«Schwarzer Tag für die CSU»

Die CSU hat in den bayrischen Landtagswahlen gegenüber 2003 über 17 Prozent der Stimmen verloren und damit die absolute Mehrheit verfehlt.

Fritz Dinkelmann/Berlin
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Niedergeschlagen: Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (rechts) während einer ersten Stellungnahme von CSU-Chef Erwin Huber. (Bild: ap/Cristof Stache)

Niedergeschlagen: Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (rechts) während einer ersten Stellungnahme von CSU-Chef Erwin Huber. (Bild: ap/Cristof Stache)

CSU-Parteichef Erwin Huber trat gestern abend sichtlich niedergeschlagen vor die Kameras: «Das ist ein schwieriger Tag, ein schwarzer, ein schmerzlicher Tag für die CSU», sagte er und versuchte dann, den Rücken von Ministerpräsident Günther Beckstein zu stärken: «Da es irgendwelche Gerüchte gibt, stelle ich klar: In der CSU haben wir weiterhin das Vertrauen in die Gestaltungskraft von Günther Beckstein.»

«Saurer Apfel»

Beckstein nahm den Ball zwar – wie nach einer ersten Krisenberatung wohl so abgesprochen – auf und meinte: «Ich stehe für eine Koalitionsregierung zur Verfügung», weil «die Menschen haben beschlossen, dass wir in eine Koalition hineinmüssen», und in diesen «sauren Apfel» werde man beissen. Doch das waren Sätze, gesagt im Schockzustand, ebenso trotzig wie kraftlos. Das Tandem Huber-Beckstein verfehlte nicht nur das Wahlziel (50 Prozent plus X), sondern löste in Deutschland den grössten Absturz einer Partei seit 1950 aus.

47 Prozent hatten die Umfrageinstitute vorhergesagt, was im Freistaat schon ein Kulturschock gewesen wäre, aber dann kam es gestern noch schlimmer für die CSU, 43 Prozent, so schlimm, dass Beckstein offen eingestand, dass niemand mit einem solchen Szenario gerechnet habe.

Heribert Prantl, Politexperte der «Süddeutschen Zeitung», sprach von einem «Höllensturz bei der CSU», in der nun «entsprechend die Hölle los ist», und prophezeite eine «Woche des Köpferollens». Als erster wagte sich der bayrische Staatsminister Thomas Goppel aus der Deckung – mit einer sibyllinischen Aussage: «Ich halte es für falsch, jetzt schon über Köpfe zu entscheiden, die bis jetzt noch gar nichts gesagt haben» –, Minuten bevor Beckstein und Huber vor die Mikrophone traten.

So bitter es für die CSU ist, nach über vier Jahrzehnten als Staatspartei abdanken zu müssen, so hilflos nahm die SPD ihr Ergebnis zur Kenntnis: 18,7 Prozent – das ist noch ein Prozentpunkt schlechter als beim bisher schlechtesten Ergebnis für die Sozialdemokraten in Bayern in den letzten Wahlen. Zwar sprach Spitzenkandidat Franz Maget selbstbewusst von einem «historischen Tag für Bayern» und einem «unvorstellbaren Absturz» der CSU, der belege, dass die Bürger «einen Neubeginn» wollten. Für diesen stünde die SPD zur Verfügung.

Erfolg für Freie Wähler und FDP

Tatsächlich ist rein rechnerisch eine Koalition ohne CSU möglich, aber praktisch auszuschliessen. Dies deshalb, weil die CSU vorwiegend Stimmen an das bürgerliche Lager verloren hat, an die FDP, die mit 16 Prozent das beste je in Bayern erzielte Ergebnis erhielt, und an die Freien Wähler, die mit über 21 Prozent gar zweistellig in den völlig veränderten Landtag einziehen werden und wie die Liberalen ein möglicher Koalitionspartner für die CSU sind. Jubelstimmung auch bei den Grünen, die über 9,2 Prozent der Stimmen holten, zumindest für Beckstein aber als Koalitionspartner nicht in Frage kommen. Die Linke verpasste mit 4,7 Prozent den Einzug in den Landtag.

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