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Eine Frau regiert die Grachtenstadt

Eigentlich hatte Femke Halsema von der Politik die «Schnauze voll», nun wird sie die erste Bürgermeisterin von Amsterdam.
Helmut Hetzel, Den Haag
Femke Halsema bei der Vereidigung als Bürgermeisterin von Amsterdam. (Bild: Robin van Lonkhuijsen/EPA (12. Juli 2018))

Femke Halsema bei der Vereidigung als Bürgermeisterin von Amsterdam. (Bild: Robin van Lonkhuijsen/EPA (12. Juli 2018))

Sie hat es geschafft. In der rund 750-jährigen Geschichte der Stadt Amsterdam ist sie die erste Bürgermeisterin – oder besser: «Mevrouw Burge­meester». Bisher haben nur die «Herren van Amsterdam» die niederländische Hauptstadt regiert, die Regenten, wie Rembrandt sie auf seinem Meisterwerk «Die Nachtwache» gemalt hat. Doch nun ist Femke Halsema die erste Bürger­meisterin von Amsterdam. Eine Frau regiert den Amsterdamer Grachtengürtel.

In ihrer Bewerbung für das Bürgermeisteramt, die sie einen Tag vor Anmeldeschluss eingereicht hat, schreibt die 52-jährige Halsema: «Amsterdam ist magisch, blühend und vor allem eine Stadt der Freiheit, die Spinoza so treffend beschrieben hat. Ich bewerbe mich gerne für das Amt des Bürgermeisters von Amsterdam.»

Posten wird nicht per Wahl vergeben

Dass sie sich beworben hat, liegt daran, dass der Posten nicht durch eine Volkswahl vergeben wird. Halsema wurde von einer Regierungskommission ernannt. Bei dieser musste sie sich um das Amt bewerben. Das ist das demokratische Defizit der Niederlande. Bürgermeisterposten werden in einem politischen Machtspiel «verschachert». Sie gelten denn auch als eine Altersversicherung für altgediente Haager Politiker, die aus dem Parlament ausgeschieden sind. Diese Altersversicherung nimmt nun auch Hal­sema in Anspruch. Sie hat nun eine gut dotierte Position und Pension als Bürgermeisterin von Amsterdam – und darf eines der schönsten Häuser der Stadt an der noblen Herengracht als ihre Amtswohnung nutzen.

Dabei hatte sich die grüne und linksorientierte Halsema, die von 1998 bis 2011 für die Grünen im niederländischen Parlament in Den Haag sass, schon vor sieben Jahren definitiv aus der Politik verabschiedet. In Den Haag sprach sie bei ihrem Rücktritt als Fraktionsvorsitzende der Grünen die Worte: «Ich meine es ernst. Ich werde nicht im Wartezimmer sitzen, um ein neues politisches Amt anzustreben. Weder im Senat, noch werde ich mir eine Bürgermeisterkette umhängen lassen. Mein Abschied aus der Politik ist definitiv. Ich habe die Schnauze voll. So einfach ist das.»

Nun hat sie sich die Bürgermeisterkette der Stadt Amsterdam umhängen lassen und vor dem «Kommissar des Königs» (Ministerpräsident) der Provinz Süd-Holland, Johan Remkes, den Amtseid abgelegt. Halsema macht wieder Politik und gibt zu: «Ich hätte damals sagen sollen: Ich werde mir keine Bürgermeisterkette umhängen lassen, ausser der­jenigen von Amsterdam. Aber das wäre zu anmassend ge­wesen.»

Journalistin und Beraterin

Die in Enschede geborene und aufgewachsene Halsema studierte von 1988 bis 1993 soziale Wissenschaften und Kriminologie an der Universität in Utrecht. Sie wollte erst Lehrerin werden, gab dieses Berufsziel dann aber auf. 1998 kandidierte sie für die Grünen für das Haager Parlament und wurde prompt gewählt. Ihr grösster Erfolg waren die Parlamentswahlen 2010, als die Grünen unter ihrer Leitung ihre Mandate um drei von sieben auf zehn Abgeordnete ausbauen konnten. Danach verliess sie die Politik, machte sich selbstständig und arbeitete in den vergangenen Jahren als Journalistin und Beraterin.

Als Bürgermeisterin will Halsema die organisierte Kriminalität bekämpfen, vor allem im Drogenmilieu. Eine weitere Hauptaufgabe für sie ist der Minderheitenschutz. «Ich habe die Standfestigkeit und das Durchsetzungsvermögen für dieses Amt, sonst hätte ich mich nicht beworben», sagt sie selbst dazu.

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