Schulterschluss mit Serbien

Belgrad. Knapp eine Woche vor den Präsidentenwahlen in Russland hat Dmitri Medwedew, den sich Putin für seine Nachfolge ausgesucht hatte, mit einem Besuch in Belgrad die engen russisch-serbischen Beziehungen bekräftigt.

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Auf gleicher Linie: Der russische Präsidentschaftskandidat Dmitri Medwedew (l.) unterstützt Serbiens Premier Kostunica im Streit um Kosovo. (Bild: ap/Iwan Sekretarew)

Auf gleicher Linie: Der russische Präsidentschaftskandidat Dmitri Medwedew (l.) unterstützt Serbiens Premier Kostunica im Streit um Kosovo. (Bild: ap/Iwan Sekretarew)

Kosovo sei integraler Bestandteil Serbiens, sagte Medwedew gestern in Belgrad. Er bezeichnete die Ausrufung der Unabhängigkeit durch Kosovo als «illegal». «Wir gehen davon aus, dass Serbien ein einheitlicher Staat ist, dessen Gerichtsbarkeit sich auf sein gesamtes Territorium bezieht», sagte Medwedew in der serbischen Hauptstadt. Medwedew ist derzeit russischer Vizepremier. Er ist haushoher Favorit in den Präsidentenwahlen vom nächsten Sonntag.

In Belgrad traf Medwedew mit Ministerpräsident Vojislav Kostunica und dem als prowestlich geltenden Staatschef Boris Tadic zusammen. Nach Meldungen serbischer Medien stimmten die beiden Länder ihr Vorgehen gegen die Unabhängigkeit Kosovos aufeinander ab. Einzelheiten dazu wurden nicht bekanntgegeben.

Pipeline-Vertrag unterzeichnet

Zwar am Rande des Besuchs, aber als ein Haupttraktandum unterzeichneten Serbien und Russland einen Vertrag über eine 400 Kilometer lange Gaspipeline. Diese ist Teil des russisch-italienischen Projekts vom Schwarzen Meer über Bulgarien und Serbien nach Westeuropa. Mit dem Vertrag wird auch Serbiens Stellung als wichtiger Verteiler für russisches Erdgas aufgewertet. Medwedew ist derzeit Verwaltungsratspräsident des russischen Energiegiganten Gazprom.

Die UNO-Kosovo-Verwaltung (Unmik) nahm gestern Stellung zur sich abzeichnenden Spaltung Kosovos in einen albanischen Süden und einen serbischen Norden. UNO-Kosovo-Verwalter Joachim Rücker beharrte auf der Einheit des jüngsten europäischen Staates. Die Unmik und die internationale Schutztruppe Kfor «sind für das gesamte Gebiet zuständig», sagte er in einem Gespräch mit dem serbischen Kosovo-Minister Slobodan Samardzic (vgl. auch Kasten). Samardzic hatte die Zerstörung zweier Grenzposten durch aufgebrachte Kosovo-Serben als «legitim» begrüsst.

Unmik in Frage gestellt?

Samardzic gab laut Rücker keine klare Auskunft über die Pläne Serbiens. «Für mich ist es nach dem Gespräch nicht klar, ob Serbien das Mandat der Unmik im ganzen Kosovo bestreitet oder nicht», sagte der deutsche Diplomat. In den letzten Tagen waren alle albanischen Polizisten und Unmik-Mitarbeiter aus dem Norden ebenso abgezogen worden wie die EU-Vertreter. (dpa/ap)

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