Rätseln über versuchte Geiselbefreiung in Rakka

Amerikanische Elitetruppen sollen am Neujahrstag versucht haben, den am Heiligen Abend von der Terrormiliz «Islamischer Staat» verschleppten jordanischen Piloten Moaz al-Kasasbeh zu befreien. Dies berichtet der Newsletter «EA Worldview» unter Berufung auf syrische Oppositionsaktivisten in Rakka.

Michael Wrase
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Amerikanische Elitetruppen sollen am Neujahrstag versucht haben, den am Heiligen Abend von der Terrormiliz «Islamischer Staat» verschleppten jordanischen Piloten Moaz al-Kasasbeh zu befreien. Dies berichtet der Newsletter «EA Worldview» unter Berufung auf syrische Oppositionsaktivisten in Rakka. Nach ihren Erkenntnissen hätten zwei amerikanische Grossraumhelikopter einen Landeversuch im Osten der «Hauptstadt» des IS-Kalifats abbrechen müssen, nachdem sie von den IS-Kämpfern beschossen wurden.

Der gescheiterten Geiselbefreiung seien mindestens 13 Luftangriffe der US-geführten Koalition auf Rakka vorausgegangen. Amerikanische Militärs haben die Aktion weder bestätigt noch dementiert. Westliche Diplomaten in Beirut halten ein Befreiungsversuch für möglich. Die USA und ihre Partner, betonen, sie würden «alles menschenmögliche unternehmen», um den jordanischen Piloten zu befreien. Bereits im Juli letzten Jahres war eine amerikanische Militäraktion zur Befreiung britischer und amerikanischer Staatsbürger in Rakka gescheitert. Vier der vom IS verschleppten Geiseln waren in den darauffolgenden Monaten vor laufender Kamera enthauptet worden.

Entführte Italienerinnen

Offensichtlich noch am Leben sind dagegen zwei von der Nusra-Front im August verschleppte Italienerinnen. Die mit Al Qaida liierte Terrorgruppe stellte am Neujahrstag ein Video ins Netz. Es zeigt die 21jährige Vanessa Marzullo und die ein Jahr jüngere Greta Ramelli. Die sichtlich abgemagerten Frauen bitten ihre Regierung um Vermittlung. «Wir sind in grosser Gefahr und könnten getötet werden», sagt die schwarz verschleierte Greta Ramelli. Das Video wurde bereits am 17. Dezember aufgenommen. Die Italienerinnen würden festgehalten, weil ihr Heimatland Angriffe gegen die Nusra-Front unterstütze, sagte ein Sprecher der Terrorgruppe.

76 000 Opfer im Jahr 2014

Im syrischen Bürgerkrieg sind im vergangenen Jahr mehr als 76 000 Menschen ums Leben gekommen. Beinahe jedes vierte Opfer sei ein Zivilist gewesen, berichtet die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Unter den Toten waren 3500 Kinder und fast 2000 Frauen. Auch 22 600 Soldaten der syrischen Regierungsarmee sollen ums Leben gekommen sein. Zur Stärkung der Moral hatte Syriens Staatspräsident Bashar al-Assad am Silvesterabend die Truppe in einem umkämpften Stadtviertel von Damaskus besucht. Fernsehbilder zeigen den Diktator bei einem gemeinsamen Essen mit den Soldaten. Für 2015 wünscht sich Assad «einen Sieg» seiner Armee. Wahrscheinlicher ist, dass der grausame Abnutzungskrieg noch Jahre weitergeht.