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«Putin nimmt sich, was er will»

Der engste Machtzirkel Russlands ist tief in die aufgedeckten Offshore-Geschäfte verstrickt.
Klaus-Helge Donath
Wladimir Putin soll ein Vermögen von 40 Milliarden Dollar besitzen. (Bild: ap/Sergei Chirikov)

Wladimir Putin soll ein Vermögen von 40 Milliarden Dollar besitzen. (Bild: ap/Sergei Chirikov)

«Putin sagte der Korruption einen zweijährigen Kampf an», titelte das Millionenblatt «Komsomolskaja Prawda» am Samstag. Einen Tag vor den Enthüllungen der «Panama-Papers». Die Botschaft war klar. Der Präsident hat ein Auge drauf, er kümmert sich. Es ging in der Sitzung bei Wladimir Putin Ende der Woche jedoch nicht um Korruption in den eigenen Reihen. Zwar war viel von Rückführung von Vermögen die Rede, die noch in Steuerparadiesen schlummern. Doch damit waren all jene angesprochen, die nicht dem ausgesuchten Zirkel angehören. Für den Fall der Fälle, dass die panamaischen Offenlegungen doch noch Schaden anrichten sollten, eröffnete der Kreml mit der Kampfansage eine Entlastungsfront

Cellist als Strohmann

Wladimir Putin ist ohnehin fein raus. Namentlich taucht der Kremlchef in den Nachforschungen gar nicht auf. Russlands Führungsriege übergeht die Ergebnisse denn auch. Schon im Vorfeld war die Spurensuche als antirussische Verschwörung abgetan worden. Als der Veröffentlichungstermin näher rückte, reagierte Kremlsprecher Dmitrij Peskow indes nervös und nährte die Vermutung, an den Fakten müsse doch etwas dran sein. Zwar taucht Schirmherr Putin nicht in der Datenbank auf, dafür aber Peskows Frau Tatjana Nawka.

Zentrale Figur der russischen Offshore-Geschäfte ist der Cellist und enge Freund Wladimir Putins Sergej Roldugin. Er figuriert als Kopf eines Netzwerkes aus vier Briefkastenfirmen mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln. Über dieses Geflecht sollen rund zwei Milliarden Dollar an Verwandte und Freunde des Präsidenten geflossen sein. Laut Roman Anin, der für die Moskauer «Nowaja Gaseta» an der Recherche teilnahm, war Sergej Roldugin jedoch kein Nutzniesser. Er übernahm die Rolle des Strohmanns aus Loyalität gegenüber seinem Freund Wladimir.

Seine Briefkastenfirmen wickelten Geschäfte ab, die Gewinne von mehreren Millionen Dollar pro Tag garantierten. Oder sie nahmen Kredite bei ausländischen Töchtern der Aussenhandelsbank VTB auf, die keine Sicherheiten verlangte. Häufig räumten Unternehmer Kredite zu niedrigsten Zinsen ein, die dennoch nur in Einzelfällen zurückgezahlt wurden. Es waren meist Schenkungen oder «Spenden», zu denen der Kreditgeber verpflichtet wurde.

Aus Darlehen werden Schenkungen

All das folgte einem ausgeklügelten Prozedere: Eine Firma schliesst einen Vertrag mit dem staatlichen Energieunternehmen «Rosneft» über den Kauf von Aktien ab. Im selben Moment wird dieser jedoch gekündigt, und der geprellte Käufer erhält eine Abfindung in dreistelliger Millionenhöhe. Beliebt war auch die Aufnahme billige Kredite. Getilgt wurden sie später mit einem Dollar. Zahlungen für Entschädigungen, vermeintliche Beratungshonorare oder manipulierte Aktiengeschäfte stellten die Journalisten ebenso fest. Auch die Überschreibung von Darlehen in Millionenhöhe für den Preis von einem US-Dollar war eine häufige Praxis – obwohl das Darlehen üppige Gewinne abwarf. Komplizierter war es, über die Briefkastenfirmen für wenig Geld Aktienmehrheiten bei Grossbetrieben zu organisieren.

Eine zentrale Rolle fällt der Bank Rossija zu, der Hausbank des Kreml. Sie gehört Putins alten Freunden aus St. Petersburg. Kaum waren die Sanktionen verhängt, ordnete der Kremlchef an, dass die Zentralbank das Geldinstitut stützen solle. Vor allem die engen Vertrauten aus St. Petersburg zählen zu den Begünstigten.

Eine Bank als Kreditkarte

Für die alltäglichen Bedürfnisse des Machtzirkels war die RCB Bank zuständig. Wenn eine Yacht angeschafft werden sollte oder die Gemahlinnen grössere Einkäufe planten, stellte die RBC die Mittel zur Verfügung. Zwei Milliarden Dollar betragen die Aufwendung für Freunde und Familie in den vergangenen Jahren. Wie viel Wladimir Putin tatsächlich besitzt, geht aus dem Bericht nicht hervor. Bereits 2007 wurde dem Kremlchef nachgesagt, er sei 40 Milliarden Dollar schwer. Der Politologe Stanislaw Belkowski nannte als erster diese Zahl und bescheinigte dem Präsidenten, dass er viel mehr Vergnügen an der Konstruktion eines Wirtschaftsimperiums denn an Politik finde. Die Autorin der Studie «Putins Kleptokratie», Karen Dawisha, charakterisierte Putins Umgang mit Russlands Ressourcen kurz und bündig: Er nimmt sich, was er will.

Davon erfährt Russland jedoch nichts. Das staatliche Fernsehen entdeckte zwar eine korrupte Spur; diese führt jedoch direkt zum ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko.

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