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REDE: Cheerleader der USA

Der amerikanische Präsident Donald Trump gab sich bei seinem Auftritt ganz als Businessmann – und versöhnlich. Zumindest ein bisschen.
Yannick Nock, Davos
US-Präsident Donald Trump lobte gestern in seiner Rede am WEF 2018 die Vorzüge der USA als Wirtschaftsstandort. (Bild: Markus Schreiber/AP (Davos, 26. Januar 2018))

US-Präsident Donald Trump lobte gestern in seiner Rede am WEF 2018 die Vorzüge der USA als Wirtschaftsstandort. (Bild: Markus Schreiber/AP (Davos, 26. Januar 2018))

Yannick Nock, Davos

Das einzig Berechenbare an Donald Trump ist seine Unberechenbarkeit. So las er gestern seine mit Spannung erwartete Rede monoton vom Teleprompter ab. 15 Minuten und 50 Sekunden dauerte die Show – überraschend kurz. Langweilig sei sie gewesen, sagten die einen danach, staatsmännisch meinten die anderen. Der Inhalt war aber ganz Trump-like: «Ich bin hier, um die Interessen des amerikanischen Volkes zu vertreten.» Oder: «Wenn es den USA gut geht, geht es der Welt gut.» Und natürlich setzt der Entertainment-Veteran auf griffige Slogans: «America is open for business» oder «Ich bin der Cheerleader der USA».

«Amerika ist der Ort, um Geschäfte zu machen. Also kommt nach Amerika, wo ihr Sachen erfinden, schaffen und bauen könnt. Ich glaube an Amerika. Als Präsident der Vereinigten Staaten werde ich Amerika immer an die erste Stelle setzen, genauso wie die Führer anderer Länder ihr Land an die erste Stelle setzen sollten.»

Donald Trump, einst verschmäht von den Mächtigen und Reichen des WEF, ist die grosse Nummer. Viele befürchteten, dass er die Elite vor den Kopf stossen würde. Die «New York Times» schrieb, Trump sei in Davos «der Fuchs im Hühnerstall der Globalisten». Stattdessen ist er der Hahn im WEF-Korb. Umschwirrt von Politikern, CEOs und Journalisten. Und weil Trump weiss, welches Publikum er hat, schwächte er seine «Amerika-first-Kampagne» auch etwas ab.

«Amerika first bedeutet nicht Amerika ­allein. Wenn die Vereinigten Staaten wachsen, wächst auch die Welt. Der amerikanische Wohlstand hat unzählige Arbeitsplätze rund um den Globus geschaffen, und der Drang nach Exzellenz, Kreativität und Innovation in den USA hat zu wichtigen Entdeckungen geführt, die den Menschen überall ein wohlhabenderes und weit gesünderes Leben ermöglichen

Neben Trump gingen andere mächtige Staatschefs regelrecht unter. Kanadas Premier Justin Trudeau gab den Obama-Nachfolger, jung, weltoffen, charmant. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron rüttelte hingegen offen an Angela Merkels Europa-Thron, sieht Frankreich als eigentliches Herz Europas. Die Bundeskanzlerin hingegen, zermürbt von der langwierigen Regierungsbildung, hatte ihren vielleicht schwächsten Auftritt. «Bitte bemitleiden Sie mich nicht», sagte sie. Bei allen Scharmützeln stellten sich die Regierungschefs am WEF geschlossen gegen Trump. Macron will «der Globalisierung einen Sinn geben», Trump interessieren Deals zum Wohle Amerikas. Trudeau verkündete ein neues Freihandelsabkommen, Trump meint, viele Länder missbrauchen die Gutmütigkeit der USA. «Das ist vorbei! Egal, ob mehrere Millionen oder nur zehn Dollar: ­Jeder soll in die USA investieren.»

«Wir können keinen freien und offenen Handel haben, wenn einige Länder das System auf Kosten anderer ausbeuten. Wir unterstützen den Freihandel, aber er muss gerecht sein und muss auf Gegenseitigkeit beruhen. Denn unfairer Handel untergräbt uns alle.»

Merkel bemühte die grosse Linie: Angesichts der Katastrophen des 20. Jahrhunderts mit zwei Weltkriegen fragte sie: «Haben wir nun wirklich gelernt aus der Geschichte, oder haben wir es nicht?» Und Trump? Den interessiert die Vergangenheit nicht, er redet lieber über die Gegenwart – natürlich in Superlativen: «Die Börse pulverisiert gerade Rekord um Rekord.»

«Amerika brüllt zurück, und jetzt ist es an der Zeit, in die Zukunft Amerikas zu investieren. Wir haben die Steuern drastisch gesenkt, um Amerika wettbewerbsfähig zu machen.»

Einen Kenner überraschte Trumps Auftritt nicht: «Er hat genau das gesagt, was ich erwartet habe», sagt Martin Baron, Chefredaktor der «Washington Post» und ein Feindbild Donald Trumps. ­Warum tritt er nicht auf wie an seinen Rallyes? Kompromisslos mit derben Sprüchen? «Davos ist ein anderes Publikum, Trump weiss immer genau, zu wem er spricht», sagt er. Dann kommen auch Sätze aus Trumps Mund, die aus der Feder von Obamas Redenschreiber stammen könnten.

«Um erfolgreich zu sein, reicht es nicht aus, in unsere Wirtschaft zu investieren. Wir müssen in unsere Leute investieren. Wenn Menschen vergessen werden, wird die Welt gebrochen. Nur wenn wir die Stimmen der vergessenen Leute hören und darauf antworten, schaffen wir eine strahlende Zukunft, an der wirklich alle teilhaben können.»

Erst in der Fragerunde mit WEF-Gründer Klaus Schwab findet Trump zu seinem typischen Stil. «Ich bin unheimlich erfolgreich. Ich kaufe Firmen, die ohne mich scheitern würden, und mache Profit. Darin bin ich spitze, dafür braucht es besondere Fähigkeiten.» Und natürlich greift er seine Lieblingsgegner an. Unter Hillary Clinton wäre die Börse nicht auf einem 50 Prozent höheren Stand, sondern 50 Prozent tiefer. Dann wendet er sich an die Medien. Als Geschäftsmann habe er keine Probleme mit den Medien gehabt. Erst als Politiker habe er gemerkt, wie «falsch» die Presse sein kann. Buhrufe im Saal. Das Weisse Haus spricht später in einer offiziellen Verlautbarung von «Gelächter im Saal». Fake News?

«Als Geschäftsmann wurde ich immer sehr gut von der Presse behandelt. Die Zahlen sprechen für sich und Dinge passieren, aber ich hatte immer eine sehr gute Presse. Erst als Politiker habe ich gemerkt, wie dreckig, hinterhältig, bösartig und wie falsch die Presse sein kann.»

Zum Schluss schwärmt der US-Präsident vom WEF, von dessen Gründer Klaus Schwab und vom Treffen mit 15 Wirtschaftsführern. Er habe vorher nicht alle gekannt, aber über sie gelesen. «Jetzt habe ich 15 neue Freunde.» Gelächter. Diesmal wirklich. Trump ist zufrieden. Verhaltener Applaus. Ende der Show.

«Thank you, and God bless you all. Thank you very much.»

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