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Rocker ehren Opfer mit einem Haka, härtere Waffengesetze und 9 andere Punkte zum Christchurch-Anschlag

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern nannte es einen «Akt des Terrors»: Der Anschlag auf zwei Moscheen in der Stadt Christchurch ist eine der blutigsten Gewalttaten in der jüngeren Geschichte des Landes. Ein Überblick zu den Fakten.

1. Die Opfer

Dem Anschlag fielen mindestens 50 Menschen zum Opfer, die meisten in den beiden Moscheen in Christchurch, einige auch vor den Gebäuden. Unter den Toten sind auch Kinder: Einer inoffiziellen Liste zufolge war das jüngste Opfer 3 Jahre alt, das älteste 77 Jahre. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind alle Getöteten Muslime. Viele von ihnen stammen aus asiatischen Ländern.

Nach offiziellen Angaben sind unter den Toten mindestens neun Pakistaner und fünf Menschen mit indischer Staatsbürgerschaft. Auch Flüchtlinge, etwa aus Syrien, wurden Opfer des Anschlags. Darüber hinaus gab es 50 Verletzte, von denen am Sonntag noch mehr als 30 in Spitälern behandelt wurden. Einige schwebten noch in Lebensgefahr.

2. Die Solidarität

Im ganzen Land löste die Tat eine riesige Welle der Solidarität mit der muslimischen Minderheit aus. Das ganze Wochenende über legten Menschen Blumen vor der Hauptmoschee in Christchurch nieder. Andere spendeten per Crowdfunding Millionen von Dollar oder boten verängstigten Muslimen ihre Begleitung an.

Am Sonntag beschloss eine neuseeländische «Biker Gang», den Opfern die Ehre zu erweisen, indem sie eine Interpretation des Haka, eines traditionellen Maori-Tanzes, aufführte.

3. Der Täter

Als mutmasslicher Täter wurde der 28-jährige Australier Brenton Tarrant festgenommen. Der Mann lebte seit mehreren Jahren in Neuseeland. Er sitzt nun unter dem Vorwurf des Mordes in Haft. Ihm droht lebenslange Haft.

Tarrant will sich nach Aussage seines bisherigen Pflichtverteidigers Richard Peters selbst vor Gericht verteidigen. Peters sagte, dass ihn der 28-jährige von seinem Mandat als Anwalt entbunden habe.

Bild: Screenshot Twitter/Talbertswan.

Bild: Screenshot Twitter/Talbertswan.

Am Wochenende wurde Tarrant bereits einem Richter vorgeführt. Mit der Hand macht er das «Okay»-Zeichen, wie es im englischsprachigen Raum verbreitet ist: Daumen und Finger zusammen, die anderen Finger abgespreizt. Manche sehen darin auch einen rechten Gruss: «White Power» – wie ihn Leute machen, die glauben, dass Menschen mit weisser Hautfarbe anderen überlegen sind.

Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass der Australier die Tat alleine beging. Vier andere Personen, die zwischenzeitlich festgenommen wurden, stehen demnach nicht in Zusammenhang mit dem Anschlag.

Laut dem neuseeländischen Polizeichef Mike Bush könnte Tarrant aber Unterstützung gehabt haben, wie die Presseagentur AP berichtet. In welcher Form ist bislang nicht bekannt.

4. Das Video

Der Täter zeigte den Angriff live auf Facebook aus der Ich-Perspektive in einem 17-minütigen Video. Dabei trug er einen Tarnanzug. Nach der Tat sagt der Angreifer, er bedauere, die Moschee nicht noch abgebrannt zu haben.

Facebook teilte mit, das Ursprungsvideo sowohl auf Facebook als auch auf Instagram gesperrt zu haben. In den 24 Stunden danach wurden den Angaben zufolge 1.5 Millionen Videos der Tat gelöscht oder beim Hochladen blockiert. Die Ermittler forderten die Öffentlichkeit dazu auf, die Aufnahmen nicht im Internet zu verbreiten.

5. Die Reaktion der Polizei

Mike Bush. (Bild: AP/NZ Herald)

Mike Bush. (Bild: AP/NZ Herald)

Laut Neuseelands Polizeichef Mike Bush war die erste Streife sechs Minuten nach dem ersten Notruf an der Al-Nur-Moschee. Binnen zehn Minuten traf die erste bewaffnete Spezialeinheit ein. Überwältigt werden konnte der Mann aber erst, nachdem er in der zweiten Moschee acht weitere Menschen umgebracht hatte und mit dem Auto auf der Flucht war. Und zwar von zwei mutigen Streifenpolizisten. Dies geschah laut Behörden 36 Minuten nach dem ersten Anruf.

6. Die Kampfschrift

Kurz vor den Anschlägen veröffentlichte der Täter ein 74-seitiges Pamphlet. Er legt darin seine rechtsextreme Motivation dar und kündigt eine Tat in Moscheen in Christchurch an. Der in Neuseeland lebende Australier beschreibt sich in dem Text als Europäer und erklärt seinen Hass gegen Ausländer. Muslime und Immigranten bezeichnet er als «Invasoren», sich selbst als Rassisten.

Er habe zudem kurz Kontakt mit dem norwegischen rechtsextremen Massenmörder Anders Behring Breivik gehabt. Das Gefängnis im norwegischen Skien und Breiviks Anwalt erklärten dazu, dies sei nahezu unmöglich. Im Büro von Premierministerin Ardern ging eine E-Mail mit dem angehängten Schreiben neun Minuten vor dem Beginn der Anschläge ein – zu spät, um die Tat zu verhindern. Medien und andere Politiker zählten ebenfalls zu den Adressaten.

7. Die Folgen

Premierministerin Ardern will eine Reform der Waffengesetze innerhalb von zehn Tagen ankündigen. Das Kabinett habe sich grundsätzlich auf schärfere Gesetze verständigt, müsse die Details aber noch ausarbeiten, sagte sie am Montag.

Premierministerin Jacinda Ardern. (Bild: AP/New Zealand Prime Ministers Office)

Premierministerin Jacinda Ardern. (Bild: AP/New Zealand Prime Ministers Office)

«Wir wollen so schnell wie möglich damit vorankommen», sagte die Premierministerin. Eine Option sei es, den privaten Besitz von halbautomatischen Gewehren zu verbieten. Derartige Gewehre wurden bei der Attacke am Freitag genutzt. Diskutiert wird demnach auch über einen Rückkauf durch die Regierung von kürzlich erworbenen Waffen. Ardern kündigte ausserdem eine Untersuchung des Geheimdienstes an.

Neuseelands grösste Waffenshow ist zudem aus Respekt den Opfern gegenüber gestrichen worden. Weiterer Grund seien «erhöhte Sicherheitsrisiken», teilten die Organisatoren der Kumeu Militaria Show mit. Sie war für den 23. März angesetzt gewesen.

8. Anklage gegen 18-Jährigen

Neben Tarrant wird auch ein 18-Jähriger angeklagt, weil er das Live-Video des Anschlag verbreitet hat. Der 18-Jährige muss sich ausserdem wegen der Veröffentlichung eines Fotos der Moschee und dem Satz «Ziel erreicht» verantworten.

Laut Staatsanwalt drohen ihm maximal 14 Jahre Haft pro Anklagepunkt. Der Richter nannte am Montag den Namen des Mannes nicht.

Was wir nicht wissen:

9. Die weiteren Hintergründe

Die Polizei äusserte sich bislang nicht genauer. Begründet wird dies mit laufenden Ermittlungen.

10. Die genaue Identität der Opfer

Noch sind nicht alle Getöteten identifiziert worden. Laut Premierministerin Ardern sollen die Leichname der Toten bis spätestens Mittwoch freigegeben werden.

11. Möglich ideologische «Verbindungen »zum Balkan

Das Tatvideo zeigt auf den Schusswaffen die Namen von Schlachten in Europa gegen die Araber oder die Osmanen, darunter mehrere auf dem Balkan. Im Video ist zudem vor der Tat ein serbisch-nationalistisches Kampflied zu hören. Nach Angaben der bulgarischen Justiz war der Mann 2016 und 2018 unter anderem in Serbien, Bosnien-Herzegowina und Bulgarien. In welchem Masse ihn das beeinflusst hat, ist noch nicht klar. (sda/dpa/ap/afp/vom)

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