Schwedische Touristen werden diesen Sommer gemobbt – doch das wollen sie nicht auf sich sitzen lassen

Zypern will keine schwedischen Touristen beherbergen. Auch andere Länder wollen die Nordländer fernhalten. Schuld ist deren Sonderweg.

Niels Anner aus Kopenhagen
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Müssen dieses Jahr wohl zuhause bleiben: Stockholmer geniessen die Frühlingssonne vor dem Royalen Theater. Ins Ausland reisen wird für sie diesen Sommer schwierig. (Bild: Keystone)

Müssen dieses Jahr wohl zuhause bleiben: Stockholmer geniessen die Frühlingssonne vor dem Royalen Theater. Ins Ausland reisen wird für sie diesen Sommer schwierig. (Bild: Keystone)

Viele Länder planen derzeit Grenzöffnungen und überlegen sich, wie sie den Sommertourismus trotz der Krise ankurbeln können. Schweden aber betrachtet die Entwicklung mit Sorge. Zwar sinkt die Anzahl Corona-Todesfälle und die Intensivstationen leeren sich. Trotzdem zeichnet sich ab, dass schwedische Touristen diesen Sommer für den Sonderweg ihrer Regierung in der Coronakrise bezahlen werden müssen.

Mehrere Länder kündigten Widerstand gegen die Einreise von Personen aus Schweden an. Am deutlichsten bisher Zypern: Die Insel will in den nächsten Wochen Direktflüge aus 13 Ländern zulassen, darunter Norwegen, Dänemark, Deutschland und die Schweiz. Explizit nicht auf der Liste steht Schweden: Die Zyprioten schoben das nordische Land zusammen mit Italien, Spanien, Frankreich und Grossbritannien in die Kategorie der Unwillkommenen.

Reisefachfrau beklagt «hasserfüllten Tonfall» gegenüber Schweden

Auch in Norwegen und Finnland schlagen die Gesundheitsbehörden überaus kritische Töne an. Schwedische Touristen seien ein grösseres Risiko als dänische oder norwegische, sagte der Chef der finnischen Epidemie-Behörde. In Dänemark fordern Oppositionspolitiker, die Grenze zu Deutschland rasch zu öffnen – jene zu Schweden jedoch nicht.

Auch wenn die Regierungen noch nicht entschieden haben, stellt die schwedische Reisefachfrau Lottie Knutson fest, ihr Land sei «zum Mobbingopfer Europas geworden». Es gebe allenthalben einen «unerhört hasserfüllten Tonfall» gegenüber Schweden und seiner Corona-Strategie.

Aussenministerin plant diplomatische Offensive

Auch Griechenland, Island und weitere Ländern erwägen, die Grenzen nur für Reisende aus bestimmten Länder zu öffnen. Diese Form der touristischen Diskriminierung läuft am geringsten über Flugverbote. In Deutschland etwa diskutiert die Regierung über einen Plan, um die internationalen Reisewarnungen anzupassen.

Um den Tourismus sicher zu gestalten, will Berlin Kriterien wie etwa die Anzahl Neuansteckungen und die Testkapazitäten der Länder anwenden. Bei beidem sieht es für Schweden nicht gut aus: Da das Land weniger restriktive Massnahmen getroffen hat, hat sich das Virus stärker verbreitet als in den skandinavischen Nachbarländern.

Bis zum 15. Juli rät die schwedische Regierung ihrer Bevölkerung aber sowieso von jeglichen Auslandreisen ab. Doch Pessimisten glauben, schwedische Touristen könnten noch länger vielerorts nicht willkommen sein. Die schwedische Aussenministerin Ann Linde hat deshalb eine diplomatische Offensive angekündigt.

Sie sagte, einige Länder wollten innenpolitisch auf Kosten von Schweden punkten. Die Reisefachfrau Lottie Knutson etwa betont, die dänische Hauptstadt Kopenhagen weise proportional zur Bevölkerung eine höhere Corona-Todeszahl auf als die benachbarte schwedische Region Schonen mit der Grossstadt Malmö.

Da sei es heuchlerisch, wenn man Schweden als Gefahr bezeichne, gleichzeitig aber Dänen nach Malmö fahren dürften, um einzukaufen oder in den offenen Hallenbäder zu baden.

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