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Römer Ärzte schlagen Alarm wegen Abfallbergen

Die seit Jahren schwelende Abfallkrise in der Ewigen Stadt spitzt sich zu: Wegen der zum Teil meterhohen Abfallberge in den Strassen warnen die Ärzte vor möglichen gesundheitlichen Konsequenzen.
Dominik Straub
Die Wut der Römer Bürger steigt angesichts der sich türmenden Abfallsäcke. (Bild: Antonio Masiello/Getty; 2. Juli 2019)

Die Wut der Römer Bürger steigt angesichts der sich türmenden Abfallsäcke. (Bild: Antonio Masiello/Getty; 2. Juli 2019)

«Es wäre höchste Zeit, die Probleme bei der Abfallentsorgung zu lösen, sonst besteht die Gefahr, dass die hygienischen Zustände in der Stadt zu einem Notstand für die öffentliche Gesundheit werden», schrieb der Präsident der Römer Ärztegesellschaft, Antonio Magi, diese Woche in einem Brief an Bürgermeisterin Virginia Raggi. Rom befinde sich «im Griff des Abfalls» – und einer «alarmierenden Invasion von Mücken, Wanzen, Ratten und Möwen», heisst es in dem Schreiben. Diese Invasion stelle eine «ernste Gefahr» dar, da sich mit den Parasiten auch Infektionskrankheiten verbreiten könnten.

Tatsächlich sind Roms Strassen übersät mit Abfall; rund um die Abfallcontainer türmen sich die Säcke zum Teil meterhoch. Weil die Sommerhitze die Verwesung und Verrottung der organischen Abfälle beschleunigt, ist die Luft erfüllt von einem ekelhaften Fäulnisgeruch. Selbst die prächtigen Plätze und die malerischen Gassen der Altstadt sind nicht mehr gefeit gegen den allgegenwärtigen Dreck. Um vor Millionen ausländischer Touristen keine schlechte Figur zu machen, hatte die Stadtregierung bisher wenigstens das berühmte «Centro Storico» der Hauptstadt einigermassen sauber gehalten.

Fehlende Verbrennungsanlagen

Das Problem ist seit Jahren dasselbe: Seit Raggis linker Vorgänger Ignazio Marino vor vier Jahren die illegale Riesen-Deponie Malagrotta am Stadtrand geschlossen hat, weiss die Verwaltung nicht mehr, wohin sie den Abfall karren soll. Abfallverbrennungsanlagen gibt es keine in Rom, und Raggi hat auch nicht im Sinn, solche Anlagen zu planen: In den Augen ihrer Partei, der Fünf-Sterne-Bewegung, sind diese Öfen Teufelswerk. Sie propagiert seit ihrem Amtsantritt vor drei Jahren immer dieselbe Lösung: Hundertprozentige Abfalltrennung und Wiederverwertung. Das wäre natürlich toll – nur schade, dass in Rom, wenn es gut geht, 60 Prozent des Abfalls getrennt wird.

Die Römer werden den Eindruck nicht los, dass es ihrer Bürgermeisterin an Problembewusstsein mangelt. Sie bezeichnet die Aufregung rund um die Abfallentsorgung als übertrieben: Es gebe keine Notlage, sondern nur «einige Unannehmlichkeiten wegen der von der Hitze beschleunigten Verwesung», erklärte das Stadtoberhaupt. Neben der Hitze trägt in den Augen Raggis auch die Region Latium Schuld an der Krise, da sie der Hauptstadt den Abfall nicht in der versprochenen Menge abnehme. Der neue Chef der städtischen Abfallentsorgung, Paolo Longoni, mag die Beschwichtigungsstrategie der Bürgermeisterin nicht mittragen: «Die Menge des nicht entsorgten Abfalls ist derart gross, dass daraus in einem Monat ein Berg so hoch wie der Vesuv entstehen wird», erklärte Longoni diese Woche. Tatsächlich bleiben von den in Rom jeden Tag anfallenden 3000 Tonnen Abfall rund 650 Tonnen in den Strassen liegen. Longoni versucht schon gar nicht, den Römern Illusionen zu machen: Es werde bis mindestens Ende Jahr dauern, bis die Probleme gelöst würden.

Bei den Bewohnern der Stadt liegen inzwischen die Nerven blank: Letzte Woche hat im Trastevere-Quartier eine Zentrale der Abfallentsorgung Besuch von aufgebrachten Bürgern erhalten, die verbal und auch tätlich auf die Belegschaft losging. Eine Angestellte sprach danach von einer «apokalyptischen Gewalt». Verzweifelte Restaurant- und Barbesitzer stehen morgens eine Stunde früher auf, um die Abfallberge vor ihren Lokalen selber wegzuräumen. «Wir haben es nicht mehr ausgehalten, und so haben wir vor einigen Monaten begonnen, uns mit Abfallsäcken und Schaufeln zu bewaffnen und die Strasse selber zu säubern», betont Vincenzo Caiazzo, Besitzer eines Imbisses.

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