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Putin trifft Erdogan: Das wollen die Akteure im Syrien-Konflikt erreichen

Am Dienstag treffen sich der russische Präsident und sein türkischer Amtskollege, um über das weitere Vorgehen in Syrien zu beraten. Wir zeigen, welche Ziele die wichtigsten Akteure in Nordsyrien verfolgen.
Thomas Seibert aus Istanbul

Ein Gipfeltreffen des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan am Dienstag im russischen Schwarzmeer-Badeort Sotschi wird darüber entscheiden, wie es in Nordsyrien weiter geht. Die beiden Politiker gehen mit gegensätzlichen Zielvorstellungen das Treffen. Während Russland eine permanente Präsenz der Türkei in Nordsyrien vermeiden will, strebt Ankara eine dauerhafte «Sicherheitszone» an. Auch die Rolle der USA dürfte in Sotschi zur Sprache kommen. Ein Überblick über die wichtigsten Akteure und ihre Motive.

Türkei

Erdogan hat mit dem Einmarsch neue Fakten geschaffen. Er will die Kurdenmiliz YPG von der türkischen Grenze verdrängen und eine 30 Kilometer tiefe und 440 Kilometer lange «Sicherheitszone» schaffen. In der Zone will Ankara bis zu zwei Millionen syrische Flüchtlinge aus der Türkei ansiedeln. Vorige Woche erhielt der türkische Präsident die Zustimmung der USA zur Bildung einer «Sicherheitszone». Dies habe Erdogans Position gegenüber Putin verbessert, sagte der Nahost-Experte Nicholas Heras von der US-Denkfabrik CNAS unserer Zeitung. Die Militärpräsenz stärkt auch den türkischen Einfluss bei den Verfassungsgesprächen für Syrien, die am 30. Oktober in Genf beginnen. Allerdings streben Russland und die syrische Regierung einen möglichst raschen Abzug der türkischen Truppen an. Die syrische Armee ist in einige Gebiete der geplanten Zone eingerückt. Die USA wollen Ankara eine kleinere «Sicherheitszone» zugestehen als das Gebiet, das von Erdogan ins Auge gefasst wird. Von der Nato und den europäischen Partnern kann Ankara keine Unterstützung erwarten.

Russland

Als Befehlshaber der stärksten Streitkräfte in Syrien und Schutzherr des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad will Putin sein Land als Nahost-Macht etablieren. Der amerikanische Abzug aus Syrien hilft Moskau dabei. Gleichzeitig nutzt der Kreml die Zusammenarbeit mit Ankara, um die Bindung der Türkei an den Westen weiter zu lockern. Putin will Erdogan deshalb nicht vor den Kopf stossen, auch wenn Moskau den türkischen Einmarsch kritisiert. Russland schlägt vor, dass die türkische Armee und die syrischen Streitkräfte bei der Sicherung der türkischen Grenze gemeinsam vorgehen. Sollte es Putin in Sotschi gelingen, Erdogan zu einer Kooperation mit seinem Erzfeind Assad zu bewegen, wäre das ein diplomatischer Triumph für Russland.

Syrien

Wie Russland profitiert die Assad-Regierung vom Abzug der US-Truppen aus Syrien. Assads Armee hatte sich im Jahr 2012 aus dem östlichen Landesteil zurückgezogen, um sich auf den Krieg in anderen Regionen zu konzentrieren. Nun kann die Armee wieder nach Osten vorstossen – Assads Fernziel ist es, das gesamte Staatsgebiet wieder unter seine Kontrolle zu bringen. Der türkische Einmarsch hat die kurdische YPG zudem gezwungen, sich mit Assad zu verbünden, ohne dass der syrische Präsident den Kurden das Recht auf Selbstverwaltung zugestehen musste. Möglicherweise kann die syrische Armee die Kurdenkämpfer von der YPG sogar in die Streitkräfte integrieren. Militärisch bleibt Assad aber auf Moskau angewiesen; in einer direkten Konfrontation mit der hochgerüsteten türkischen Armee wären Assads Truppen klar unterlegen. Auch die für die syrische Wirtschaft wichtigen Ölfelder in Ostsyrien bleiben für Assad vorerst unerreichbar.

USA

Die Supermacht hat sich durch mehrere widersprüchliche Entscheidungen in jüngster Zeit selbst geschwächt. Bis zum Beginn des türkischen Einmarsches am 9. Oktober kontrollierten die USA mit Hilfe der YPG rund ein Drittel des syrischen Staatsgebietes. Nun sind die Amerikaner auf dem Rückzug und haben sich den Vorwurf eingehandelt, die YPG-Verbündeten im Stich zu lassen und Russlands Position gestärkt zu haben. Enttäuschte Bewohner der ostsyrischen Stadt Qamishli bewarfen die abziehenden US-Truppen am Montag mit faulen Tomaten. Allerdings will US-Präsident Donald Trump nach Medienberichten von Montag nun doch rund 200 Soldaten in Syrien belassen, um die Ölfelder im Osten zu bewachen.

Kurdenmiliz YPG

Der syrische Ableger der kurdischen Terrororganisation PKK muss grosse Teile seiner Selbstverwaltungszone entlang der türkischen Südgrenze aufgeben, denn ohne die amerikanische Unterstützung stehen die kurdischen Truppen der türkischen Armee schutzlos gegenüber. Das Not-Bündnis mit Assad wird der YPG zwar keine Fortsetzung der Autonomie bringen, wohl aber einen gewissen Freiraum: Die von den USA ausgebildete und bewaffnete YPG dürfte ausserhalb der türkischen «Sicherheitszone» aktiv bleiben.

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