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Sie poliert den französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf Hochglanz

Die diskreteste Kommunikationsberaterin von Emmanuel Macron ist auch die einflussreichste: Michèle «Mimi» Marchand ist die Königin der französischen Boulevardpresse.
Stefan Brändle, Paris
Michèle – aka «Mimi» – Marchand prägt das Image des Präsidentenpaars Emmanuel und Brigitte Macron. (Bild: Christophe Petit Tesson/EPA (Paris, 6. Oktober 2018)

Michèle – aka «Mimi» – Marchand prägt das Image des Präsidentenpaars Emmanuel und Brigitte Macron. (Bild: Christophe Petit Tesson/EPA (Paris, 6. Oktober 2018)

Sie blickt hinter die Kulissen der Prominenz, öffnet die Alkoven der Paläste – aber wenn es sich um sie selber dreht, hört der Spass für Michèle Marchand auf. Auf einem ihrer seltenen Fotos zeigt «Mimi», wie die Branche sie nennt, mit dem Drohfinger auf die Kameralinse, während ihr rabenschwarzer Blick besagt: «Dich werde ich auch noch kriegen.»

Dass es von der Klatschjournalistin nur wenige Bilder gibt, ist doppelt seltsam. Denn Mimi bewegt sich immer mehr in der Pariser Politik und ihren Blitzlichtgewittern. Bei Wahlmeetings von Nicolas Sarkozy sass sie in der ersten Reihe, und nun begleitet sie die Präsidentengattin Brigitte Macron bei öffentlichen Anlässen. Sie managt die dreistesten Fotografen, aber selber will sie nicht in Erscheinung treten. Mimi Marchand zieht die Fäden lieber aus dem Hintergrund.

Niemand will über Marchand reden

Das bekamen auch drei bekannte Pariser Journalisten zu spüren, die diese Woche eine Biographie der, wie sie schreiben, «mächtigen und gefürchteten» PR-Frau herausgegeben haben. Deren Leibfotografen, die sonst im Intimleben der Stars wühlen, schweigen wie ein Grab, sobald sie zu «Mimi» befragt werden. «Zu heiss. Ihr wisst nicht, worauf ihr euch da einlässt», warnte ein Paparazzo die Rechercheure. Die Biographie erschien trotzdem, versehen mit einem Foto von Madame Marchand hinter einem dossierbeladenen Bürotisch im Élysée-Palast – dem persönlichen Arbeitsplatz des Staatspräsidenten.

Ihre Selfmade-Karriere begann sie als Angestellte einer Pariser Autogarage. Sie versuchte ihr Glück in Kalifornien und heiratete schlecht – zwei ihrer Gatten landeten im Gefängnis. Zurück in Paris, entdeckte sie eine Nische im Nachtleben und zog Bars für lesbische Frauen auf. Ihre Berufung entdeckte sie 1996, als sie für das Pariser Klatschheft «Voici» tätig wurde. Nach einem möglicherweise erfundenen Interview mit einem Leibwächter der in Paris verunglückten Prinzessin Diana musste sie abtreten. Als sie eine eigene Bildagentur aufzog, kam sie wegen doppelter Rechnungen in Untersuchungshaft, aber bald wieder auf freien Fuss.

Jeden Donnerstag trifft sie das Präsidentenpaar

Mit ihrem neuen Gatten, einem Agenten der Renseignements Généraux (französischer Nachrichtendienst), entdeckte und entwickelte Marchand eine neue Sparte der Regenbogenpresse – die Politik. Mit einem Strandbild der Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal im Badekleid provozierte sie 2006 einen Dammbruch in dem Land, wo die Privatsphäre heilig ist oder es zumindest war. Später lieferte «Mimi» die ersten Bilder zu Sarkozys Liaison mit dem Topmodel Carla Bruni. Und auch in der Ära Macron ist sie ganz nah am Geschehen. Laut der nichtautorisierten Biografie hat sich Mimis Agentur Bestimage im Mai 2017 die exklusiven Rechte über das «private Image» des präsidialen Ehepaares gesichert. Marchand sucht jeden Donnerstag den Präsidentenpalast auf, um die Macrons imagemässig zu beraten.

Dass eine Paparazzi-Agentin das präsidiale «Storytelling» bebildert, passt schlecht zu Macrons Wahlkampfversprechen von 2017, er werde sein Privatleben nicht in der Regenbogenpresse ausbreiten. Mimi arbeitet vor allem für bunte Blätter wie «Voici», «Gala» oder «Paris-Match». Die grossen Tageszeitungen wie «Le Figaro», «Le Monde» oder «Libération», die solche Aussagen kritisiert hatten, werden von Mimi nicht bedient. Und von Macron gemieden. Dazu passt, dass der Präsident das seit de Gaulles Zeiten im Élysée-Hof angesiedelte Büro der Agence-France-Presse aus dem Palast verbannt hat. Im Narrativ der Élysée-Kommunikation stören Journalisten nur.

«Le Monde» wundert sich einzig, dass die Mata Hari der People-Blätter so leicht in den innersten Zirkel von Emmanuel und Brigitte Macron vordringen konnte: «Das Präsidentenpaar hat der Königin der Paparazzis, die lange in den Hinterzimmern von Nachtklubs verkehrte und auch schon im Gefängnis war, mit bemerkenswertem Leichtsinn die Tür geöffnet.» Die Macht der Bilder kann eben auch blind machen.

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