USA: Demokraten schöpfen Hoffnung in Texas

Ausgerechnet in der republikanischen Hochburg Texas schöpfen die Demokraten neue Hoffnung: Mit Beto O’Rourke könnten sie dort erstmals seit 1988 einen Senator stellen.

Renzo Ruf, Washington
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Demokrat Beto O'Rourke (45). Bild: James Durbin/AP (El Paso, 30. August 2018)

Demokrat Beto O'Rourke (45). Bild: James Durbin/AP (El Paso, 30. August 2018)

Der erste Eindruck täuscht. Beto O’Rourke, der schlaksige, jungenhafte Demokrat, der im Bundesstaat Texas den republikanischen Senator Ted Cruz in den Ruhestand schicken will, ist kein naiver Idealist – obwohl «Beto», wie er von Freund und Feind genannt wird, bisweilen wie ein Rockstar auftritt, der gegen das Unrecht in der Welt ankämpft. Nein, der bald 46-Jährige ist ein äusserst begabter Politiker, der nach Höherem strebt.

Dies stellte er diese Woche, als Gast einer beliebten Talkshow, erneut unter Beweis. Als ihn die Fernsehmoderatorin Ellen de Generes auf eine peinliche Episode in seiner ansonsten makellosen Biografie – 1988 verursachte er in betrunkenem Zustand einen Autounfall – ansprach, antwortete O’Rourke: Er habe «einen furchtbaren Fehler» gemacht. Wegen seiner weissen Hautfarbe wirkte sich der Unfall aber nicht negativ auf sein weiteres Leben aus. Er habe seither eine Firma und eine Familie gegründet – und nebenher, zuerst im Lokalparlament der Grenzstadt El Paso, und seit 2012 als Mitglied des nationalen Repräsentantenhauses, auch seine politische Karriere vorangebracht. Wäre er ein Afroamerikaner gewesen oder ein Amerikaner mit lateinamerikanischen Wurzeln, sagte O’Rourke weiter, dann hätte der Unfall sein Leben zerstört. Diese Ungerechtigkeit wolle er beseitigen. Deshalb habe er es sich zum Ziel gesetzt, dass «jedermann eine zweite Chance bekommt», ungeachtet der Hautfarbe.

Ungesagt blieb, dass O’Rourke im strukturkonservativen Texas – ein Staat, in dem die Demokraten letztmals 1988 einen Senatswahlkampf gewinnen konnten – auf die Stimmen enthusiastischer Afroamerikaner und Latinos angewiesen ist, will er in knapp zwei Monaten den ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Cruz aus dem Amt bugsieren. Gleichzeitig darf «Beto» aber nicht die weissen Wähler aus den Augen verlieren, die zwar in Texas nur noch 42 Prozent der Bevölkerung ausmachen, aber politisch engagierter sind.

Dieser politische Balanceakt ist nicht immer ganz einfach. So äusserte sich O’Rourke kürzlich pointiert und zustimmend über afroamerikanische Footballspieler, die am Rande von NFL-Partien gegen Rassismus protestieren, indem sie während der Nationalhymne knien. Umgehend warf ihm Cruz vor, er sei kein echter Patriot – eine Botschaft, die auch von Präsident Donald Trump stammen könnte, der im kommenden Monat in Texas für seinen ehemaligen Kontrahenten um Stimmen werben will.

O’Rourke ist aber der Meinung, dass eine Mehrheit der texanischen Wähler seine bisweilen heiklen Positionsbezüge akzeptieren werde – weil er im Wahlkampf, in dem er rastlos von Auftritt zu Auftritt tingelt und bereits sämtliche 254 Verwaltungsbezirke in Texas besucht hat, immer wieder sagt, er wolle sämtliche Bewohner des zweitgrössten Bundesstaates in Washington vertreten.

Die Umfragen geben dem Demokraten bisher recht.Noch liegt er zwar zurück. Sein Rückstand auf Ted Cruz, der 2012 mit 56 Prozent der Stimmen in den Senat gewählt wurde, beträgt aber nur noch wenige Prozentpunkte.

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