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RECHTSEXTREMISMUS: Zurück ins weisse Amerika

Lange Zeit hat die Bewegung in den USA vor allem im Internet Furore gemacht. Jetzt zeigen Ereignisse wie in Charlottesville, wie gefährlich der Traum von der «weissen Macht» ist.
Walter Brehm
Nächtliches Zusammenkommen des Ku-Klux-Klan mit amerikanischen Neonazis, um eine verstärkte Koordination ihrer rechtsextremen Aktivitäten zu besiegeln. (Bild: Erik S. Lesser/EPA (Temple, 23. April 2016))

Nächtliches Zusammenkommen des Ku-Klux-Klan mit amerikanischen Neonazis, um eine verstärkte Koordination ihrer rechtsextremen Aktivitäten zu besiegeln. (Bild: Erik S. Lesser/EPA (Temple, 23. April 2016))

Walter Brehm

Für Europäer irritierend: Neonazis tragen Hakenkreuzfahnen offen durch die Strassen der Stadt Charlottesville im Süden der USA. «Sieg-Heil»-Rufe und braune Nazi-Uniformen sind nicht verboten. Gedeckt wird dies alles durch ­ die in der Verfassung festgeschriebene Meinungsfreiheit – ein hohes Gut in den USA.

Wenn US-Präsident Donald Trump darauf verweist, dass es Rassismus und Rechtsextremismus in den Vereinigten Staaten von Amerika seit langem gebe, also kein Problem seiner Präsidentschaft seien, stimmt dies zweifellos. Zu dieser Wahrheit gehörte aber auch: Selten waren die Gruppierungen der extremen Rechten in den USA öffentlich so präsent wie in der noch jungen Ära Trump. «White-Power»-Gruppen durchdringen die täglichen Nachrichten nicht erst seit den blutigen Krawallen in Charlottesville, obwohl sie auch in den USA keinen in sich geschlossenen Block bilden.

Ideologie und Symbolik der Nationalsozialisten

Schon Ende der 1960er-Jahre war die amerikanische Nazi-Partei gegründet worden. Lange Zeit wurde sie öffentlich kaum wahrgenommen. Die Organisation blieb ohne politischen Einfluss. Doch sie vertrat von Anfang an offen die Ideologie und die Symbolik der deutschen Nationalsozialisten. Adolf Hitler gilt ihnen als Visionär und Vorbild. Sie hetzen gegen Juden, Farbige, Homosexuelle und Behinderte. Das National Socialist Movement» (NSM) ist heute die stärkste nationalsozialistische Gruppierung in den USA. Als dezentrale Propagandaplattform diverser US-amerikanischer Neonazi-Gruppen dient im Internet laut der liberalen Zeitschrift «The Atlantic» die Website «Stormfront». Ihr Titel ist eine deutliche Anlehnung an das Parteiblatt «Stürmer» der früheren NSDAP in Deutschland.

Nur eine Facette der rechtsradikalen Szene

Alle rechtsextremen Gruppen der USA treffen sich bei einem Thema: «White Power» (Weisse Macht). Diese Gruppierungen sind überzeugt, dass es eine weisse Rasse gibt – und diese heute um ihren gesellschaftlichen Vorrang zu kämpfen habe. Gruppen wie die Arische Nation glauben fanatisch an die biologische Überlegenheit von weissen Menschen europäischen Ursprungs (White Supremacy).

Viele amerikanische Konservative denken ähnlich, sind einer für sie gegebenen gesellschaftlichen Tradition verhaftet, in der in einer «natürlichen Hierarchie» weisse Menschen an der Spitze stehen. In dieser Vorgabe treffen sich alle rechtsextremen Kräfte. Ansonsten ist die Szene zerstritten und unübersichtlich, aber dennoch gefährlich.

Der amerikanische Rechtsextremismus ist aber nicht einfach ein Import aus Europa. Mit dem Ku-Klux-Klan (KKK) hat er eine originäre gemeinsame Wurzel über alle Gruppenrivalität hinweg. Der KKK ist ebenfalls in den 60er-Jahren in einer quasi dritten Auflage neu entstanden – als Gegner und Reaktion auf die afroamerikanische Bürgerechtsbewegung. Der Klan wird heute auf 5000 bis 8000 Mitglieder geschätzt. Auf sein Konto gehen in einer Art heimischem Terrorismus zahlreiche Gräueltaten und Morde. Dennoch mochte sich Donald Trump schon im Wahlkampf nicht wirklich vom Klan und David Duke, einem seiner prominenten Führer, und dessen Unterstützung zu distanzieren.

Weniger klar in seiner Hetze gegen alles Nichtweisse, aber nicht weniger gefährlich, ist die sogenannte Alt-Right-Bewegung (Alternative Rechte), als deren Vordenker seit 2008 Richard Spencer gilt. Dieser redet einer «friedlichen ethnischen Säuberung» das Wort. Mit solchen Verbrämungen versucht auch die Alt-Right, im rechtskonservativen Flügel der US-Republikaner Unterstützer zu rekrutieren.

Opfer des Nordens der USA

Die Alt-Right-Bewegung hatte die Wahlkampagne von Donald Trump begeistert unterstützt. Sie sah diese als Teil ihres Kreuzzuges gegen Muslime, Einwanderung und Feminismus. Viele ihrer Anhänger sind zudem bekennende Antisemiten. Noch als Chef der Internetplattform «Breitbart» hat Steven Bannon, der heutig e Chefstratege Präsident Trumps, seine Publikation als «Sprachrohr der Alt-Right» bezeichnet.

In ihrem Diskurs taucht immer wieder die Nostalgie nach dem «alten ­Süden», der Konföderation gegen den Norden auf. Die Alt-Right sieht sich in der Tradition der Südstaaten und des amerikanischen Bürgerkriegs (1861–65) als Opfer des Nordens, der die Sklaverei abschaffte. Obwohl auch die «Rechte Alternative in sich zerfasert ist, findet sie sich mit anderen rechtsradikalen Gruppen in einer antidemokratischen Grundhaltung, im Kampf gegen Linke und Demokraten sowie in der Hetze gegen Schwarze, die Gleichstellung, Schwule und den Feminismus.

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