«Sie sehen Trump als Desaster»

Bei den Demokraten werde Hillary Clinton das Rennen machen, sagt der renommierte Politologe Larry Sabato. Die Parteispitze der Republikaner versuche derweil mit allen, Mitteln Donald Trump zu verhindern.

Thomas Spang
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Larry J. Sabato US-Politologe (Bild: pd)

Larry J. Sabato US-Politologe (Bild: pd)

Herr Sabato, Donald Trump hat über Monate den Vorwahlkampf dominiert und dabei viele Gewohnheiten der US-Politik über den Haufen geworfen. Wie hat er das geschafft?

Larry Sabato: Der Mann passt zur Zeit. Die republikanische Basis ist zutiefst verärgert über Präsident Obama und die Führer ihrer Partei. Donald Trump hat diese Wut kanalisiert – und sie wie kein anderer artikuliert.

Hat das Establishment der Republikaner den «Trump-Geist» nicht selber aus der Flasche gelassen? Allen voran John McCain, der mit der Berufung Sarah Palins zur möglichen Vizepräsidentin 2008 den Rechtspopulismus hoffähig gemacht hatte?

Sabato: Die Parteiführer hätten sich niemals jemanden wie Trump gewünscht. Sie sehen in ihm ein Desaster für die Wahlaussichten im November und setzen alles daran ihn zu stoppen.

Bisher erwiesen sich diese Bemühungen ja nicht besonders erfolgreich. Trump führt mit Abstand in den Umfragen.

Sabato: Ich denke nicht, dass Trump der Spitzenkandidat wird. Es liegt noch ein langer Wahlkampf vor uns. Aber ich gebe zu, es kann auch anders kommen. Von Zeit zu Zeit läuft eine der Parteien aus der Spur.

Kurioserweise scheint der stärkste Herausforderer Trumps zurzeit mit Ted Cruz ein anderer Anti-Establishment-Kandidat zu sein.

Sabato: Die Parteiführer werden Cruz genauso wenig unterstützen. Liefe es auf einen Zweikampf zwischen Trump und Cruz hinaus, stünden sie vor einem Dilemma. Dann dürfte es einen unabhängigen Präsidentschaftskandidaten geben, der die moderateren Republikaner anspricht. Ich habe allerdings die Erwartung, dass es noch eine andere Alternative geben wird.

An wen denken Sie?

Sabato: Es könnten Marco Rubio, Chris Christie oder John Kasich sein. Vielleicht auch ein Comeback von Jeb Bush, wenngleich zurzeit wenig dafür spricht. Wer auch immer sich als moderaterer «Anti-Trump» herausschält, muss bei den Primaries in New Hampshire gut abschneiden.

Wie erklären Sie sich das Absacken Jeb Bushs, der lange als Favorit galt?

Sabato: Er hat enorm enttäuscht. Aber er ringt auch mit dem Erbe der Familie. Dynastien kommen nicht an. Zudem vertritt er bei Themen wie Einwanderung und Bildung Positionen, die in seiner Partei nicht mehrheitsfähig sind. Vor allem aber ist ein er ein erbärmlicher Wahlkämpfer.

Profitieren die Demokraten automatisch vom Chaos der Republikaner?

Sabato: Das würde ich nicht sagen. Die Demokraten werden Hillary Clinton nominieren. Das ist nicht einmal ein knappes Rennen. Vielleicht gewinnt Bernie Sanders in New Hampshire, aber das wird nicht reichen.

Ein kurzer Vorwahlkampf sollte Hillary Clinton doch eigentlich helfen, sich für den Herbst zu positionieren.

Sabato: Clinton wird von mindestens so vielen Affären geplagt wie ihr Ehemann. Vor allem verkörpert sie ein «Zurück in die Zukunft». Das kommt bei den Amerikanern nicht gut an.

Und trotzdem denken Sie, dass Sanders keine Chance hat, Spitzenkandidat der Demokraten zu werden?

Sabato: Die Idee, dass die Partei einen Sozialisten nominiert, der vor diesen Wahlen niemals ein Demokrat war, ist ziemlich absurd.

Warum findet sich bei den Demokraten niemand sonst, der Clinton die Nominierung streitig machen könnte?

Sabato: Die personelle Decke ist sehr dünn. Trotz seiner erfolgreichen Wiederwahl war Obama für seine Partei ein Desaster. Die Demokraten haben auf allen möglichen politischen Ebenen in den beiden Zwischenwahlen Hunderte Mandatsträger verloren. Das erklärt, warum Clinton keine wirkliche Konkurrenz hat.

Hätten die Republikaner mit einem Mitte-Rechts-Kandidaten die besseren Aussichten auf das Weisse Haus?

Sabato: Keinesfalls. Die Demographie dieses Landes hat sich verändert und das begünstigt bei Präsidentschaftswahlen die Demokraten. Die Zusammensetzung der Wählerschaft bei den Zwischenwahlen ist eine ganz andere, weil sich sehr viel weniger Amerikaner daran beteiligen. Daraus ergibt sich der politische Gegensatz zwischen einem eher von den Demokraten kontrollierten Weissen Haus und einem konservativen Kongress.

Wer die Vorwahlen verfolgt, muss den Eindruck gewinnen, ganz Amerika sei schon im Wahlfieber.

Sabato: Die Amerikaner haben wegen Donald Trump früher als sonst eingeschaltet. Aber nach dem bestehenden System zählt am Ende sehr viel mehr, was Iowa, New Hampshire oder South Carolina entscheiden als die nationalen Umfragen.

Iowa hat drei Millionen Einwohner und ist kaum repräsentativ für die USA. Warum ist der Bundesstaat so wichtig?

Sabato: Weil es die Ersten sind, die wählen. In Iowa schrumpft das Kandidatenfeld zusammen. Die Republikaner hatten mit einst siebzehn Bewerbern eine historisch grosse Zahl an Kandidaten.

Neu ist diesmal der unregulierte Einfluss des Geldes auf die Wahlen. Welche Konsequenzen erwarten Sie daraus?

Sabato: Es gibt so viel Geld in der Politik, dass einem schwindelig wird. Grosse Spender, die mit Milliarden Einfluss nehmen und ein kleiner Teil, der von Kleinspendern kommt. Die Rechnung kommt am Tag nach der Amtseinführung, wenn die Geldgeber eine Gegenleistung sehen wollen.

Wagen Sie eine Prognose, wer im Herbst gegeneinander antritt?

Sabato: Auf Seiten der Demokraten wird es Hillary Clinton sein. Bei den Republikanern kann das niemand vorhersagen. Ich glaube nicht, dass es Donald Trump wird. Aber wie gesagt, manchmal gibt es diese Ausreisser in der amerikanischen Politik.

Donald Trumps Wahlslogan: «Amerika wieder grossartig machen». (Bild: epa/Larry W. Smith)

Donald Trumps Wahlslogan: «Amerika wieder grossartig machen». (Bild: epa/Larry W. Smith)

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