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RECHTSEXTREME: Gewalt in Charlottesville schockiert USA

Eine Frau stirbt bei Ausschreitungen während einer Demonstration von Rechtsradikalen, 19 Menschen werden verletzt. Und Präsident Donald Trump wird für seine Reaktion darauf scharf kritisiert.
Rettungskräfte transportieren Verletzte ab, nachdem ein Auto in die Menschen raste. (Bild: Steve Helber/AP (Charlottesville, 12. August 2017))

Rettungskräfte transportieren Verletzte ab, nachdem ein Auto in die Menschen raste. (Bild: Steve Helber/AP (Charlottesville, 12. August 2017))

Bei einem Aufmarsch rechtsextremer Gruppen in den USA ist es zu tödlicher Gewalt gekommen: Ein Autofahrer raste am Samstag in Charlottesville im Bundesstaat Virginia in eine Gruppe von Gegendemonstranten – eine Frau wurde getötet und 19 Menschen wurden verletzt. «Wir liefen auf der Strasse, als ein Auto, eine schwarze oder graue Limousine, mit hohem Tempo auf uns zuraste und gegen all die Leute prallte», sagte ein Augenzeuge. «Dann fuhr er zurück und hat uns erneut angefahren.» In Videoaufnahmen war zu sehen, wie ein Auto mit hohem Tempo auf andere Fahrzeuge auffuhr und diese mit voller Wucht in die Gruppe der Gegendemonstranten schob. Bei dem Todesopfer handelt es sich um eine 32-jährige Frau. Die 19 teils lebensgefährlich Verletzten wurden im Spital behandelt. Der Fahrer, ein 20-jähriger Mann aus Ohio, wurde festgenommen. Die Bundespolizei FBI zog die Ermittlungen an sich.

Die Mutter des Autofahrers sagte der Zeitung «Toledo Blade», ihr Sohn habe angekündigt, zu der Demo fahren zu wollen. Sie habe ihn aufgefordert, «vorsichtig zu sein» und «friedlich» zu de­mons­­trieren.

Zu dem Aufmarsch in Charlottesville hatten mehrere Gruppierungen vom extrem rechten Rand aufgerufen – unter ihnen der rassistische Ku Klux Klan und die Alt-Right-Bewegung, die Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf unterstützt hatte. Manche Teilnehmer des Aufmarsches gaben sich auf Mützen und T-Shirts als Trump-Anhänger zu erkennen. Einige der Rechtsextremisten erhoben die Hand zum Hitler-Gruss. Viele führten Flaggen der früheren Südstaaten-Konföderation mit sich, die liberale US-Bürger als Symbol des Rassismus betrachten. Manche führten Trumps Wahlkampf-Slogan «Make America Great Again» mit sich.

«Terroranschlag weisser Rassisten»

Anlass der Demonstration war ein Stadtratsbeschluss, eine Statue des Konföderierten-Generals Robert E. Lee aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861 bis 1865) zu entfernen. Die zwei Autostunden südwestlich von Washington gelegene Stadt gilt als Hochburg der US-Demokraten, nach CNN-Angaben stimmten dort bei der Präsidentenwahl 80 Prozent für Trumps demo­kratische Herausforderin Hillary Clinton. Die Konföderierten (Südstaaten) hatten für den Fortbestand der Sklaverei gekämpft.

Trump verurteilte «auf schärfste Weise diesen ungeheuerlichen Ausbruch von Hass, Fanatismus und Gewalt auf vielen Seiten». Der Präsident stiess damit parteiübergreifend auf Kritik, weil er die rechtsextremen De­monstranten nicht klar als Schuldige benannte. Es sei «sehr wichtig, dass der Präsident die Ereignisse als das beschreibt, was sie sind: als Terroranschlag weisser Rassisten», erklärte der republikanische Senator Marco Rubio. Der dienstälteste republikanische Senator Orrin Hatch forderte: «Wir müssen das Übel beim Namen nennen. Mein Bruder hat nicht sein Leben im Kampf gegen Hitler gegeben, damit Nazi-Gedankengut hier zu Hause ohne Widerstand akzeptiert wird.»

US-Justizminister Jeff Sessions, gegen den früher selbst Rassismus-Vorwürfe erhoben wurden, erklärte: «Wenn Rassismus und Hass zu solchen Handlungen führen, dann ist das Verrat an unseren wichtigsten Werten und kann nicht toleriert werden.» Politische Gegner werfen Trump vor, durch seine Rhetorik den rechten Rand zu stärken. Trumps Ex-Wahlkampfgegnerin Hillary Clinton twitterte: «Jede Minute, in der wir dies durch stillschweigende Ermunterung oder durch Nichthandeln hinnehmen, ist eine Schande.» Auch die demokratische Oppositionsführerin Nancy Pelosi forderte von Trump eine Verurteilung der «white supremacy»-Bewegung als Affront gegen amerikanische Werte. Trumps Tochter Ivanka schrieb auf Twitter: «In der Gesellschaft sollte kein Platz für Rassismus, weisse Vormachtstellung und Neonazis sein.»

Das US-Präsidialamt reagierte gestern auf die Kritik und veröffentlichte eine Erklärung, in der es hiess, Trump habe am Samstag «sehr stark» alle Formen von Gewalt, Bigotterie und Hass verurteilt. «Natürlich schliesst das weisse Rassisten, KKK (Ku Klux Klan), Neonazis und alle Extremisten-Gruppen ein.» An dem Aufmarsch in Charlottesville hatte auch Ex-Ku-Klux-Klan-Anführer David Duke teilgenommen. Er forderte Trump auf, sich «daran zu erinnern, dass es weisse Amerikaner waren, die Ihnen die Präsidentschaft ermöglichten, nicht radikale Linke».

Verletzte bei Schlägereien

Virginias Gouverneur Terry McAuliffe hatte den Aufmarsch kurz vor dem geplanten Beginn verboten, weil die Sicherheit nicht garantiert werden könne. Dennoch gerieten Hunderte Anhänger der rechten Gruppen mit linken Gegendemonstranten aneinander, es gab 16 Verletzte. Die Polizei setzte Tränengas ein, als Rechte mit Stöcken und einer Metallstange einen Gegendemonstranten blutig schlugen. Es gab drei Festnahmen. Zwei Polizisten starben zudem bei Charlottesville beim Absturz ihres Helikopters, der die Zusammenstösse aus der Luft beobachtet hatte. Die Ursache war zunächst unklar. Es gab aber keine Hinweise auf eine Straftat. (sda)

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