Richter vertagen Urteil im Mordfall durch Verbrennung

JERUSALEM. Keinen Zweifel hegt das Jerusalemer Bezirksgericht daran, dass die drei Angeklagten im Mordfall am palästinensischen Jugendlichen Mohammed Abu Khdeir das Verbrechen begangen haben.

Susanne Knaul
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JERUSALEM. Keinen Zweifel hegt das Jerusalemer Bezirksgericht daran, dass die drei Angeklagten im Mordfall am palästinensischen Jugendlichen Mohammed Abu Khdeir das Verbrechen begangen haben. Ob jedoch insbesondere die beiden minderjährigen Angeklagten schuldfähig sind, unterliegt nun der Prüfung des Bezirkspsychiaters sowie eines gesonderten Komitees. Sie werden entsprechend einem üblichen Prozedere vor einem Urteil beigezogen. Der 31jährige Hauptangeklagte Josef Chaim Ben-David plädierte überraschend auf Schuldunfähigkeit. Erst am Donnerstag hatte sein Verteidiger dem Gericht ein entsprechendes psychiatrisches Gutachten eingereicht.

«Seit eineinhalb Jahren wird über dieses Verbrechen verhandelt», kommentierte Hussein Abu Khdeir, Mohammeds Vater, mit Blick auf den Verteidiger, «jetzt fällt ihm ein, dass sein Mandant unzurechnungsfähig ist. Wo war er bislang die ganze Zeit?» Entgegen der Einwände des Klägers, der das Gutachten «wenn überhaupt, dann erst bei der Festlegung des Strafmasses» als «relevant» betrachtet, entschied das dreiköpfige Richtergremium über eine Vertagung der gestern erwarteten Urteilsverkündung um weitere drei Wochen.

Eskalation der Gewalt

Ben-David und seine minderjährigen Helfer lauerten dem 16jährigen Abu Khdeir am frühen Morgen des 2. Juli 2014 unweit seines Zuhauses im Ostjerusalemer Viertel Shoafat auf. Der junge Palästinenser war auf dem Weg zum Morgengebet. Seine drei Entführer, die später geständig waren, fuhren mit ihm in ein Waldstück am anderen Ende der Stadt und verbrannten ihn dort bei lebendigem Leib. Mit dem grausamen Mord wollten sie die Entführung dreier jüdischen Teenager rächen, deren Leichen erst zwei Tage zuvor aufgefunden worden waren. Der Tod des jungen Palästinensers wirkte als zusätzlicher Katalysator für die Eskalation der Gewalt im Westjordanland und im Gaza-Streifen, wo es wenig später zum Krieg kam.

Die drei Angeklagten lauschten der Verlesung der Verbrechen, die ihnen das Gericht zur Last legte, ohne erkennbare Gemütsregungen. Versuchte Entführung, schwere Körperverletzung, Hetze und Entführung mit dem Ziel zum Mord sind die zentralen Punkte. Die beiden Minderjährigen wurden kurz darauf in ihre Zellen zurückgeführt, nur der Hauptangeklagte Ben-David blieb bis zum Ende der Sitzung im Gerichtssaal. Der 31-Jährige trug eine gesteppte Gefängnisjacke und eine schwarze Kipa, die Kopfbedeckung strenggläubiger Juden.

Familie des Opfers enttäuscht

Die Familie Abu Khdeir reagierte mit Enttäuschung auf die erneute Vertagung. Ein faires Urteil werde es «niemals geben», fürchtet Aisha Abu Khdeir, die Tante des ermordeten Jugendlichen. «Das sind keine Menschen», sagte sie über die drei Täter, die sie «jetzt zu Psychologen bringen und die nachher allesamt straffrei ausgehen». Am Ende aber werde «Gott sie richten». Wenigstens die Häuser der Familien der Täter hätte man zerstören können, wie es nach palästinensischen Terroranschlägen gehandhabt werde. Für Juden, so zürnte sie, «gibt es eben andere Regeln».