«Rocky» Sarkozy macht Boden gut

In Frankreich beginnt heute der Wahlkampf der Konservativen. In Umfragen schliesst Nicolas Sarkozy zum bisherigen Favoriten Alain Juppé auf.

Stefan Brändle/Paris
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Former French President Nicolas Sarkozy speaks during the French employers' association Medef summer conference in Jouy-en-Josas, south of Paris, Wednesday, Aug. 31, 2016. As a leading opposition figure, Sarkozy announced last week that he is running for the presidency again in next spring's election. (AP Photo/Francois Mori) (Bild: Francois Mori (AP))

Former French President Nicolas Sarkozy speaks during the French employers' association Medef summer conference in Jouy-en-Josas, south of Paris, Wednesday, Aug. 31, 2016. As a leading opposition figure, Sarkozy announced last week that he is running for the presidency again in next spring's election. (AP Photo/Francois Mori) (Bild: Francois Mori (AP))

Die Vorwahlen der französischen Republikaner könnten bereits Ende November darüber bestimmen, wer im Mai 2017 als neuer Staatspräsident in den Elysée-Palast einziehen wird. Denn die wichtigsten Widersacher wie Front-National-Chefin Marine Le Pen oder der sozialistische Präsident François Hollande scheinen laut allen Wahlprognosen chancenlos zu sein.

Es kann deshalb nicht verwundern, dass bei den Republikanern gleich acht Kandidaten zur internen Ausscheidung antreten. Klarer Favorit war vor kurzem noch der ehemalige Premierminister Alain Juppé. Hinter dem gemässigten Bürgermeister der Weinstadt Bordeaux folgte mit einigem Abstand Ex-Präsident Nicolas Sarkozy. Doch laut einer neuen Umfrage hat nun Sarkozy erstmals mit Juppé gleichgezogen. Beiden werden 37 Prozent der Stimmen gutgeschrieben. Sarko-Veteranen frohlocken bereits, Juppé werde das gleiche Schicksal wie Edouard Balladur 1995 erleiden: Der damals bereits fürs Elysée «gesetzte» Edelgaullist wurde vom schlecht gestarteten Jacques Chirac zuletzt abgefangen. Die Sarkozysten stellen Juppé damit als den gleich weichen «Bourgeois» wie Balladur hin, während sich Sarkozy gerne mit dem «Haudegen» Chirac vergleicht. Der Vergleich hinkt allerdings schon deshalb, weil Sarkozy 1995 selber auf Balladur gesetzt hatte und damit Verrat an seinem Ziehvater Chirac beging.

Sarkozy hat den Widerspruch noch nie gescheut. Er lehnt zum Beispiel ein französisches «Guantánamo» ab; mit der Internierung von Radikalislamisten auf blossen Verdacht hin strebt er hingegen das Gleiche an. Sich selber vergleicht Sarkozy mit der Hollywood-Figur Rocky, der nach seinen Boxniederlagen auch immer wieder zurückgekehrt sei. Der 62-Jährige schlägt auf jeden Fall wieder einen aggressiven Kurs nach rechts ein, um nicht zuletzt den um zehn Jahre älteren Weisen Juppé aus dem Busch zu klopfen. Dass er dafür als billige Kopie des Originals Le Pen bezeichnet wird, ist Sarkozy egal: Hauptsache, er dominiert die öffentliche Debatte mit seinen durchaus telegenen Auftritten, die immer hart an der Grenze zur Demagogie und Dichtkunst sind. Dass er neuerdings eine Anklage zu gewärtigen hat, weil er seine – auf 21,5 Millionen Euro limitierten – Präsidentschaftswahlausgaben 2012 gleich um 23 Millionen Euro überschritt, verdrehte er in den Vorwurf an den Richter, dieser sei parteiisch.

Sarkozy betreibt, das muss man ihm lassen, seine Schauspielerei weiterhin sehr gekonnt. Erstaunlich ist, dass er damit wieder viele Franzosen zu überzeugen beginnt. Bis zur Primärwahl vom November wird er seine Nummer noch oft wiederholen. Und dann ist ja erst Halbzeit auf dem Weg zurück ins Elysée. Juppé hat hingegen bereits jetzt Mühe, mit Sarkozys Tempo mitzuhalten.

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