Frankreich

Schüsse in Paris und am Flughafen Orly: Der getötete Angreifer wurde polizeilich gesucht

Der am Pariser Flughafen Orly erschossene Angreifer ist ein mehrfach vorbestrafter Franzose und wurde von der Kriminalpolizei gesucht. 2015 stand er zudem unter Radikalisierungsverdacht, wie am Samstag aus Polizeikreisen verlautete.

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Am Pariser Flughafen Orly ist am Samstagmorgen ein Mann erschossen worden, nachdem er einem Soldaten die Waffe weggenommen hatte.
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Der Mann entriss dem Soldaten die Waffe gegen 8.30 Uhr und lief damit in ein Geschäft im Flughafengebäude.
Schliesslich sei der Mann von Sicherheitskräften getötet worden, wie der Sprecher des französischen Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet, gegenüber den Medien erklärte.
Nach Angaben des Senders BFMTV wurde der Flughafen evakuiert, um sicherzustellen, dass der Mann keine Komplizen hatte.
Sprengstoffexperten sollten zudem sicherstellen, dass der Mann keine Bombe dabei habe.
Nach dem Zwischenfall am Flughafen Paris-Orly ist der Luftverkehr am Airport komplett gestoppt worden.
Der Verkehr sei an beiden Terminals eingestellt, teilte der Flughafenbetreiber mit.
Er rief Passagiere auf, sich nicht zum Flughafen zu begeben.
Schiesserei am Flughafen Orly in Paris

Am Pariser Flughafen Orly ist am Samstagmorgen ein Mann erschossen worden, nachdem er einem Soldaten die Waffe weggenommen hatte.

AP

Eine Wohnungsdurchsuchung habe damals aber nichts ergeben. Der Mann war wegen einer Reihe von Straftaten wie bewaffnetem Raubüberfall und Drogenhandel mehrfach vorbestraft.

Vater und der Bruder des Angreifers wurden festgenommen. Solche Festnahmen im "Umfeld eines Verdächtigen" seien üblich, verlautete aus Ermittlerkreisen. Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft hatte am Samstagmorgen die Ermittlungen an sich gezogen.

"Professionalität" der Militärs gelobt

Der Mann hatte am Samstagmorgen am Pariser Flughafen Orly eine Soldatenpatrouille angegriffen. Er versuchte, einer Soldatin eine Waffe zu entreissen und wurde erschossen. Die Frau sei Reservistin und als Teil einer Patrouille von drei Soldaten am Flughafen unterwegs gewesen, erläuterte Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian.

Die Soldatin habe ihre Waffe festgehalten. "Aber ihre zwei Kameraden haben es für nötig gehalten - und sie hatten Recht - das Feuer zu eröffnen, um sie zu beschützen, und vor allem um alle Leute drumherum zu beschützen", sagte Le Drian. Er lobte die "Professionalität" der Militärs.

Etwa anderthalb Stunden zuvor hatte der erschossene Angreifer nach Angaben von Innenminister Bruno Le Roux in der Nähe von Paris auf Polizisten geschossen und dabei einen von ihnen leicht verletzt.

Der Vorfall am Flughafen Orly hatte einen Grosseinsatz der Polizei ausgelöst. Sprengstoffexperten der Polizei waren im Einsatz, sie fanden jedoch keinen Sprengstoff.

Flugbetrieb wohl bald wieder normal

Der Flugbetrieb könnte nach Angaben des Betreibers noch am Samstag wieder aufgenommen werden. Er war nach der Attacke komplett eingestellt worden. Am Terminal West könne es in den "kommenden Minuten oder Stunden" weitergehen, sagte Betreiber-Chef Augustin de Romanet am Samstagmittag.

Das zweite Terminal Süd könne dagegen nicht geöffnet werden, solange der Staatsanwalt den Tatort nicht erkundet habe. "Es könnte am Abend wieder öffnen, aber kommen Sie nicht nach Orly, ohne zu überprüfen, dass die Flüge wieder aufgenommen wurden."

Frankreich wurde seit Anfang 2015 von einer Reihe islamistischer Anschläge getroffen. Bei einer Anschlagsserie in Paris wurden am 13. November 2015 insgesamt 130 Menschen getötet. Seither gilt in ganz Frankreich der Ausnahmezustand.