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In Dänemark steht die weltweit erste Fabrik, die aus Seesternen Schweinefutter macht

Das hilft dem Klima und fördert eine lokale Delikatesse. In England soll derweil aus Hummer Plastik hergestellt werden.
Niels Anner, Kopenhagen
(Bild: Getty)

(Bild: Getty)

Sie sehen zwar schön aus. Doch sie sind rau und scharf, vermehren sich wie Ungeziefer und fressen den Fischern den Broterwerb weg: Seesterne waren im nordwestdänischen Limfjord bisher vor allem eine Plage. Die schleimigen Tiere am Meeresgrund fressen nämlich die Blaumuscheln, eine lokale Delikatesse, die hier gefischt und auch exportiert wird – und waren bisher störender Beifang. Zudem sorgte ihre enorme Ausbreitung für Sauerstoffmangel in dem relativ seichten Gewässer im Norden.

Doch damit soll jetzt Schluss sein: Im Ort Skive hat kürzlich die weltweit erste Fabrik den Betrieb aufgenommen, die aus See­sternen Futter für Schweine und Hühner herstellt. Dabei handelt es sich um Proteinpulver für biologische Schweinemast. Dieses importieren die dänischen Biobauern bisher aus Sojaproduktion in China oder Südamerika. Dort nimmt durch Monokulturen und die Abholzung von Regenwald oft die Umwelt Schaden.

Mit der Eröffnung der neuen Fabrik werden nicht nur die Lieferwege deutlich kürzer und klimafreundlicher. Das Produkt getrocknete Seesterne hat lokal diverse positive Auswirkungen und kann qualitativ mit Soja gut mithalten. Wie Fischmehl enthält es zudem Omega-3-Fettsäuren, die für die Gesundheit der Nutztiere wichtig sind. Auf Antrag Dänemarks hat die EU Seesterne, die zu rund 70 Prozent aus Proteinen bestehen, als Futter zugelassen.

Gesamte Rohware endet im Produkt

Die fünfarmigen Tiere werden von den Fischern mit speziellen Schleppnetzen gefangen. Rund 15 Boote würden sich vor allem im Winter und im Frühling, wenn die Seesterne laichen und besonders proteinreich sind, auf den neuen Fang ausrichten, erklärte Niels Jörgen Madsen in dänischen Medien. Er ist Direktor der Firma Danish Marine Protein, die zusammen mit einer Landwirtschaftsgenossenschaft die neue, rund 2,5 Millionen Franken teure Fabrik betreibt. Laut Madsen ist die Produktion auf bis zu 10 000 Tonnen pro Jahr ausgelegt.

Die Seesterne werden zunächst von Sand und Beifang gereinigt, dann getrocknet. Dabei verdampfen zwei Drittel bis drei Viertel als Wasser, der Rest wird zu Seesterne-Mehl gemahlen. «Die gesamte Rohware endet im fertigen Produkt. Ausser Wasserdampf fallen keinerlei Nebenprodukte an», erklärt Madsen. So einfach, wie es tönt, ist der Prozess allerdings offenbar nicht. Erste Versuche wurden abgebrochen, weil die schleimigen Tiere zusammenklebten und schlecht trockneten. Nun hat Danish Marine Protein eine Methode gefunden, bei der die Seesterne in kleinere Stücke gehackt werden. Genaueres über die Produktion will Madsen aber aus Konkurrenzgründen nicht verraten.

Zuchtversuche in Bassins

Das Unternehmen ist daran, weitere Methoden zur Proteingewinnung aus Meeresprodukten zu erproben. Dies, weil die Seesterne nicht über das ganze Jahr so ertragreich sind und die Fischer sich in den Sommer- und den Herbstmonaten vor allem dem Muschelfang widmen. So laufen Versuche in Bassins mit gezüchtetem Tang, Muscheln und Krebsen.

In England setzt ein junges Start-up derweil auf einen anderen tierischen Rohstoff aus dem Meer: Hummer. Genauer gesagt interessiert sich das Unternehmen The Shellworks für die nicht essbare, harte Haut der Meerestiere, die aus Chitin besteht, einem Bio-Polymer, das man in einem relativ einfachen chemischen Prozess in einen umweltfreundlichen, leicht abbaubaren und gut formbaren Kunststoff umwandeln kann. Erste Er­fahrung mit Blumentöpfen sind positiv, und nun sieht das Unternehmen im EU-Verbot von Einweggeschirr eine enorme Chance – oder auch mit Plastiksäcken. «Unser Material tötet Bakterien und Pilzsporen, das könnte inter­essant für Lebensmittelverpackungen sein», erklärte Gründer Amir Afshar. Nicht mehr gebrauchte Säcke können zerkleinert und als Pflanzendünger verwendet werden.

Geeignet sind auch die Haut von Krebsen und Garnelen, aber bei Hummer ist der Chitingehalt am höchsten. Zudem fallen Hunderte von Tonnen an Schalen als einfaches Abfallprodukt an, zum Beispiel in einem einzigen Seafood-Restaurant in London. Allein aus dieser Menge könnte The Shellworks mehrere Millionen Plastiksäcke herstellen, wenn der Prozess ausgereift ist.

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