Signal aus Washington an China

Die USA wollen ihre Dominanz im Pazifik behaupten und haben einen Zerstörer ins südchinesische Meer geschickt. China sieht darin eine Provokation und hat die USA ermahnt, keine Unruhe zu stiften.

Finn Mayer-Kuckuk
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Der Zerstörer «USS Lassen» im Jahr 2008 vor Shanghai. (Bild: ap/Eugene Hoshiko)

Der Zerstörer «USS Lassen» im Jahr 2008 vor Shanghai. (Bild: ap/Eugene Hoshiko)

PEKING. Die Vereinigten Staaten demonstrieren ihren Vormachtanspruch im südchinesischen Meer: Die US-Marine hat gestern den Zerstörer «USS Lassen» in ein Gebiet geschickt, das China exklusiv für sich beansprucht. Die heftige Reaktion aus Peking liess nicht lange auf sich warten: «Wir warnen die USA davor, unkontrolliert zu handeln und Aufruhr zu stiften», sagte Aussenminister Wang Yi in Peking.

Kleine Riffe zu Inseln ausgebaut

China beansprucht südlich der eigenen Küsten ein grosses Seegebiet. Es reicht knappe tausend Kilometer weit bis an die Strände von Malaysia, Vietnam und den Philippinen. Um seine Ansprüche zu untermauern, hat die Volksbefreiungsarmee dort Tausende von Tonnen Zement aufgewendet, um kleine Riffe zu künstlichen Inseln auszubauen. Wo vorher nur Wasser zu sehen war, erheben sich jetzt Leuchttürme und sogar Flugplätze. China betont zwar laufend, dass die Militärpräsenz nur der Verteidigung des eigenen Staatsgebiets dient. Doch es definiert zugleich das eigene Staatsgebiet sehr grosszügig – auf Kosten der Nachbarn. Für die USA ist das inakzeptabel. Sie sehen sich als Schutzmacht im Pazifik. Jedes Stück Einfluss, das China hier gewinnt, geht auf Kosten der etablierten Supermacht. Washington schickt darum regelmässig Flugzeuge durch die umstrittenen Gebiete. Aus US-Sicht begründet eine aufgeschüttete Mini-Insel keinen Anspruch auf die Bildung einer exklusiven Nutzungszone. Auch der Zerstörer «USS Lassen» hat sich nach einer weltweit akzeptierten Definition ausschliesslich in internationalen Gewässern aufgehalten. Aus chinesischer Sicht handelt es sich dagegen um eine Provokation. «Die Amerikaner wollen zeigen, dass sie eine starke Militärpräsenz in einer Region unterhalten, die zum chinesischen Einflussgebiet gehört», sagt Li Jie vom Forschungsinstitut der chinesischen Marine. Die USA spielten mit dem Feuer – denn eine Eskalation sei durchaus möglich.

USA könnten Einfluss gewinnen

Die Gefahr, dass chinesische und amerikanische Schiffe tatsächlich aufeinander schiessen, ist derzeit gering. Beide Seiten kennen die Regeln: Sie müssen ihre Ansprüche durch Taten untermauern, ohne dabei aggressiv zu werden. Die Durchfahrt des US-Kriegsschiffs bewegt sich im Rahmen dieses Musters. China könne letztlich nicht viel dagegen machen, sagt die Aussenpolitik-Expertin Gao Cheng von der Chinese Academy of Social Sciences. Anders als erhofft, könnten die Vereinigten Staaten sogar Einfluss gewinnen – als «grosser Bruder», der den kleineren Staaten wie Malaysia oder Vietnam zu Hilfe eilt.