Showdown um CDU-Chefposten im April

Die angeschlagene CDU gibt sich im April eine neue Führung. Drei Männer buhlen um das Parteiamt – Jens Spahn verzichtet.

Christoph Reichmuth aus Berlin
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Als Duo ins Rennen um den CDU-Vorsitz: Armin Laschet (rechts) und Jens Spahn.

Als Duo ins Rennen um den CDU-Vorsitz: Armin Laschet (rechts) und Jens Spahn.

Bild: Clemens Bilan/AP

Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, hat die Gabe, in der Öffentlichkeit stets eine grosse innere Ruhe auszustrahlen. Diese Miene setzte der 59-Jährige auch gestern wieder auf, als er vor der Hauptstadtpresse in Berlin verkündete, dass er sich um das Amt des CDU-Vorsitzenden bewirbt. «Unser Land braucht mehr Zusammenhalt, vor allem mehr Zuversicht. Man muss ausstrahlen, dass einem das Regieren Spass macht», sagte der CDU-Politiker.

Um eineinhalb Stunden zuvorgekommen

Laschet wurde flankiert von Gesundheitsminister Jens Spahn. Der 39-Jährige wurde in den letzten Wochen, seit dem angekündigten Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer von Parteivorsitz und aus dem Kanzlerrennen, immer wieder als möglicher Kandidat für die CDU-Spitze genannt. Spahn stellt seine persönlichen Ambitionen zurück und bildet nun mit Laschet, Regierungschef des mit 18 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, ein Duo. Laschet soll CDU-Chef werden, Spahn sein Stellvertreter.

Die gute Laune Laschets war möglicherweise auch dadurch begründet, weil er seinem Rivalen gestern zeitlich zuvorgekommen war. Eineinhalb Stunden nach Laschet trat Friedrich Merz im gleichen Saal der Bundespressekonferenz vor die Hauptstadtjournalisten, um seine Kandidatur für den CDU-Vorsitz offiziell zu verkünden. Der ehemalige CDU-Fraktionschef, bei Konservativen und Wirtschaftsliberalen in der Union als Heilsbringer verehrt, griff schon 2018 nach dem Parteivorsitz, scheiterte in einer Kampfwahl knapp an Annegret Kramp-Karrenbauer. Dieses Mal will es der 64-jährige Merz packen.

Seit Wochen tourt der Aufsichtsratschef von Blackrock Deutschland, der seinen Posten beim grössten Vermögensverwalter Ende März niederlegen will, durch das Land, um vor der CDU-Basis zu sprechen. Dort stösst er auf grosse Sympathien. Merz konnte sich gestern einen Seitenhieb an die Adresse des Duos Laschet und Spahn nicht verkneifen: Es gehe für die CDU um die «Alternative zwischen Kontinuität und Erneuerung.»

Entscheidung bereits im Frühjahr

Bei einem Sonderparteitag am 25. April will sich die CDU eine neue Parteiführung verpassen. Die Entscheidung wird damit vorgezogen, ursprünglich sollte die Nachfolge an der Spitze im Dezember gekürt werden. Die einst angestrebte Lösung mit einem Kandidaten, auf den man sich zuvor in der Parteispitze einigen konnte, ist vom Tisch, der CDU steht eine Kampfwahl ins Haus. Klar scheint nur, dass die CDU nach der knapp 20-jährigen Ära Angela Merkel (2000 bis 2018) und Annegret Kramp-Karrenbauer (2018 bis April 2020) wieder von einem Mann geführt werden wird. Neben Laschet und Merz kandidiert mit Aussenseiter-Chancen auch Norbert Röttgen, der seinen Hut bereits vorige Woche in den Ring geworfen hatte.

Der neue CDU-Chef hält gute Karten in der Hand, die Union aus CDU und CSU bei den nächsten Bundestagswahlen auch gleich als Kanzlerkandidat zu vertreten. Allerdings ist hier das letzte Wort nicht gesprochen, da auch die Schwesterpartei, die bayerische CSU, ein Wörtchen mitzureden hat.

«Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur sind zwei unterschiedliche Fragen», machte CSU-Generalsekretär Markus Blume diese Woche deutlich. So bleibt es möglich, dass die Union tatsächlich wieder einmal mit einem CSU-Kandidaten ins Kanzlerrennen steigen wird. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder dementiert Kanzlerambitionen zwar bei jeder Gelegenheit, doch dem 53-Jährigen werden durchaus gute Chancen eingeräumt.

Die CDU ringt um Richtung und Rettung

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Christoph Reichmuth aus Berlin