Proteste wegen Ahmadinejads TV-Grüssen

london. In den fünfzehn Jahren ihres Bestehens hat die alternative Weihnachtsbotschaft des Minderheiten-Kanals «Channel Four» schon beinahe den Status einer britischen Tradition erlangt. Während bei der BBC am ersten Feiertag Queen Elizabeth II.

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london. In den fünfzehn Jahren ihres Bestehens hat die alternative Weihnachtsbotschaft des Minderheiten-Kanals «Channel Four» schon beinahe den Status einer britischen Tradition erlangt. Während bei der BBC am ersten Feiertag Queen Elizabeth II. das Engagement von Freiwilligen lobte, durften im Alternativkanal moderne Celebrities wie Tierschützerin Brigitte Bardot, Fernsehkoch Jamie Oliver oder die Schwulen-Ikone Quentin Crisp den Briten ihre Anliegen ans Herz legen.

Christus sei gegen Kriegstreiber

Diesmal wurde dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad die Ehre zuteil – schliesslich sei er, sagt «Channel Fours» Politik-Chefin Dorothy Byrne, «der Führer eines der mächtigsten Staaten im Nahen Osten». Auf Farsi mit englischen Untertiteln sandte der Schiit den Anhängern Jesu Christi und dem britischen Volk seine artigen Weihnachtsgrüsse, ehe er unverhohlen gegen die amerikanische Präsenz in der Region polemisierte. Jesus Christus, so der Hobbytheologe, würde «zweifellos das Banner von Gerechtigkeit und Liebe gegen die Kriegstreiber und Besatzer hissen», sagte er.

Die Provokation des TV-Kanals geht vielen Briten zu weit. Der bekannte Aktivist Peter Tatchell stellt Ahmadinejad in eine Reihe mit «blutigen Tyrannen» wie Simbabwes Robert Mugabe sowie der burmesischen Militärjunta. Auch im Parlament sorgt der Auftritt für Empörung. Die Labour-Abgeordnete Louise Ellman sagt, der Iraner leugne nicht nur den Holocaust, sondern halte auch Homosexualität in seinem Land für «nicht existent»: «Gleichzeitig werden junge Homosexuelle an Kränen aufgehängt.» Ahmadinejad lasse Christen unterdrücken und rufe «zur Auslöschung Israels» auf, sagt der medienpolitische Sprecher der konservativen Opposition: «Da muss man sich fragen, ob <Channel Four> weiterhin Steuergelder erhalten soll», sagt Mark Pritchard.

Sender vom Staat abhängig

Dies könnte den Sender empfindlich treffen: In der Wirtschaftskrise kämpft «Channel Four» mit Mindereinnahmen, die Subventionen sind unabdingbar. Die Politik-Redaktion hat sich in den vergangenen Jahren oft seriös mit Iran und dessen Atomprogramm auseinandergesetzt. Freilich gehen diese Sendungen in dem Mix von Nackedeis, Reality-TV und unappetitlichen Jugendprogrammen oft unter. (bor)

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