Schwere Unruhen im syrischen Homs

Syrische Armee-Einheiten haben gestern den Bab-al-Sehba-Bezirk der Stadt Homs umzingelt und anscheinend mit Panzern beschossen. Staatsmedien sprachen von einer «Säuberungsaktion», um die «loyale Bürger» gebeten hätten.

Drucken

limassol. In Homs, mit 1,5 Millionen Einwohnern die drittgrösste Stadt Syriens, war es am Wochenende zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen gekommen. Über die Ursachen gibt es unterschiedliche Darstellungen, die aber nicht überprüft werden können.

Gewalt und Gegengewalt

Einer der Gründe für den Gewaltausbruch war nach Angaben eines syrischen Oppositionssprechers in London die Entführung von zehn Alawiten durch sunnitische Extremisten. Vier der Entführten seien später mit ausgestochenen Augen, die anderen teils verstümmelt auf einer Abfallhalde gefunden worden. Aufgebrachte Alawiten hätten darauf mit einer Orgie der Gewalt reagiert, die von den Sicherheitskräften nicht verhindert worden sei. Um sich zu schützen, sollen darauf auch «sunnitische Elemente», bei denen es sich um oppositionelle Moslembrüder handeln dürfte, zu den Waffen gegriffen haben. Insgesamt sollen bei den Kämpfen in den letzten Tagen über 50 Menschen ums Leben gekommen sein.

Angst vor Bürgerkrieg

Die bürgerkriegsähnlichen Unruhen in Homs haben in Syrien zu Verunsicherung geführt. Auch die Auslandsopposition zeigte sich besorgt. Sie arbeitet weiter auf den Sturz des Assad-Regimes hin, jedoch nicht um den Preis eines Bürgerkriegs, den auch Damaskus unbedingt verhindern will. Die gestrige «Säuberungsaktion» in Homs, bei der anscheinend auch Panzer eingesetzt wurden, könnten vor diesem Hintergrund als ein Versuch des Regimes zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung im Sinne Assads interpretiert werden. Michael Wrase