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SAUDI-ARABIEN: Reform mit Ablenkungspotenzial

Frauen im saudischen Königreich dürfen in dieser Woche erstmals ein Fussballspiel besuchen. Die Minireform sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass andere Freiheiten weiter eingeschränkt werden.
Michael Wrase, Limassol
Ab Juni dürfen Frauen in Saudi-Arabien Auto fahren, bereits ab dieser Woche dürfen sie ins Fussballstadion. Andere Freiheiten werden hingegen weiter eingeschränkt. (Bild: Amer Hilabi/AFP (Dschidda, 5. Oktober 2017))

Ab Juni dürfen Frauen in Saudi-Arabien Auto fahren, bereits ab dieser Woche dürfen sie ins Fussballstadion. Andere Freiheiten werden hingegen weiter eingeschränkt. (Bild: Amer Hilabi/AFP (Dschidda, 5. Oktober 2017))

Michael Wrase, Limassol

Der kommende Freitag wird in die Geschichte Saudi-Arabiens eingehen: Erstmals dürfen Frauen, vorausgesetzt, sie sind ausreichend verhüllt und in Begleitung ihrer Familie, ein Fussballspiel besuchen. Neben dem Match des Tabellenzweiten Al Ahli aus Dschidda gegen die Mannschaft von Al-Batin wurden zwei weitere Begegnungen für weibliche Zuschauer freigegeben.

Angeschoben wurde die «kleine Revolution» vom saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, alias MBS, der im Sommer des vergangenen Jahres die für Juni geplante Aufhebung des Fahrverbotes für Frauen verfügt hatte. Auch das Kinoverbot wurde aufgehoben.

Was extremistisch ist, bestimmt der Königssohn

35 Jahre nach ihrer Schliessung sollen die ersten kommerziellen Lichtspielhäuser im März geöffnet werden. Sogar ein Popkonzert wurde inzwischen in Riad veranstaltet. Allerdings trat die libanesische Sängerin vor einem ausschliesslich weiblichen Publikum auf. MBS will sein ultrakonservatives Land radikal verändern, «extremistische Ideen» erklärtermassen «heute und sofort zerstören». Dabei bestimmt der forsche Königssohn freilich selbst, was «extremistisch» ist und was nicht. Kritik an seinen Visionen ist tabu. Wer den Rahmen des von ihm Erlaubten sprengt und von der offiziellen Linie abweichende Ansichten öffentlich vertritt, wird verhaftet.

Seit dem 10. November 2017 befindet sich der Vater des saudischen Multimilliardärs Al Walid bin Talal im Hungerstreik, um gegen die Verhaftung seines Sohnes zu protestieren. Die saudische Staatsanwaltschaft wirft dem Prinzen und fast 200 weiteren Superreichen Korruption und Selbstbereicherung vor. Das dürfte allenfalls die halbe Wahrheit sein. Tatsächlich geht es MBS auch um die Ausschaltung von politischen Rivalen, also um die Konsolidierung seiner – mit gerade einmal 31 Jahren – bereits enormen Macht.

Abschreckendes Exempel statuiert

Als letzte Woche in Riad elf saudische Prinzen gegen die Aufhebung der Subventionen für Strom und Wasser protestierten, wurden sie festgenommen. Sie würden vor Gericht gestellt, hiess es. Offenbar sollte ein abschreckendes Exempel statuiert werden, da die von der Regierung angeordneten Sparmassnahmen auch bei der breiten Masse auf Kritik stossen. Aus Angst vor weiteren Protesten ordnete König Salman daher monatliche Sonderzahlungen für Staatsangestellte und Armeeangehörige an.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) warf unterdessen den saudischen Behörden vor, den populären saudischen Geistlichen und Regimekritiker Salman al-Auda seit vier Monaten ohne Anklage inhaftiert zu haben.

Die Reformen in dem Königreich, betonte HRW, seien zum Scheitern verurteilt, wenn das saudische Justizsystem den Rechtsstaat durch willkürliche Festnahmen missachte. Davon betroffen ist auch der saudische Blogger Raif Badawi, der auf seinem Internetportal «Die saudischen Liberalen» das Regime in Riad kritisiert hatte. Der Menschenrechtsaktivist war im Jahr 2012 wegen «Beleidigung des Islams» zu zehn Jahren Haft und 1000 Stockhieben verurteilt worden. Obwohl sich fast die gesamte freie Welt immer wieder für seine Freilassung einsetzt, wurde Badawi, der vor drei Jahren den Sacharow-Preis des EU-Parlaments für geistige Freiheit erhalten hat, nicht aus der Haft entlassen. Die öffentliche Auspeitschung des Bloggers jährte sich gestern zum dritten Mal.

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