Schröder, eine Brücke zu Putin

Am Samstag hat Wladimir Klitschko seinen WM-Gürtel verteidigt und den chancenlosen Gegner fast schon barmherzig schnell k. o. geschlagen.

Fritz Dinkelmann
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Am Samstag hat Wladimir Klitschko seinen WM-Gürtel verteidigt und den chancenlosen Gegner fast schon barmherzig schnell k. o. geschlagen. Ein Sieg für die Ukraine, so feierte Wladimir das mit seinem Bruder Vitali und sagte am Ende des Kampfes: «Ich hoffe, dass wir die Krise überstehen und am Ende das bekommen, wovon wir träumen: in einem demokratischen europäischen Land zu leben. Die Ukraine bleibt und wird nicht gespalten.»

Allerdings, als seine Schwägerin Natalia Klitschko die ukrainische Nationalhymne singen wollte, da versagte ihr Mikrophon, der Boxer wurde nervös und blieb auch angespannt, als es dann doch noch patriotisch tönte. Eine Szene mit zwiespältigem symbolischem Charakter also, passend zum Konflikt und der Rolle, die Deutschland dabei spielt.

Die Proteste auf dem Maidan in Kiew wurden von Medien und Politikern zuerst romantisch verklärt, dann einseitig befeuert. Sowohl der scheidende deutsche Aussenminister Westerwelle als auch sein Nachfolger Steinmeier umarmten Vitali Klitschko vor laufenden Kameras – auch das waren symbolträchtige Bilder. Vitali (und Wladimir) schlagen Putin k. o. Zwei Russen zwar, ursprünglich, aber auch zwei deutsche Helden, die wie Sonderbeauftragte einer deutschen Regierung agierten, die sich nun von Ex-Kanzler Schröder «desavouiert» sieht, weil er ungefragt wieder politisch mitmischt.

Zwar spricht Schröder weniger gut Russisch als Merkel, aber er kann mit Putin reden, was nur gut ist, für die Ukraine und für Europa auch. Und dass er «erkennbar aus der aktiven Politik ausgeschieden» sei, wie die Regierung behauptet, stimmt nicht. Das Gegenteil ist richtig, auch wenn das Merkel wurmt. Aber sie sollte sich mit dem «Ex» jetzt intensiv austauschen.

ausland@tagblatt.ch