Schwarzer Kardinal gehört zu den Mitfavoriten

In Rom wird bereits eifrig über einen möglichen Nachfolger von Papst Benedikt XVI. spekuliert. Auch ein Schweizer ist im Rennen.

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Kurienkardinal Peter Turkson (Bild: ap/ Pier Paolo Cito)

Kurienkardinal Peter Turkson (Bild: ap/ Pier Paolo Cito)

Eines steht schon heute fest: Das kommende Konklave ist das erste seit dem Mittelalter, das einen Papst wählen wird, während der alte Papst noch lebt. Zu einer Premiere könnte es auch beim Konklave selbst kommen: Wie schon beim letzten im April 2005 dürfte auch diesmal wieder der Ruf nach dem ersten «schwarzen Papst» ertönen. Auch die Asiaten werden ihre Ambitionen anmelden und etwa darauf hinweisen, dass die Philippinen mit ihren 75 Millionen Gläubigen weltweit die dritthöchste Katholikenzahl nach Brasilien und Mexiko aufweisen. Mit dem gleichen Argument werden die Süd- und Mittelamerikaner ihren Anspruch auf den Heiligen Stuhl begründen.

Italiener erstarkt, aber zerstritten

Der Zufall will es, dass die Zahl der wahlberechtigten Kardinäle im Konklave wie 2005 auch diesmal 117 betragen wird. Unter Benedikt XVI. haben sich die Gewichte innerhalb des Kardinalskollegiums wieder etwas zugunsten der Europäer und insbesondere der Italiener verschoben: Stammten 2005 noch 58 wahlberechtigte Kardinäle aus Europa, sind es nun 62; die Zahl der Italiener stieg von 20 auf 28. Das macht die Chancen, dass nun erstmals ein farbiger oder asiatischer Papst gewählt wird, nicht grösser.

Sicher ist, dass die erstarkten Italiener nach den zwei «Ausländern» wieder einen der Ihren auf dem Heiligen Stuhl sehen möchten. Die Italiener, die bis zur Wahl Karol Wojtylas (1978) seit dem Jahr 1522 sämtliche Päpste gestellt hatten, gelten sozusagen als natürliche Papst-Anwärter. Als Favorit für die Benedikt-Nachfolge unter den Italienern gilt der Mailänder Erzbischof Angelo Scola. Der 71jährige ehemalige Patriarch von Venedig ist zwar konservativ, hat aber eine soziale Ader und gilt als umgänglich. Scola galt schon 2005 als «papabile» und ist es heute erst recht. Oft genannte Anwärter aus Italien sind ausserdem der Bischof von Genua und Präsident der italienischen Bischofskonferenz, Angelo Bagnasco, und Kurienkardinal Gianfranco Ravasi, Präsident des päpstlichen Rates für die Kultur. Für alle italienischen «papabili» gilt: Sie sind zwar in der Kurie gut vernetzt, aber auch untereinander zerstritten.

Ein Schwarzer und ein Schweizer

Als möglicher erster schwarzer Papst gilt der ghanaische Kurienkardinal Peter Turkson, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden. Beim irischen Wettbüro «Paddy Power» wird er gar als Top-Favorit für die Ratzinger-Nachfolge gehandelt. Unter den Asiaten werden dem 55jährigen Erzbischof von Manila, Luis Antonio Tagle, sowie dem 65jährigen Erzbischof von Colombo, Albert Malcolm Ranjith, einige Chancen eingeräumt. Zu den nordamerikanischen Favoriten zählen der 63jährige Erzbischof von New York, Timothy Dolan, und der 68jährige franko-kanadische Kurienkardinal Marc Ouellet aus Quebec. In Mittel- und Südamerika gelten der 63jährige Basilianer Odilo Pedro Scherer (Erzbischof von São Paolo) und der Argentinier Leonardo Sandri (Präfekt für die Ostkirchen) als diejenigen Kardinäle mit den besten Aussichten.

Erstmals seit Menschengedenken hat auch die Schweiz wieder einen Kandidaten, der zumindest dem erweiterten Favoritenkreis zuzurechnen ist: Kurienkardinal Kurt Koch. Der 62jährige frühere Bischof von Basel ist 2010 vom Papst zum Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und damit zum «Ökumene-Minister» des Vatikans ernannt worden und gilt bereits als Schwergewicht in der Kurie.

Doch dies alles ist nur Spekulation. Nicht umsonst lautet eine Römer Faustregel: «Wer als Papst ins Konklave geht, kommt als Kardinal wieder heraus.»

Dominik Straub, Rom