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Jemen: Schwierige Suche nach Frieden

Morgen beginnt in Genf die UN-Vermittlung im Jemen-Konflikt. Es sind die ersten Gespräche zwischen den Parteien seit zwei Jahren. Die Erwartungen an deren Erfolg sind gering.
Martin Gehlen, Tunis
Huthi-Milizen sichern eine religiöse Zeremonie in den Strassen Sanaas. (Bild: Yahya Arhab/EPA; 29. August 2018)

Huthi-Milizen sichern eine religiöse Zeremonie in den Strassen Sanaas. (Bild: Yahya Arhab/EPA; 29. August 2018)

Zehntausende Tote und Verletzte, Hungersnot und Cholera, Städte in Trümmern und Al-Kaida stärker denn je – der dreieinhalbjährige Bürgerkrieg im Jemen hat aus dem Land an der Südspitze der Arabischen Halbinsel ein Katastrophengebiet gemacht. Militärisch herrscht ein Patt, keiner der Kontrahenten konnte bisher die Oberhand gewinnen.

Die vom Iran unterstützten Huthis kontrollieren die Hauptstadt Sanaa und wichtige Teile des Nordens. Ihre Gegner, verbündet mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), haben vor allem den Süden mit den Hafenstädten Aden und Mukalla in ihrer Gewalt. Der Versuch der Alliierten, den Huthis den wichtigsten Einfuhrhafen Hodeida am Roten Meer zu entreissen, steckt vor den Toren der Stadt fest. Nun wollen sich morgen die Unterhändler beider Seiten zum ersten Mal seit August 2016 wieder zu Gesprächen treffen. Damals sassen sie sich 108 Tage lang in Kuwait gegenüber, bevor am Ende alles ohne Ergebnis platzte.

Monumentale Aufgabe

Zwei Jahre danach will der neue UN-Vermittler Martin Griffiths die zerrissenen Gesprächsfäden wieder anknüpfen – diesmal in Genf. Welche monumentale Aufgabe vor dem 67-Jährigen liegt, ist in der letzten UN-Analyse zu Jemen nachzulesen. «Der Staat hat praktisch aufgehört zu existieren», heisst es in dem Text. «Er ist zerfallen in zahlreiche verfeindete Territorien, die sich nur sehr schwer wieder zu einer gemeinsamen Nation werden zusammenflicken lassen.» Denn der Krieg ist beides, ein Kampf der Regionalmächte Saudi-Arabien und Iran sowie ein Konflikt, der tiefe Wurzeln im Jemen selbst hat. Bereits sechsmal führten die Huthis in den Jahren 2004 bis 2010 Krieg gegen die Hauptstadt Sanaa, weil sie sich von der Machtzentrale diskriminiert fühlten.

Nach dem Arabischen Frühling 2011 kam erstmals positive Bewegung in den Dauerkonflikt – und es sah zunächst gut aus für die Anliegen der Aufständischen. Eine neue Verfassung sollte eine föderale Struktur schaffen und endlich für mehr Gerechtigkeit zwischen den Provinzen sorgen. Doch wieder konnten sich die Beteiligten nicht einigen. Im September 2014 platzte der Huthi-Führung der Kragen, deren Stammesgruppe ein Drittel der Bevölkerung ausmacht. Sie befahl ihren Kriegern, in Sanaa einzumarschieren – und trat damit den jüngsten Bürgerkrieg los, bei dem sich nach UN-Erkenntnissen beide Seiten immer krassere Menschenrechtsverstösse zuschulden kommen lassen.

Und so startet die erste Vermittlungsrunde in Genf mit sehr geringen Erwartungen. Ziel sei es, auszuloten, wie ernst es die Kriegsparteien mit der Aufnahme echter Verhandlungen meinen, erklärte UN-Sprecher Stephane Dujarric. Seine Mission beginnen will Martin Griffiths mit Themen wie dem Gefangenenaustausch und dem Status der Hafenstadt Hodeida, über die ein Grossteil der Lebensmittel ins Land kommt. Die Huthis haben bisher 3000 Gefangene in ihrer Gewalt, die saudische Koalition etwa 5000. «Ein Gefangenenaustausch könnte helfen, wieder ein wenig Vertrauen zu schaffen», erklärte Randa Slim, Expertin am Middle East Institute in Washington D.C. und Mitglied des vorigen UN-Verhandlungsteams von 2016. Das Interesse an einem echten Frieden jedoch veranschlagt sie als gering. «Die Führer beider Lager haben sich mittlerweile mit dem Krieg eingerichtet. Sie alle profitieren bestens von der Kriegsökonomie.»

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