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SCHWEDEN: Stockholm ist nach Anschlag abgeriegelt

Ein Lastwagen fuhr gestern in Stockholm in eine Menschenmenge. Dabei starben mindestens vier Personen. Am Abend dauerte die Fahndung nach dem Täter noch an. Vieles deutet auf einen Terroranschlag hin.
Niels Anner, Kopenhagen

Niels Anner, Kopenhagen

Um 14.53 Uhr, kurz vor dem Feierabendverkehr, raste gestern ein gestohlener Lastwagen durch die Fussgängerzone in der Nähe des Stockholmer Hauptbahnhofs. In der Drottninggatan fährt er in eine Menschenmenge, kurz darauf prallt er in das grosse Warenhaus Åhléns. Dabei bricht Feuer aus. Laut Polizeiangaben kommen während der Attacke vier Personen ums Leben, mindestens 15 werden verletzt, neun davon schwer. Meldungen über Schüsse werden dementiert.

Die Sicherheitsbehörden hatten zunächst zwei Bilder eines verdächtigen Mannes veröffentlicht, der «im Zusammenhang mit der Attacke» dringend gesucht werde. Die verschwommenen Aufnahmen von Überwachungskameras zeigten einen leicht beleibten Mann mittleren Alters in schwarzer Hose, weissem T-Shirt und einer Kapuzenjacke, die einen Grossteil seines Kopfes verdeckt. Am Abend meldete die Zeitung «Aftonbladet» unter Berufung auf mehrere Quellen, dass im Stockholmer Vorort Märsta ein verletzter Mann verhaftet worden sei. Dieser passe auf die Beschreibung des Gesuchten und habe die Verantwortung für das Attentat übernommen. Er sei auf mehreren Überwachungskameras gesehen worden. Die Polizei bestätigte später die Verhaftung einer «möglicherweise in den Angriff involvierten» Person. Sie schloss aber nicht aus, dass sich andere Täter auf freiem Fuss befanden.

Die Attacke gleicht jenen von Nizza, Berlin und London. Geheimdienst und Polizeibehörden in Schweden gehen denn auch von einem Terrorangriff aus. Regierungschef Stefan Löfven sagte bereits kurz nach dem Angriff: «Schweden wurde angegriffen. Alles deutet auf Terror hin.» Es sei unklar, ob es sich um eine Einzeltat handelte «oder ob wir mit mehr rechnen müssen», so Dan Eliasson, oberster Polizeichef des Landes. Der Sicherheitschef des Geheimdienstes Säpo, Anders Thornberg, erklärte, eine solche Tat komme angesichts des Terrors in anderen europäischen Städten nicht überraschend; erst vor kurzem sei für so ein Ereignis eine Übung abgehalten worden. Das Tatfahrzeug, ein Lastwagen der grossen schwedischen Brauerei Spendrups, wurde offenbar nur wenige hundert Meter vom Tatort entfernt von einem – laut Augenzeugen maskierten und bewaffneten – Mann gestohlen. Der Chauffeur war dabei, Waren in einem Restaurant abzuliefern. Eine Spendrups-Sprecherin sagte gegenüber dem Fernsehsender SVT: «Unser Fahrer kam angelaufen und wollte den Dieb stoppen, wurde aber von diesem angefahren und erlitt leichtere Verletzungen.»

Landesgrenzen werden intensiv kontrolliert

In der Innenstadt brach nach dem Angriff Panik aus. Menschen stürmten aus dem Shoppingcenter und der Fussgängerzone. «Es war furchtbar. Unmengen von Blut, überall lagen Personen», sagte ein Augenzeuge gegenüber SVT. Eine schockierte Syrerin erzählte, der Lastwagen sei in voller Fahrt an ihr vorbeigefahren, es habe immer wieder geknallt. Eine Åhléns-Mitarbeiterin berichtete, sie habe in ihrer Pause etwas gegessen, aufgeblickt, da sei «im Prinzip die ganze Drottninggatan niedergemäht gewesen».

Polizei und Feuerwehr riegelten die Strassen der Innenstadt ab, schwerbewaffnete Einheiten, auch Soldaten, schützten Gebäude wie den Regierungssitz und das Parlament. Beamte, zum Teil mit Gasmasken und Maschinengewehren ausgerüstet, warnten Passanten vor Terror – sie müssten das Zentrum verlassen. Mitten im Pendlerchaos des Freitagnachmittags verliessen so Tausende zu Fuss die Gegend, denn der öffentliche Verkehr wurde zunächst angehalten. Laut SVT wurden mehrere Shoppingcenter und Hotels evakuiert.

In den Sozialen Medien breitete sich der Hashtag #openstockholm aus: Einwohner der Stadt boten anderen bei sich Schutz an. Die Behörden öffneten fünf Gebäude, in denen die Bevölkerung Zuflucht finden und notfalls auch übernachten konnte. Viele Menschen harrten stundenlang in ihren Büros oder in Geschäften aus, weil die Angaben der Polizei, wohin man sich bewegen sollte, nicht eindeutig waren.

Schweden verstärkte im ganzen Land die Polizeipräsenz. Auch an den Landesgrenzen wurden die Kontrollen intensiviert. So wurden beispielsweise auf der Öresundbrücke nach Dänemark sämtliche Autos kontrolliert.

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