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RIAD: Drei Monate Luxushaft

Der mysteriöse Fall eines saudischen Prinzen ist beispielhaft für die rüde Antikorruptionskampagne in Saudi-Arabien.

Am Ende war «alles nur ein ­grosses Missverständnis», erklärt Prinz Walid bin Talal dem Reporterteam von Reuters TV, das den saudischen Milliardär vor seiner am Samstag erfolgten Freilassung aus dem Ritz-Carlton-Hotel in Riad besuchen durfte. Lächelnd führt der 62-Jährige durch seine 250 Quadratmeter grosse Luxussuite, die er fast drei Monate nicht verlassen durfte. Die Haft habe ihm «keinerlei Unbequemlichkeit bereitet», behauptet Bin Talal.

Die Gründe für das «Missverständnis» will und darf Bin Talal natürlich nicht nennen. Auf Befehl seines Cousins, des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, war der nach König Salman angeblich reichste Mann Saudi-Arabiens Anfang November verhaftet worden. Mit ihm waren mehr als 350 weitere Angehörige der Königsfamilie in dem Luxushotel festgesetzt worden. Ihnen wurden Geldwäsche, Selbstbereicherung sowie Bestechung und Erpressung von Regierungsvertretern vorgeworfen. Bin Talal soll die Anschuldigungen zurückgewiesen haben.

100 Milliarden Dollar in der Staatskasse

Dennoch war er am Ende bereit, einem «Vergleich» zuzustimmen. Das offenbar von der Regierung festgelegte Angebot, berichteten saudische Tageszeitungen vor zehn Tagen, belaufe sich auf 6 Milliarden Dollar, einem Drittel seines auf 17 Milliarden Dollar ­geschätzten Vermögens.

Dass der Prinz gekidnappt wurde und erst nach einer Lösegeldzahlung auf freien Fuss kam, wird in Riad energisch bestritten. Alle der Korruption verdächtigten Personen hätten sich «gütlich» geeinigt. Die in den letzten Wochen erzielten Vereinbarungen könnten bis zu 100 Milliarden Dollar in die saudische Staatskasse gespült haben, mutmasst der staatliche Sender Al Arabija. Die vom Kronprinzen gestartete Antikorruptionskampagne sei nach der Freilassung der prominenten Verdächtigen beendet worden.

Tatsächlich ging es Bin Salman um weit mehr als nur die Bekämpfung der Korruption und Selbstbereicherung. Mit der als «erfolgreich» gefeierten Kampagne wollte der Kronprinz auch seine Macht weiter konsolidieren. Abzuwarten bleibt, ob sein rüdes Vorgehen die Investitionsbereitschaft in dem Land fördern oder zu einem Kapitalabfluss ins Ausland führen wird. Die Stimmung im Land sei angespannt, sagen westliche Diplomaten in Riad. Man brauche sich Prinz Walid bin Talal, der in der Luxussuite sichtlich abmagerte, nur anzusehen, um zu verstehen, was im «Ritz-Carlton» wirklich passiert sei.

Michael Wrase, Limassol

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