Rückschlag für Al Qaida in Jemen

Die Wiederaufnahme der amerikanischen Drohnenangriffe in Jemen scheint auch eine Mahnung an Saudi-Arabien zu sein, welches das jihadistische Terrornetzwerk im Süden der Arabischen Halbinsel bei seinen Luftangriffen bisher auffällig geschont hat.

Michael Wrase
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LIMASSOL/SANAA. Die USA haben ihre Angriffe mit unbemannten Kampfdrohnen in Jemen wieder aufgenommen. Anfang März hatten sie ihre Stützpunkte in dem südarabischen Land aufgegeben.

Internationaler Terrorist getötet

Gestern konnte mit einem US-Drohnenangriff Ibrahim al-Rubaish, der religiöse Führer der Qaida-Filiale in Jemen, getötet werden. Der 34 Jahre alte Saudi hatte nach den Terrorangriffen von Al Qaida auf die USA am 11. September 2001 mit Osama bin Laden in Afghanistan in den Berghöhlen von Tora Bora gekämpft, wo er auch verhaftet wurde.

Fast fünf Jahre war er Häftling im amerikanischen Gefangenenlager Guantánamo gewesen, ehe er unter der Bedingung, an einem saudi-arabischen Umerziehungsprogramm teilzunehmen, in seine Heimat zurückgeschickt wurde. Drei Jahre später gründete der Sohn steinreicher Eltern in Jemen jene Qaida-Filiale, die sich auch zu dem Anschlag auf das Pariser Satiremagazin «Charlie Hebdo» bekannte.

In einer Hetzschrift pries Al Rubaish die Terrorattacken und lieferte auch die theologische Begründung für weitere im Westen mögliche Anschläge, zu denen der Saudi immer wieder aufrief. Seinen Tod bezeichnete der ehemalige amerikanische Botschafter in Jemen, Gerald Feierstein, gestern als einen «schweren Rückschlag» für Al Qaida.

«Luftwaffe von Al Qaida»

Der vermutlich von Djibouti aus geflogene Drohnenangriff sei zum richtigen Zeitpunkt erfolgt, weil das Terrornetzwerk nach dem Beginn der saudischen Luftangriffe in Jemen davon ausgegangen sei, «ohne Bestrafung» seinen Aktionsradius erweitern zu können. Der Angriff, betonten arabische Beobachter in Beirut, sei deshalb auch eine amerikanische Mahnung an Saudi-Arabien, dessen Luftwaffe die Stellungen von Al Qaida in Jemen bisher nicht verschonte.

Auf der Webseite von CNN warf der saudische Menschenrechtsaktivist Ali al-Ahmed seinem Regime sogar vor, «als Luftwaffe von Al Qaida in Jemen» zu fungieren. Mehr als hundert Kampfflugzeuge würden täglich die Huthi-Rebellen angreifen. Ganze vier saudische Jets beteiligten sich dagegen an den US-geführten Angriffen auf Stellungen des «Islamischen Staates» in Jemen.

Riad sieht Luftkrieg legitimiert

Die Führung der Huthi verurteilte unterdessen erwartungsgemäss das vom UNO-Sicherheitsrat am Mittwoch verhängte Waffenembargo gegen ihre Milizen. Die UNO hatte die schiitischen Kämpfer zudem aufgefordert, sich aus den in Jemen eroberten Gebieten – darunter die Hauptstadt Sanaa – zurückzuziehen. Riad wertete die Resolution als Legitimation für die Fortsetzung seiner Luftangriffe, die bisher aber nicht die erwünschten Ergebnisse gebracht haben. Noch immer befinden sich die Huthi-Rebellen auf dem Vormarsch.

Manöver vor Bodenkrieg?

Um ihre Drohkulisse zu verstärken, wollen die Armeen Saudi-Arabiens und der Golfstaaten gemeinsam mit ägyptischen Bodentruppen in den kommenden Tagen ein Manöver durchführen, wohl um das nicht unproblematische Zusammenspiel verschiedener nationaler Armeen zu testen. An einer noch möglichen Bodenoffensive in Jemen sollen sich vor allem ägyptische Soldaten beteiligen. Einen sicher nicht ohne Verluste möglichen Einsatz Kairos will Riad mit milliardenschwerer Finanzhilfe an Ägypten kompensieren. Die Saudis hatten schon den Putsch von General Sisi gegen den islamistischen Präsidenten Mursi unterstützt.

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