Rodrigo Rato – der tiefe Fall eines Wirtschaftsmagiers

VALENCIA. Der einstige Wirtschaftsminister und spätere IWF-Chef Rodrigo Rato gilt als Vater des spanischen Wirtschaftswunders bis 2004. Nachdem er aber den Internationalen Währungsfonds 2007 verlassen hat, macht er mit Affären von sich reden.

Heinz Krieger
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Rodrigo Rato Ex-Wirtschaftsminister Spaniens (Bild: ap)

Rodrigo Rato Ex-Wirtschaftsminister Spaniens (Bild: ap)

VALENCIA. Der einstige Wirtschaftsminister und spätere IWF-Chef Rodrigo Rato gilt als Vater des spanischen Wirtschaftswunders bis 2004. Nachdem er aber den Internationalen Währungsfonds 2007 verlassen hat, macht er mit Affären von sich reden.

Es geht um 6,4 Millionen

Der ehemalige Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) und spanische Ex-Wirtschaftsminister war am Donnerstagabend unter dem Vorwurf der Geldwäsche, des Steuerbetrugs und der betrügerischen Vermögensverschiebung vorübergehend festgenommen worden. Die Wohnung und sein Büro wurden durchsucht.

Die Steuerbehörde will klären, woher die umgerechnet 6,4 Millionen Franken ursprünglich stammten, die der Ex-Minister 2012 im Zuge einer Amnestie von Schweizer Konten nach Spanien zurückgeholt und nachträglich pauschal versteuert hatte.

Konservativer Politik-Star

Rato hat einst als Vorzeige-Politiker der regierenden konservativen Volkspartei (PP)gegolten. Sein Absturz trifft die Partei kurz vor den Wahlen in diesem Jahr hart. Der heute 66-Jährige hat in Madrid Rechtswissenschaften und später an der Universität Berkeley in Kalifornien Betriebswirtschaft studiert. 2003, schon als Wirtschaftsminister, reichte er in Madrid seine Doktorarbeit ein, die mit «summa cum laude» bewertet wurde. Rato vertritt darin die Theorie, dass eine Volkswirtschaft am besten durch Steuersenkungen im Verbund mit Strukturreformen angekurbelt werde. Als Minister konnte er von 1996 bis 2004 diese Theorie umsetzen. Er schaffte es Spaniens Verschuldung zu senken. 2003 wies der Staatshaushalt erstmals ein Plus auf. Die Arbeitslosigkeit, die bei seinem Amtsantritt bei 22 Prozent gelegen hatte, sank auf elf Prozent.

Rechte Hand Aznars

Rato war 1979 in die Politik gegangen. 1982 wurde er ins spanische Parlament gewählt. Oppositionsführer war damals José María Aznar, dessen rechte Hand Rato im Kongress wurde. 1996 gewann die PP die Wahlen und Aznar wurde Premier.

Aznar hatte von Anfang an erklärt, er halte zwei Amtsperioden eines Regierungschefs für genug, wie in den USA. 2004 werde er also nicht wieder antreten. Als natürlicher Nachfolger galt damals Rato. Doch er lehnte ein Angebot von Aznar zweimal ab und die PP verlor damals die Wahlen gegen die Sozialisten.

Verluste und schwarze Konten

Rodrigo Rato wurde in der Folge Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF). 2007 trat er aus persönlichen Gründen zurück. Wieder in Madrid, wurde er Chef der Sparkasse Caja Madrid, die er mit sechs weiteren Kassen zum Finanzkonzern «Bankia» fusionierte. Seither häufen sich die Ermittlungsverfahren. Zum einen geht es um Betrug und Bilanzfälschung beim Börsengang der von ihm geführten «Bankia» 2011. Die Anleger, darunter 350 000 Kleinsparer, verloren fast ihr Vermögen. Rato steht zudem im Mittelpunkt einer Selbstbedienungs-Affäre um «schwarze Kreditkarten». Er und weitere ehemalige Topmanager sollen so auf Kosten des Unternehmens private Ausgaben finanziert haben.

Schwarze Familientradition

In der Familie Rato hatte es aber ähnliche Verfehlungen schon früher gegeben. Sein Vater Ramón, sein älterer Bruder und ein Onkel waren 1967 zu Haft- und Geldstrafen verurteilt worden, weil sie schwarzes Kapital illegal auf Schweizer Konten verschoben hatten.