Projekt gegen IWF und Weltbank

Südafrika ist diese Woche Gastgeber des Gipfels der sogenannten Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Die Staatengruppe verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: Die mächtigste Wirtschaftsgemeinschaft der Welt zu werden.

Wolfgang Drechsler
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Chinas Präsident Xi Jinping sucht auch in Afrika nach dem Schlüssel für eine Alternative zum Westen. (Bild: epa)

Chinas Präsident Xi Jinping sucht auch in Afrika nach dem Schlüssel für eine Alternative zum Westen. (Bild: epa)

DURBAN. Seit seiner Aufnahme im Jahr 2011 ist Südafrika bereits zum drittenmal im Reigen des illustren Clubs dabei. Die Regierung um Präsident Jacob Zuma sieht die Vergabe des Gipfels an Südafrika jedenfalls als Indiz dafür, dass die Kaprepublik zu den wichtigsten Schwellenmärkten gehört.

Doch längst nicht alle halten die Integration Südafrikas für gerechtfertigt, darunter Jim O'Neill, der Erfinder des Bric-Konzepts. O'Neill hatte sich im vergangenen Jahr unerwartet deutlich gegen eine Beteiligung Südafrikas in die vormalige Vierergruppe ausgesprochen, weil die Kluft zwischen dem Land und den anderen Volkswirtschaften zu gross sei – und weil es Südafrika an Potenzial mangele.

Schwache Wirtschaft

Die wirtschaftlichen Daten sprechen in der Tat gegen Südafrika: Seine Wirtschaftskraft liegt nur bei etwa einem Viertel der indischen oder russischen. Selbst Länder wie Indonesien, Korea, Mexiko oder die Türkei erwirtschaften ein deutlich höheres Sozialprodukt als der einzige Industriestaat Afrikas. All diese Staaten sind in den letzten 20 Jahren auch viel schneller gewachsen.

Für Südafrika bietet das Treffen gerade deshalb eine Chance, sein ramponiertes Image aufzupolieren. Alle drei grossen Ratingagenturen hatten die Kreditwürdigkeit Südafrikas im vergangenen Jahr nach den blutigen Streiks heruntergestuft – zum ersten Mal seit dem Ende der Apartheid vor fast 20 Jahren.

Führungsschwache Regierung

Neben der Führungsschwäche von Präsident Zuma beklagten sie vor allem die starke gesellschaftliche Ungleichheit am Kap und den völlig überregulierten Arbeitsmarkt, der dazu geführt hat, dass inoffiziell inzwischen über 40 Prozent aller Südafrikaner keinen Job haben. Während Afrika dieses Jahr im Schnitt um sechs Prozent wächst, ist es in Südafrika weniger als die Hälfte. Das schwache Wachstum wirft Südafrika immer weiter zurück: Während sich die anderen vier Mitglieder des Brics-Clubs alle unter den zehn grössten Volkswirtschaften der Welt befinden, liegt Südafrika auf Platz 29 – gleichauf mit Ländern wie Österreich, Iran und Argentinien.

Immer öfter investieren an Afrika interessierte Unternehmen deshalb auch direkt in Ländern wie Kenia oder Ghana, statt den Umweg über Südafrika zu nehmen. Brasilianische Konzerne zieht es zudem wegen der fehlenden Sprachbarriere vermehrt in portugiesischsprachige Länder wie Angola oder Moçambique.

Wichtige Vorteile Südafrikas

Allerdings verfügt das Land am Kap der guten Hoffnungen aber noch immer über ein hervorragendes Finanz- und Rechtssystem und auch über eine hochmoderne Börse, was es aber eher seinem dynamischen Privatsektor als der ineffizienten Regierung verdankt. Zudem hat Südafrika mit dem Mobilfunk-Konzern MTN, dem Petrochemie-Riesen Sasol oder dem in allen Brics-Staaten aktiven Medienkonzern Naspers Unternehmen von internationalem Rang.

Unterschiedliche Interessen

Die Beziehungen zwischen den Brics-Staaten sind aber wegen der bisweilen sehr unterschiedlichen Interessen der Länder ohnehin nicht so harmonisch, wie offiziell dargestellt: Das Dumping billiger Güter aus China hat dem Produktionssektor in Afrika schweren Schaden zugefügt, vor allem der Textilbranche.

Auch hat Südafrika gerade die Welthandelsorganisation (WTO) wegen eines Streits über den Import billiger Hühner aus Brasilien angerufen. Und die Geschäfte mit Indien werden von derart vielen Vorschriften behindert, das der geplante Zusammenschluss der beiden Mobilfunkkonzerne MTN und Bharti Airtel vorerst nicht zustande kam.

Politische Bedeutung nimmt zu

Andererseits hat die Brics-Gruppe in den vergangenen Jahren aber auch eine zunehmend politische Dimension erhalten, die Südafrikas Einschluss rechtfertigen könnte. Catherine Grant vom South African Institute of International Affairs sieht die Gruppe heute vor allem als Versuch, die Dominanz der westlichen Staaten und Institutionen zu schwächen.

Neben engeren Wirtschaftsbeziehungen soll deshalb in Durban zumindest formell die Gründung einer eigenen Entwicklungsbank beschlossen werden – als Projekt gegen die westlich dominierten Institutionen wie Weltbank und Internationaler Währungsfonds. Allerdings dürften in Durban konkrete Entscheidungen über die Bank verschoben werden – etwa die Frage, mit welcher Summe die fünf Mitglieder die Bank kapitalisieren. Südafrika sind die geplanten zehn Milliarden Dollar pro Mitglied zu viel. Es fordert eine Stafflung nach Grösse der Länder.

«Weit wichtiger ist jedoch, dass die Brics-Gruppe nun institutionell untermauert werden soll – und dadurch mehr wird als ein Anlagekonzept», sagt Stevens.

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