstens zehn Jahren längst hinter sich haben. Mindestes fünf von ihnen regieren schon über drei Jahrzehnte: Obiang Nguema in Äquatorial Guinea; Eduardo Santos in Angola; Robert Mugabe in Simbabwe; Yoweri Museweni in Uganda und Paul Biya in Kamerun.

Ebola die Kehrseite der Medaille

Doch viele Experten scheuen sich, die afrikanischen Langzeit-Diktaturen – auch jene, die noch keine 30 Jahre andauern – über einen Kamm zu scheren. Mag der Unmut der überwiegend sehr jungen Bevölkerung Afrikas auch gross sein und das wirtschaftliche Wachstum vieler afrikanischer Staaten erstaunlich. Doch die Entstehung eines Mittelstandes, der auf Beteiligung an gesellschaftlichen Entscheidungen pocht, ist in den meisten afrikanischen Staaten nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist weit weniger optimistisch zu bewerten. Gerade die aktuelle Ebola-Epidemie in Westafrika macht deutlich, wie sehr immer noch nur eine Minderheit der Menschen vom wirtschaftlichen Aufschwung profitiert. Ebola entlarvt die meisten westafrikanischen Regierungen: Sie haben über Jahrzehnte vor allem das Gesundheitswesen ihren Länder aus Gründen der Korruption und der Vetternwirtschaft mit Vorsatz vernachlässigt.

Noch scheint es verfrüht, einen «Afrikanischen Frühling» zu bejubeln. Doch vor allem in Uganda, Ruanda und in den beiden kongolesischen Hauptstädten Brazzaville und Kinshasa dürfte die Entwicklung in Burkina Faso mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden.

Das Spiel mit der Verfassung

Die Präsidenten dieser Länder planen samt und sonders, die Verfassungen ihrer Staaten so zu ändern, dass sie länger im Amt bleiben könnten als die geltenden Grundgesetze dies erlauben. Vor allem Paul Kagame wird sich in Ruanda überlegen müssen, ob wirtschaftlicher Fortschritt allein wirklich die Legitimation für einen Verfassungsbruch hergibt.

Demokratie braucht Zeit

Das Signal, das Burkina Faso aber aussendet, lässt dennoch hoffen. Immer mehr junge Afrikaner lassen sich vom statistischen Wachstum – das zumeist nur kleinen Eliten zugute kommt – nicht mehr blenden. Sie setzten auf demokratisches Selbstbewusstsein und die Überwindung von Obrigkeitsdenken.

Versprechen wie jenes der Junta in Burkina Faso, schnell Wahlen durchzuführen, dürften aber oft mehr politischem Druck aus Washington und Brüssel geschuldet sein, als dem Bestreben, dem eigenen Volke zu dienen. Hinzu kommt, dass demokratische Perspektiven auch in Westafrika mehr und mehr von Islamistischen Heilsversprechungen konkurrenziert werden – von angeblich schnellen Lösungen im Glauben.

Solide demokratische Strukturen und der Aufbau einer Zivilgesellschaft brauchen mehr Zeit als 90 Tage. Auch dies ist eine Lehre aus dem «Arabischen Frühling».

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