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Saudi-Arabien verliert die Kontrolle über die wichtige Hafenstadt Aden

Im Jemen-Konflikt haben die bewaffneten Kräfte einer Separatistenbewegung die Hafenstadt Aden am Roten Meer in ihre Hand bekommen. Die Bewegung wird von den Vereinigten Emiraten unterstützt. Sie ist eine dritte Kraft zwischen den Iran gesponserten Huthi-Rebellen und den von Saudi-Arabien unterstützten Kräften um den schwer kranken Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Die Lage wird dadurch noch schwieriger durch diesen "Bürgerkrieg im Bürgerkrieg" und die humanitäre Situation dürfte sich verschärfen.
Michael Wrase
Beaffnete Kräfte der Separatistenbewegung kontrollieren die Strassen von Aden. (Bild: NAJEEB ALMAHBOOBI/Keystone)

Beaffnete Kräfte der Separatistenbewegung kontrollieren die Strassen von Aden. (Bild: NAJEEB ALMAHBOOBI/Keystone)

«Sturm der Entschlossenheit» hatte Saudi-Arabien seine im März 2015 gestartete Militäroperation zum «Schutz der legitimen Regierung Jemens vor einer Übernahme durch die Huthi-Rebellen» getauft. An der Offensive, die nach einem Monat beendet werden sollte, beteiligten sich auch die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Katar und Bahrain. Mit Iran sympathisierende Schiitenmilizen hatten damals die Hauptstadt Sana erobert und standen kurz vor der Einnahme von Aden. In die strategisch bedeutende Hafenstadt war auch Jemens Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi geflüchtet, ehe er «aus Sicherheitsgründen» ins saudische Riad umzog. Viereinhalb Jahre später sitzt der schwer-kranke Politiker noch immer in der saudischen Hauptstadt.

Dort wird er vermutlich auch bleiben, weil Aden seit dem Wochenende offenbar vollständig von radikal-islamistischen Separatisten kontrolliert wird, die von den Machthabern in Abu Dhabi, den ehemaligen Verbündeten Riads, unterstützt werden.

Der Bruch der sogenannten «Arabischen Koalition» ist damit perfekt.

Für Mohammed bin Salman (alias MBS) bedeutet das politische Ende von Präsident Hadi zudem einen weiteren schweren Rückschlag im Machtkampf mit Iran um die regionale Vorherrschaft. Nüchtern betrachtet ist der Bruch der «Arabischen Koalition» keine Überraschung: Bereits nach der Vertreibung der Huthis aus Aden war es zu Querelen innerhalb des Bündnis gekommen. Während die Kräfte von Präsident Hadi den Jemen vom Süden aus befreien wollten, stärkten die Vereinigten Arabischen Emirate eine Gruppe von Militärs und regionalen Milizen, die im Frühjahr 2017 eine «Übergangsregierung für Süd-Jemen» gebildet und sich für die Gründung eines unabhängigen Süd-Jemen eingesetzt hatten. Einen solchen hatte es bis 1967 bis 1990 auch gegeben.

Zusammen mit der – aus der Sicht Riads – illegalen Huthi-Regierung hat Jemen seither drei Regierungen, von denen das lange Zeit als «legitim» bezeichnete Hadi-Regime bald wohl in der Versenkung verschwinden wird. Als Verhandlungspartner, betonten die Huthis am Sonntag, habe es nach dem Verlust von Aden seine Glaubwürdigkeit verloren.

Während die Entwicklung im Jemen für Saudi-Arabien eine Katastrophe ist, dürften die Emirate die Machtübernahme durch die süd-jemenitischen Separatisten begrüssen – ohne dies freilich laut zu sagen.

Die Scheichs in Abu Dhabi, die ihre vor vier Jahren in den Jemen geschickten Truppen in den letzten Monaten weitgehend abgezogen haben, hatten von Anfang kein Interesse an einer Wiederherstellung der staatlichen Einheit Jemens. Den Emiraten ging und geht es vor allem um die Kontrolle der jemenitischen Küste und deren Häfen, von denen Aden, der schon der britischen Kolonialmacht einst als strategische Basis diente, der wichtigste ist. Überdies haben emiratische Truppen in den letzten zwei Jahren Stützpunkte auf der strategisch bedeutenden jemenitischen Insel Sokotra sowie in der Meerenge von Bab al Mandab, dem sogenannten «Tor der Tränen» zwischen dem Jemen und Afrika, errichtet.

Die am Wochenende erfolgte «Übernahme» von Aden durch die Separatisten soll nach Berichten von Augenzeugen ohne nennenswerte Gegenwehr erfolgt sein. 200 im «Präsidentenpalast» von Aden stationierte Soldaten hätten nach ihrer Entwaffnung freies Geleit erhalten. Einwohner von Aden bestätigten wenig später Angriffe der saudischen Luftwaffe auf Stellungen in der Nähe des Hafens. Die Separatisten, forderte der stellvertretende saudische Verteidigungsminister Khaled bin Salman, der jüngere Bruder von MBS, sollten die in den letzten Tagen besetzten Gebiete unverzüglich räumen.

Die International Crisis Group warnte unterdessen vor einer Verschärfung der humanitären Katastrophe in dem süd-arabischen Land, sollte jetzt im Süd-Jemen ein «weiterer Bürgerkrieg im Bürgerkrieg» ausbrechen. «Ärzte ohne Grenzen» meldete den Tod von 18 Menschen. Weit über 100 seien in Spitälern der Hilfsorganisation behandelt worden.

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