Coronapolitik
Setzt Merkel nach dem Wahlsonntag an diesem Wochenende auf das Schweizer Modell?

Die CDU geht angeschlagen in die Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Die Bevölkerung verliert ihre Lockdown-Geduld.

Christoph Reichmuth, Berlin
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Kommt Anfang nächster Woche die Kehrtwende? Wenn ihre Partei am Sonntag die Regionalwahlen verliert, wird der Druck auf ein Umdenken punkto Lockdown noch grösser werden.

Kommt Anfang nächster Woche die Kehrtwende? Wenn ihre Partei am Sonntag die Regionalwahlen verliert, wird der Druck auf ein Umdenken punkto Lockdown noch grösser werden.

AP

Am Sonntag wählen Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ihre Landtage. In Baden-Württemberg ist dem Grünen-Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann der Wahlsieg nicht mehr zu nehmen. Und auch in Rheinland-Pfalz droht der CDU gegen die Partei der amtierenden SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer eine Niederlage.

Die Wahlen sind auch ein Referendum über Angela Merkels Coronapolitik. Die wichtigsten Schaltstellen in der Krise – das Wirtschafts- und Gesundheitsministerium – sind in der Hand der CDU. Doch genau hier hapert es nun: Die Wirtschaftshilfen fliessen nur langsam, die Schnelltest-Offensive startete zögerlich, beim Impfen fährt Deutschland ein Schneckentempo.

Die grosse Angst vor der dritten Welle

Seit Spätherbst befindet sich das Land in einem ermüdenden Lockdown, doch das Instrument zeigt nur bedingt Wirkung. Die Ansteckungszahlen steigen trotzdem wieder an. Eine von Merkel in Aussicht gestellte Lockerung für Einzelhandel, Gastronomie und Kultur rückt in weite Ferne. Viele Deutsche verlieren allmählich die Geduld. Miese CDU-Umfragewerte und schlechte Wahlresultate an diesem Sonntag könnten den Druck auf die Kanzlerin weiter erhöhen, das Land rascher aus dem Lockdown herauszuführen und das Schweizer Modell mit geöffnetem Einzelhandel und greifbaren Perspektiven für die Gastronomie zu kopieren.

Doch die Physikerin Merkel dürfte weiterhin auf die Expertise ihrer Berater vertrauen. Eine zu rasche Lockerungen, so Merkels Sorge, könnte eine unkontrollierbare dritte Welle mit vielen Toten auslösen. Bei diesem Szenario wäre die in der Regierungsverantwortung sitzende Union im Herbst, wenn die Bundestagswahlen anstehen, so oder so am Boden.