Tragödie

Reichster Däne verliert bei Terroranschlägen in Sri Lanka drei Kinder

Anders Povlsen, der reichste Däne, trauert um drei seiner vier Kinder, die beim Terror in Sri Lanka starben. In der Heimat der Familie weinen die Menschen vor dem Hauptsitz seiner Firma.

Niels Anner, Kopenhagen
Drucken
Teilen
Anders Holch Povlsen. Keystone

Anders Holch Povlsen. Keystone

KEYSTONE

Der Oster-Terror von Sri Lanka führte zu vielen menschlichen Tragödien. Einer der schwersten Schicksalsschläge traf das dänische Milliardärspaar Anders und Anne Holch Povlsen, die mit ihren vier Kindern im Alter zwischen 5 und 15 Jahren in Colombo in den Ferien waren. Drei von ihnen starben am Sonntag im Luxushotel Shangri-La, als ein Selbstmordattentäter im Speisesaal eine Bombe zündete. Ein Sprecher des internationalen Modeunternehmens Bestseller, das Anders Holch Povlsen gehört, bestätigte den Tod; seither hat sich die Familie nicht mehr geäussert.

Welches der Kinder überlebt hat, ist nicht bekannt. Der 46-jährige Povlsen, der reichste Däne, soll laut einem Bericht der Zeitung «Ekstrabladet» ebenfalls verletzt ins Spital gebracht worden sein, er habe dieses aber wieder verlassen können. Gestern sagte der dänische Botschafter in Sri Lanka, die Familie sei nach Dänemark abgereist. Ein enger Berater der Povlsens soll auf der Insel bleiben, um die Leichen der Kinder zu identifizieren.

Mehrere Kirchen in Sri Lanka wurden am Ostersonntag von Explosionen erschüttert. (Bilder: Keystone)
15 Bilder
Sicherheitskräfte bewachen die Sankt-Anthony-Kirche in Colombo.
Über 300 Menschen kamen bei der Anschlagsserie ums Leben.
Männer helfen einer älteren Frau in der Nähe von einem der Explosionsorte in der Hauptstadt Colombo.
Mehrere Kirchen in Sri Lanka wurden von den Explosionen erschüttert.
Das Innere der Sankt-Anthony-Kirche wurde durch den Anschlag zerstört.
Und auch vor der Kirche liegt einiges in Trümmern.
Neben Polizisten und dem Militär sind auch etliche Feuerwehrleute im Einsatz.
Verwüstung und Zerstörung: Vor der Kirche Batticalova in Colombo herrscht Chaos nach der Explosion.
Eine Explosion ereignete sich auch im Hotel Shangri-la. Polizisten und Forensiker sichern nach dem Attentat Spuren.

Mehrere Kirchen in Sri Lanka wurden am Ostersonntag von Explosionen erschüttert. (Bilder: Keystone)

CH Media

Viele Trauerfackelzüge

In Dänemark reagierte die Bevölkerung insbesondere in Jütland bestürzt auf die Familientragödie. Auf dem herrschaftlichen alten Gutshof Constantinsborg bei der Stadt Aarhus sowie in Brande, wo Bestseller seinen Hauptsitz hat, legten weinende Einwohner Blumen nieder. Für die nächsten Tage sind in mehreren Städten Trauer-Fackelzüge geplant. Die staatliche Schule, die zwei der getöteten Kinder besuchten, wurde am Dienstag von einem Krisenteam betreut. Der dänische Ministerpräsident Lars Lökke Rasmussen wie auch Königin Margrethe äusserten ihre Bestürzung über den Schicksalsschlag der Familie. In Brande mit seinen 7000 Einwohnern hat ein grosser Teil der Bevölkerung eine Verbindung zum Modekonzern Bestseller, zu dem unter anderem die Marken Jack & Jones, Name it und Vero Moda gehören. Anders Povlsen übernahm das Geschäft als 27-Jähriger von seinen Eltern und hat es kontinuierlich ausgebaut auf heute weltweit 2700 Geschäfte mit 17 000 Angestellten. Er ist mit einem Vermögen von über 6 Milliarden Dollar zudem grösster Aktionär des britischen Internet-Modegeschäfts Asos sowie namhaft an Zalando beteiligt. In Schottland ist der Jagdliebhaber durch den Kauf von zahlreichen Schlössern grösster Landbesitzer geworden.

Angst vor Entführungen

In Dänemark lebt Povlsen sehr zurückgezogen. Er gibt kaum Interviews und hat seine Kinder von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Es gebe kaum Bilder von ihnen, erklärt der Autor Sören Jakobsen, der mehrere Bücher über die dänische Oberklasse verfasst hat. Der Modeunternehmer ist zudem eng mit Kronprinz Joachim befreundet. Sie gehen gemeinsam in die Oper oder auf die Jagd. Povlsen habe auch versucht, seine Familie «auf dem Niveau des Kronprinzen» beschützen zu lassen, sagt Jakobsen. Dies, nachdem die Familie 1998 monatelang von einem Erpresser bedroht worden war. Auf einer Reise nach Indien wurde zudem 2003 ein Freund von Povlsen entführt, wobei die Täter davon ausgingen, es handle sich um den Unternehmer selber. Mit Kontakten und finanziellen Mitteln Povlsens konnte der Mann gerettet werden. Gegen den Terror von Sri Lanka nützten nun aber alle Sicherheitsmassnahmen nichts.