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Schwerer Schlag gegen die Römer Mafia

Bei einer Grossrazzia in Rom und in Kalabrien sind gestern 31 Personen festgenommen worden. Das Hauptziel der Polizeiaktion war der Clan der Casamonica, die gefährlichste Mafia-Familie in der italienischen Hauptstadt.
Dominik Straub, Rom
Ein italienischer Carabiniere bei der gestrigen Razzia in Rom.Bild: EPA

Ein italienischer Carabiniere bei der gestrigen Razzia in Rom.Bild: EPA

Giuseppe Casamonica hat seine wieder erlangte Freiheit nur für kurze Zeit geniessen können: Der Boss der Römer Mafia war erst vor wenigen Monaten aus dem Gefängnis entlassen worden, wo er eine zehnjährige Strafe wegen Kokainhandels abgesessen hatte. Gestern wanderte er bereits wieder hinter Gitter: Giuseppe Casamonica habe die kriminellen Aktivitäten auch weiterhin vom Gefängnis aus gesteuert, heisst es in der Anklageschrift, die von den Ermittlern gestern vorgelegt wurde. Mit seinen rund tausend Mitgliedern ist der Casamonica-Clan laut der nationalen Anti-Mafia-Behörde das aktivste Mafia-Kartell der Hauptstadt.

Zusammen mit Giuseppe Casamonica sind bei der gestrigen Grossrazzia, an der über 250 Carabinieri beteiligt waren, weitere 30 Personen festgenommen worden. Nach weiteren sechs Personen wurde noch gesucht. «Bei den Casamonica handelt es sich um eine extrem gefährliche Sippschaft», erklärte der Römer Staatsanwalt Giovanni Musaro. Den Verhafteten werden unter anderem Drogen- und Menschenhandel, Wucher und Erpressung vorgeworfen. «Die Casamonica können sich bei ihren Geschäften auf die Angst verlassen, den ihr Name in der Römer Bevölkerung verbreitet», erklärte der Staatsanwalt.

Auch Mitglieder anderer Clans verhaftet

Im Rahmen der Römer Razzia hat die Polizei auch in Kalabrien und im Römer Meerbad Ostia zugeschlagen. Dabei gingen den Fahndern sechs Angehörige des Strangio-Clans in Kalabrien und ein Mitglied des Spada-Clans in Ostia ins Netz. Bei beiden handelt es sich um gefürchtete Mafia-Familien – und um Verbündete der Casamonica.

Die kalabresische ’Ndrangheta, zu welcher der Strangio-Clan gehört, versorgt ganz Italien und halb Europa mit dem Kokain der kolumbianischen Drogenkartelle; die Spada-Familie kontrolliert Teile des Strandbad-Business in Ostia. Der Casamonica-Clan wiederum beherrscht die östliche und die südliche Peripherie der Hauptstadt, darunter auch das Cinecittà-Quartier.

Wie gross die Angst vor den Gangstern in den betroffenen Quartieren ist, belegen Zeugenaussagen. «Wenn meine Aussagen öffentlich werden, bin ich ein toter Mann; mit den Casamonica scherzt man besser nicht», hat ein Mitglied der Mafia-Familie, der mit den Ermittlern zusammenarbeitete, in einem Verhör erklärt. Andere Zeugen weigerten sich, Aussagen zu machen; in abgehörten Telefongesprächen wird klar, warum: «Ich zahle lieber in aller Stille, als mit diesen Leuten Probleme zu bekommen», erklärte ein Wucher-Opfer am Telefon zu seinem Sohn.

Bei den Casamonica handelt es sich – wie auch bei den Spada in Ostia – um eine seit langem in Rom ansässige Sinti-Familie. Laut Steuererklärung sind die Römer Mafiosi mittellos; ihr wahres Vermögen wird freilich auf Hunderte von Millionen Euro geschätzt. Die Casamonica hatten vor zwei Jahren mit der pompösen Beerdigung ihres Familienpatriarchen Vittorio für Aufsehen und Empörung gesorgt.

Vittorio Casamonica – genannt «der König von Rom» – hatte seine letzte Reise in einer historischen Kutsche angetreten, die von sechs schwarzen Pferden gezogen wurde; ein Hubschrauber im Tiefflug warf über den Trauergästen korbweise Rosenblüten ab.

Wendepunkt in Kampf gegen die Mafia

Die gestrige Razzia markiert einen Wendepunkt in der Bekämpfung der organisierten Kriminalität in Rom: Es ist das erste Mal, dass den Verhafteten der Tatbestand «Bildung einer mafiösen Vereinigung» vorgeworfen wird.

Bisher stellte man sich nämlich in Rom auf den Standpunkt, es gebe zwar kriminelle Banden, aber keine Mafia in der Hauptstadt. Im Rahmen der Razzia wurden Immobilien, Bankkonten und Firmenbeteiligungen des Clans beschlagnahmt.

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