Queen Elizabeth akzeptiert Rücktritt von Prinz Harry und Meghan

Am royalen Krisengipfel in Sandringham zeigt Elisabeth Verständnis für ihren Enkel Harry und seine Frau Meghan.

Sebastian Borger aus London
Drucken
Teilen
Queen Elizabeth mit Herzogin Meghan und Prinz Harry im Juli 2018.

Queen Elizabeth mit Herzogin Meghan und Prinz Harry im Juli 2018.

Keystone

Mit einem ungewohnt persönlichen Statement hat Königin Elizabeth II. den Konflikt um ihren Enkel Harry und dessen Frau Meghan beizulegen versucht. Sie unterstütze den Wunsch des Herzogspaares Sussex nach einem unabhängigeren Leben und habe einer Übergangsperiode zugestimmt, hiess es am Montagabend in einer Erklärung der 93-jährigen Monarchin. Zuvor hatte die Queen ihren Thronfolger Charles und dessen Söhne William und Harry zu einem Krisengespräch auf Schloss Sandringham (Grafschaft Norfolk) zusammengerufen.

Noch «schwierige Probleme» zu lösen

«Wir hätten es vorgezogen, wenn sie Vollzeitmitglieder der Königsfamilie geblieben wären», macht die Pressemitteilung deutlich, spricht aber von «gänzlicher Unterstützung» des Vorhabens von Harry, 35, und Meghan, 38. Während der Übergangszeit werde die junge Familie mit dem acht Monate alten Baby Archie teilweise in Grossbritannien, teilweise in Kanada leben. Für eine auf Dauer angelegte Lösung müssten noch «schwierige Probleme» gelöst werden. «Ich erwarte endgültige Entscheidungen in den nächsten Tagen.»

Die sechs Sätze umfassende Mitteilung nach «sehr konstruktiven Gesprächen» stellt den Versuch der Königin dar, das vergangene Woche an die Öffentlichkeit gelangte Problem rasch zu lösen. Dass «Harry und Meghan» ohne den ihnen zustehenden Titel als «königliche Hoheiten» erwähnt werden, könnte darauf hindeuten, dass der Palast sich von den jungen Royals zu distanzieren versucht. Ausdrücklich wird auf den Wunsch des Paares Bezug genommen, zukünftig auf Subventionierung durch die britischen Steuerzahler zu verzichten. Vor knapp einer Woche hatten Harry und Meghan das Staatsoberhaupt, 93, mit einer öffentlichen Mitteilung überrascht: Sie wollten ihre Rolle innerhalb der Monarchie verkleinern und zukünftig finanziell auf eigenen Füssen stehen.

Vorausgegangen waren offenbar erste interne Gespräche, auch kursierte im Londoner Buckingham-Palast ein Ideenpapier des Herzogspaares von Sussex. Dass der Sechste der Thronfolge und seine Frau vor einer Einigung an die Öffentlichkeit gingen, habe die Queen «verletzt und zutiefst enttäuscht», hiess es im Palast. Harrys nächster Auftritt als Mitglied des Königshauses ist an diesem Donnerstag die Auslosung für die Rugby- League-Weltmeisterschaft im Buckingham-Palast. An solchen Schirmherrschaften für Sport- und Wohltätigkeitsorganisationen scheinen Meghan und Harry festhalten zu wollen. Gleichzeitig wollen sie teilweise in Nordamerika leben; vor ihrer Heirat mit Harry arbeitete Meghan Markle jahrelang als Schauspielerin in Toronto, der grössten Stadt Kanadas.

Harry hat lange um seine Rolle gekämpft

Kaum eine frühere Kolonie gebärdet sich heutzutage treuer gegenüber dem Mutterland als das Land im Norden des amerikanischen Kontinents. 22-mal hat Elizabeth II während ihrer 68-jährigen Amtszeit den Untertanen jenseits des Atlantiks einen Besuch abgestattet, stets wurde sie enthusiastisch bejubelt. 2011 führte die erste Auslandsreise des Prinzenpaares William und Kate wie selbstverständlich nach Ottawa, Quebec und Calgary. Nicht zuletzt aus Mangel an echten Neuigkeiten verlagerte sich die britische Debatte zu Wochenbeginn auf die Frage, inwieweit die Londoner Medien zur Entfremdung des Duos von seiner royalen Rolle und von der Königsfamilie beigetragen haben.

Scharf bestritten William und Harry einen Bericht der normalerweise seriösen «Times», wonach sich der jüngere Bruder vom Dritten der Thronfolge gemobbt fühle. Dass es zwischen den beiden seit längerem eine Entfremdung gibt, ist längst offenes Geheimnis, nicht zuletzt bestätigt durch ein freimütiges TV-Interview Harrys im vergangenen Herbst. Der 35-Jährige verachte die Medien und wünsche sich ein normales Leben, glaubt der frühere Royal-Experte der BBC, Peter Hunt: «Er hat seit längerem mit seiner Rolle gekämpft.» Beide Brüder machen bis heute uneingeschränkt die Paparazzi für den Tod ihrer Mutter Diana verantwortlich. Die 36-Jährige starb im August 1997 in Paris tatsächlich verfolgt von einer Pressemeute, sass aber unangeschnallt im Auto mit einem betrunkenen Raser am Steuer.

Mehr zum Thema