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Scheinbare Annäherung zweier Rivalen

Eigentlich mögen sich China und Japan nicht. Doch im Zuge des US-chinesischen Handelsstreits ist vor allem Peking um bessere Beziehungen mit Tokio bemüht. Ist die Annäherung echt?
Felix Lee, Peking
Xi Jinping (links) und Shinzo Abe beim Handschlag im russischen Wladiwostok. (Kyodo, 12. September 2018)

Xi Jinping (links) und Shinzo Abe beim Handschlag im russischen Wladiwostok. (Kyodo, 12. September 2018)

Autos der Marke Nissan brannten, Sushi-Läden wurden demoliert, Tausende Demonstranten liefen durch Pekings Strassen und brüllten: «Nieder mit den Japanern.» Dabei sind Demonstrationen im autoritären China normalerweise gar nicht erlaubt.

Das war vor sechs Jahren. ­Damals erreichte der Streit zwischen China und Japan um ein paar unbewohnte Inseln im Ostchinesischen Meer einen Höhepunkt. Wie viele andere Konflikte ist dieser Streit bis heute ungelöst. Der grösste Vorwurf aus Peking: Japan habe die an der chinesischen Bevölkerung verübten Gräueltaten während des Zweiten Weltkriegs bis heute nicht ausreichend aufgearbeitet. Trotzdem herrscht zwischen beiden Streithähnen nun plötzlich eitel Sonnenschein.

Beide Länder könnten sich gut ergänzen

Erstmals seit sieben Jahren reist heute ein japanischer Regierungschef in die Volksrepublik. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe – in seiner Haltung zu China eigentlich ein politischer Hardliner – wird in Peking an den Feierlichkeiten anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums des japanisch-chinesischen Friedensvertrags teilnehmen. Nach Gesprächen mit seinem chinesischen Amtskollegen Li Keqiang wird Abe morgen auch Staats- und Parteichef Xi Jinping treffen.

Abe und Li werden zahlreiche Handelsvereinbarungen unterzeichnen, darunter die Wiederaufnahme von Agrarimporten aus der japanischen Präfektur Fukushima, wo 2011 in Folge eines schweren Erdbebens ein Atomkraftwerk in die Luft ging. Beide Länder wollen zudem bei Zukunftstechnologien wie der künstlichen Intelligenz (KI) und dem autonomen Fahren enger zusammenarbeiten. Zudem will Chinas Führung erstmals seit Jahren die Japaner wieder mit einem Panda-Paar zur Leihgabe beglücken.

Japan ist eines der am höchsten entwickelten Länder der Welt, leidet aber seit mehr als 20 Jahren unter einem weitgehend gesättigen Markt mit nur noch wenig Wachstum. Das aufstrebende China hingegen will mit der Agenda «Made in China 2025» in den nächsten Jahren zur führenden Hightech-Nation aufsteigen und plant Investitionen in der Höhe von mehreren hundert Milliarden Dollar. Die chinesische Führung wirbt um Investitionen in diesem Bereich. Beide Länder könnten sich gegenseitig also gut ergänzen. Die in den letzten Jahren auf beiden Seiten aufgeheizten politischen Konflikte hatten eine Zusammenarbeit jedoch ­erheblich erschwert.

Japan muss seine Strategie neu ausrichten

Ausgerechnet US-Präsident Donald Trump scheint die beiden Erzrivalen nun zusammenzuschweissen. Seit Monaten wettert er gegen China und wirft der Regierung in Peking eine «unfaire Handelspolitik» vor. Er hat bereits mehr als 40 Prozent des chinesischen Exports in die USA mit Strafzöllen belegt. China sucht nun dringend nach neuen Wirtschaftspartnern. Doch auch Japan erwirtschaftet einen gigantischen Handelsüberschuss mit den USA – 2017 waren es fast 70 Milliarden Dollar – und ist in Trumps Visier geraten. Als einen seiner ersten Schritte nach seiner Amtsübernahme liess er die Verhandlungen um das Transpazifische Freihandelsabkommen (TPP) stoppen. Das Abkommen hatte zum Ziel, sämtliche Anrainerstaaten des asiatisch-pazifischen Raumes einzubinden, ausser China.

Aus Rivalität zum aufstrebenden Nachbarn China war TPP der rechtsnationalen Regierung unter Abe ein besonders wichtiges Anliegen. Mit Trumps Aufkündigung der TPP-Verhandlungen muss Abe seine Strategie neu ausrichten. Bevor er am Mittwoch die Maschine nach Peking betrat, kündigte er an, er wolle das sino-japanische Verhältnis «auf eine neue Stufe stellen».

Der Handel zwischen China und Japan hat bereits massiv zugenommen. Allein im vergangenen Jahr wuchs das japanische Exportgeschäft nach China um über 20 Prozent. Die politischen Animositäten, die beide Ländern bis vor kurzem noch intensiv pflegten, würden nun beiseite ­geschoben, bestätigt auch Politologe Noriyuki Kawamura von der Universität Nagoya. Doch wie stabil ist das neue sino-japanische Verhältnis wirklich?

Kawamura ist skeptisch. Die Ressentiments, die beide Länder lange Zeit gegeneinander gehegt haben, sässen tief. Sobald Trump auf die Japaner zuginge, werde sich Tokios Verhältnis zu Peking wieder verschlechtern.

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