Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Simbabwe steht vor Schicksalswahlen

Simbabwe steht nach Jahrzehnten entwicklungspolitischer Eiszeit am Scheideweg. Die Karten sind neu gemischt – am kommenden Montag wird gewählt.
Markus Schönherr, Kapstadt
Übergangspräsident Emmerson Mnangagwa geht als Favorit ins Rennen: Wahlkampfplakat in Masvingo. (Tsvangirayi Mukwazhi/AP, 14. Juli 2018)

Übergangspräsident Emmerson Mnangagwa geht als Favorit ins Rennen: Wahlkampfplakat in Masvingo. (Tsvangirayi Mukwazhi/AP, 14. Juli 2018)

Lange sah es so aus, als könne nur die Opposition Simbabwe aus der Faust von Diktator Robert Mugabe befreien. Dann starb im Februar dieses Jahres Oppositionsführer Morgan Tsvangirai – wenige Wochen nachdem Mugabe von seinem eigenen Militär entmachtet wurde. Und so ist in Simbabwe, diesem heruntergewirtschafteten Land, in dem die politische Eiszeit der letzten Jahrzehnte jegliches Weiterkommen verhinderte, aktuell durchaus zu Recht von einer Schicksalswahl die Rede: Kann Übergangspräsident Emmerson Mnangagwa (75) am kommenden Montag die regierende ZANU-PF an der Macht halten oder macht Oppositionsführer Nelson Chamisa (40) das Rennen?

Laut Rejoice Ngwenya, Politologe in Harare, habe der charismatische Oppositionsführer für eine «Welle der Begeisterung gesorgt, vor allem unter Jungwählern». Zwar habe der Krebstod des beliebten Oppositionschefs Tsvangirai eine Lücke in der «Bewegung für Demokratischen Wandel» (MDC) hinterlassen. Schwächer sei sie dadurch aber nicht geworden. Trotzdem zweifelt Ngwenya, dass Chamisa die Opposition zum Sieg führt. Im Weg stünden dem Jungpolitiker sein «joviales, egozentrisches Auftreten», das vor allem ältere Oppositionsvertreter abschrecke.

Gewalt von 2008 wirft Schatten auf die Wahlen

Der porösen Opposition steht der übermächtige Staatsapparat der ZANU-PF gegenüber. Offenbar greift Mnangagwa auf dieselben Machtmittel zurück wie sein Vorgänger Mugabe: Beeinflussung der Wahlkommission, Wahlkampfgeld aus der Staatskasse und Unterstützung des Militärs.

Das Militär, früher ein Schosshund der Regierungspartei, ist heute mächtiger denn je. Steven Gruzd, Politologe am Südafrikanischen Institut für Internationale Angelegenheiten (SAIIA), warnt: «Die Gewalt von 2008 wirft ihren Schatten auf die Wahlen. Das könnte für Angst sorgen und die Wähler beeinflussen.» Bei dem Urnengang vor zehn Jahren hatten regierungsnahe Paramilitärs über 200 Oppositions­anhänger getötet.

Für das Land, das 1980 von Grossbritannien unabhängig wurde, steht viel auf dem Spiel. Die Wahlen fänden «vor dem Hintergrund jahrzehntelanger politisch motivierter Menschenrechtsverbrechen» statt, klagt Amnesty International an. Nicht nur hatte Mugabe in seinen 37 Amtsjahren Kritiker wegsperren lassen und weisse Farmer aus dem Land vertrieben. Sein Regime ist auch für die Blutjahre der 1980er verantwortlich. Damals tötete die Armee über 20000 Angehörige der Ndebele-Minderheit. Mnangagwa soll als Minister für Staatssicherheit eine tragende Rolle bei dem Massenmord gespielt haben – ein schwerwiegender Vorwurf beim Wahlauftakt. Gegner wie Unterstützer nennen Mnangagwa bei seinem Spitznamen, weil er ohne Rücksicht auf Verluste zuschlage, wenn seine Zeit gekommen sei: «das Krokodil».

Auch wirtschaftlich steht das Land am Scheideweg. Früher als «Brotkorb der Region» bekannt, herrscht in Simbabwe heute Armut und Geldmangel. Die Arbeitslosigkeit schwankt zwischen 80 und 90 Prozent. Es liegt nahe, dass beide Gegner in ihrem Wahlkampf auf Aufschwung setzten. Mnangagwa hat bereits beim Commonwealth-Gipfel und beim Weltwirtschaftsforum (WEF) bewiesen, dass er Simbabwe öffnen und mithilfe internationaler Investoren voranbringen möchte. Das versprach auch Chamisa, demzufolge «Inder und Europäer in Scharen kommen werden, um in Simbabwe als Schafhüter zu arbeiten» – sollte er gewinnen.

Politologe Ngwenyas Tipp für den Wahlausgang? «Seine dicke Brieftasche und die staatlichen Ressourcen geben Emmerson Mnangagwa einen knappen Vorsprung.» Damit steht Simbabwe im Idealfall der langerhoffte wirtschaftliche Frühling bevor. Für Menschenrechte und Demokratie ändert sich dagegen nicht wirklich etwas.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.