Schicksalswahl im US-Bundesstaat Alabama – auch für Donald Trump

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Senatswahl Die Nachwahl zum US-Senat im Bundesstaat Alabama könnte zur Bewährungsprobe für US-Präsident Donald Trump werden. An den Urnen mussten sich die Wähler in Alabama gestern zwischen dem republikanischen Kandidaten Roy Moore und dem Demokraten Doug Jones entscheiden. Die Ergebnisse wurden in der Nacht auf heute erwartet. Das traditionell konservative Alabama ist eine absolute Republikanerhochburg; Trump selbst hatte in der Präsidentschaftswahl 2016 mit einem Vorsprung von knapp 30 Prozentpunkten vor seiner Kontrahentin Hillary Clinton deutlich gewonnen.

Nun müssen die Republikaner ernsthaft um ihre Hochburg fürchten. Denn ihr ultrarechter Kandidat Moore, der als Favorit ins Rennen gegen den Demokraten Jones geht und vor allem evangelikale Christen im ländlichen Alabama mobilisieren kann, sieht sich schweren Vorwürfen gegenüber: Mehrere Frauen beschuldigen den ehemaligen Richter glaubhaft, sie als Jugendliche sexuell belästigt zu haben.

Kandidat wird sexuelle Belästigung vorgeworfen

Wie Trump bei ähnlichen Vorwürfen gegen ihn spricht Moore von Fake News und streitet jegliches Fehlverhalten ab. Umfragen sagten Moore gestern zwar einen Vorsprung von gut 2 Prozentpunkten vor Jones voraus. Doch dürfte es in der Geschichte Alabamas kein so knappes und unvorhersehbares Rennen gegeben haben wie das aktuelle. Ebenso dürfte der Ausgang der Alabama-Wahl von historischer Tragweite sein – unabhängig vom Ergebnis. Ein demokratischer Wahlsieg käme einem politischen Erdbeben gleich. Für Trump, der von Beginn seiner eigenen Präsidentschaftskandidatur an auf just jene Wählerklientel gesetzt hat, die Moore unterstützt, wäre dessen Niederlage eine politische Ohrfeige. Dies auch deshalb, weil die ohnehin knappe republikanische Mehrheit im US-Senat, wo die Präsidentenpartei 52 der 100 Sitze hält, weiter schrumpfen würde – keine guten Aussichten insbesondere für Trumps ohnehin auch parteiintern umstrittene Steuerreform.

Doch auch ein Sieg Moores würde die politische Landschaft in den USA erkennbar verändern. Denn ein Erfolg Moores würde den radikalen Flügel der Republikanischen Partei weiter stärken und den moderaten Flügel um parteiinterne Trump- Kritiker wie den Senator Mitch McConnell schwächen.

Heimlicher Gewinner eines Moore’schen Sieges wäre zudem Trumps schillernder Ex-Chefstratege Steve Bannon, der als Chefredaktor der rechten Webseite Breitbart News schon seit langem die Werbetrommel für Roy Moore rührt. Bannons erklärtes Ziel ist eine rechtskonservative Revolution in der republikanischen Partei. (isd)