Rebellen verlieren ihre Hochburg bei Damaskus

DAMASKUS. Drei Jahre nach dem Beginn der Revolution haben die syrischen Aufständischen einen weiteren Rückschlag erlitten. Mit der Kleinstadt Jabrud verloren sie ihren wichtigsten Stützpunkt bei Damaskus an die von der proiranischen Hisbollah unterstützte Assad-Armee.

Michael Wrase
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DAMASKUS. Drei Jahre nach dem Beginn der Revolution haben die syrischen Aufständischen einen weiteren Rückschlag erlitten. Mit der Kleinstadt Jabrud verloren sie ihren wichtigsten Stützpunkt bei Damaskus an die von der proiranischen Hisbollah unterstützte Assad-Armee. Jabrud liegt 25 Kilometer von der Grenze zum Libanon und nur wenige Kilometer von der Autobahn von Damaskus nach Aleppo entfernt, wo Assads Truppen ebenfalls auf dem Vormarsch sind.

Nach der Eroberung der Kleinstadt im Kalamun-Gebirge kontrolliert das Regime auch die meisten Nachschublinien der Rebellen. Der ohnehin geringer gewordene militärische Druck auf Damaskus dürfte weiter abnehmen – und damit auch die Bereitschaft des Regimes, mit den Rebellen über eine politische Lösung des Konflikts zu verhandeln.

Ins Grenzgebiet zurückgezogen

Jabrud war bis zu seinem Fall am Wochenende von der mit Al Kaida verbündeten Nusra-Front behalten worden. Deren Kämpfer zogen sich ins syrisch-libanesische Grenzgebiet zurück. Ein Eindringen in den Libanon verhinderte die libanesische Armee, die um die Grenzstadt Arsal alle wichtigen Strassen sperrte.

Oppositionsaktivisten warfen den Beiruter Streitkräften vor, die Assad-Armee zu unterstützen und Tausende von syrischen Flüchtlingen an der Einreise zu hindern. Zudem machten sie darauf aufmerksam, dass nicht die syrische Armee, sondern Elitetruppen der Hisbollah die Rebellen in Jabrud geschlagen hätten. Ohne die Unterstützung der libanesischen Schiitenkämpfer wäre Assad schon lange gestürzt worden, betonten wütende Aktivisten in Beirut wohl nicht zu Unrecht.

Die schweren Gefechte um Jabrud haben auch Auswirkungen auf die nordlibanesische Hafenstadt Tripoli. Dort starben bei Kämpfen zwischen sunnitischen Extremistengruppen und alawitischen Milizen in den letzten Tagen elf Menschen.

Jetzt im vierten Jahr

Der Bürgerkrieg in Syrien ging am Wochenende ins vierte Jahr. Mehr als 140 000 Menschen kamen bislang ums Leben. Fast drei Millionen flohen in die Nachbarländer. Die untereinander zerstrittene Exil-Opposition verbreitete am Jahrestag der Proteste Durchhalteparolen. Trotz der jüngsten militärischen Niederlagen sei der Sieg über das Assad-Regime nicht mehr fern, versprach der Vorsitzende der Nationalen Allianz, Ahmed al-Dscharba: «Den schwierigsten Teil haben wir schon hinter uns...»

Appelle aus dem Westen

Westliche Politiker appellierten an die Bürgerkriegsparteien, die Gewalt zu beenden, wie die Agentur DPA schrieb. Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier sagte: «Wir richten unseren dringenden Appell an das Assad-Regime, endlich die Gewalt gegen das eigene Volk zu beenden und die Vermittlungsbemühungen der internationalen Gemeinschaft nicht länger zu untergraben.» Hilfsorganisationen warnten, wenn Millionen syrische Kinder und Jugendliche nicht rasch mehr Hilfe und Schulunterricht erhielten, werde in Flüchtlingslagern und Kampfgebieten eine verlorene Generation heranwachsen.