Putin flirtet mit Kim Jong Un

Wladimir Putin verärgert den Westen auch, indem sich Russland teilweise dem nationalistischen Nordkorea annähert. Die Rolle als Schutzmacht des nordkoreanischen Regimes ist jedoch klar vergeben: Das ist China.

Ralf Rüthemann
Drucken
Teilen
FILE - In this July 27, 2013 file photo, North Korean leader Kim Jong Un leans over a balcony and waves to Korean War veterans cheering below at the end of a mass military parade on Kim Il Sung Square in Pyongyang to mark the 60th anniversary of the Korean War armistice. Japan and North Korea appear to be on the verge of a breakthrough on a bizarre legacy of the Cold War, a secret, government-ordered program that led to the abduction of more than a dozen and possibly several hundred Japanese citizens in the 1970s and 80s by North Korean infiltrators and spies. (AP Photo/David Guttenfelder, File) (Bild: DAVID GUTTENFELDER (AP))

FILE - In this July 27, 2013 file photo, North Korean leader Kim Jong Un leans over a balcony and waves to Korean War veterans cheering below at the end of a mass military parade on Kim Il Sung Square in Pyongyang to mark the 60th anniversary of the Korean War armistice. Japan and North Korea appear to be on the verge of a breakthrough on a bizarre legacy of the Cold War, a secret, government-ordered program that led to the abduction of more than a dozen and possibly several hundred Japanese citizens in the 1970s and 80s by North Korean infiltrators and spies. (AP Photo/David Guttenfelder, File) (Bild: DAVID GUTTENFELDER (AP))

Moskau und Pjöngjang haben beschlossen, bürokratische Hürden bei der Wirtschaftskooperation aufzuheben: Das hat Russlands Präsident Wladimir Putin in den vergangenen Wochen herbeigeführt. Die beiden Länder sind zu gegenseitigen Verrechnungen in der russischen Währung bereit. Zudem sollen russische Investoren beispielsweise in Nordkorea unter besonderen Bedingungen Mehrfacheinreisevisa bekommen oder Internet und Mobilfunknetze nutzen können, wie der russische Minister für die Entwicklung des Fernen Ostens, Alexandr Galuschka, bekanntgab.

Warum diese Kooperation? Putin könnte vor allem auch an Nordkoreas Bodenschätzen interessiert sein. Das Bodenschatzvorkommen in Nordkorea wird auf 6,4 Billionen Dollar geschätzt. Nordkorea verfügt über vier Milliarden Tonnen Magnesit, zwei Millionen Tonnen Graphit und 160 Tonnen Wolfram.

Nordkoreaner arbeiten in Russland

Russland und Nordkorea kommen sich nicht erst seit der Ukraine-Krise näher. Schon vor fünf Jahren kursierten Gerüchte, dass russische Unternehmen nordkoreanische Arbeitskräfte für Jobs in Russland anwerben. Nordkoreas Streben nach der Kooperation dürfte stark mit dem Wunsch, das diktatorische Regime langfristig aufrechtzuerhalten, zusammenhängen – und weniger mit der Absicht, sich international zu öffnen.

Keine grosse Bedeutung

Westliche Politiker blicken teilweise besorgt auf die Annäherung Russlands an Nordkorea. Doch Experten schätzen dies lediglich als Provokation und politischen Schachzug Putins gegen den Westen ein. Grössere Bedeutung habe es kaum. Denn Russland weiss, dass die wirtschaftliche Hauptunterstützung Nordkoreas einer anderen Grossmacht obliegt: China. Das zeigen beispielsweise auch die Landesgrenzen. Mit China hat Nordkorea eine gemeinsame Grenze über eine Strecke von 1400 Kilometern, mit Russland nur gerade deren 20. Auch wenn China die Nummer eins für Nordkorea bleibt: Fest steht, dass Russland und Nordkorea von einer Kooperation, auch wenn sie nicht so intensiv ist wie zwischen China und Nordkorea, nur profitieren können. Russland durch billige Arbeitskräfte, Nordkorea durch finanzielle Mittel, um das Regime zu erhalten. Zudem ist Nordkorea daran interessiert, nebst China einen zweiten Wirtschaftspartner zu gewinnen, falls auf China irgendwann kein Verlass mehr ist.

Zehn Milliarden geschenkt

Vor vier Jahren haben die Länder begonnen, von einer Pipeline von Russland durch Nordkorea nach Südkorea zu sprechen. Diese Woche hat Putin schliesslich einen grossen Schritt in diesem Projekt gemacht. Russland hat Nordkorea Schulden von fast zehn Milliarden Dollar erlassen und hofft so auf Erleichterung beim Bau der Pipeline. Dieses Grossprojekt wäre eine Win-Win-Situation für alle drei beteiligten Länder. Gebaut würde die Pipeline vor allem von nordkoreanischen Arbeitskräften.

Nordkorea im Stich gelassen

Bis Russland das volle Vertrauen Nordkoreas gewinnt, könnte es noch ziemlich lange dauern. Denn seit sich die Sowjetunion gegen deren Ende immer mehr von Nordkorea distanzierte, zählt das kommunistische Nordkorea Russland nicht zu den asiatischen, sondern zu den europäischen Mächten. Damals hatte die Sowjetunion plötzlich Beziehungen mit Südkorea aufgebaut, ohne den Norden ansatzweise zu konsultieren.

Kim Jong Un und Wladimir Putin wollen voneinander profitieren. (Bilder: ap/David Guttenfelder; ap/Alexei Nikolsky)

Kim Jong Un und Wladimir Putin wollen voneinander profitieren. (Bilder: ap/David Guttenfelder; ap/Alexei Nikolsky)

Aktuelle Nachrichten